Die Vorschau: Uniteds Identitätskrise und Moyes Möglichkeiten

abGEMKNaczMomentum ist ein Begriff der vor allem im Basketball oder generell im US Sport Anwendung findet. Es beschreibt die Dynamik die sich auf und abseits des Feldes durch positive oder negative Ereignisse für oder gegen eine Mannschaft entwickelt. Ein positives Momentum ist im Mannschaftssport in bestimmten Saisonphasen nicht zu unterschätzen. Wenn es danach geht, sollte der FC Bayern vor dem großen Champions League Viertelfinal-Hinspiel gegen Manchester United am Dienstag-Abend besonders gewarnt sein. Während die Bayern am Wochenende nach einer 3:1-Führung noch das 3:3 gegen Hoffenheim kassierten und in diesem Spiel Thiago für den Rest der Saison verloren, drehte Manchester einen 0:1-Rückstand gegen Aston Villa in einen befreienden 4:1-Sieg.

Ein positives Momentum ist jedoch gewiss nicht alles. Fußballerisch spricht im Duell der beiden Rekordmeister sehr viel für die Elf von Pep Guardiola. United spielt zumindest in der Liga die schlechteste Saison seit über 20 Jahren.

Personeller Umbruch misslungen

Das Karriereende von Alex Ferguson, der den Club jahrzehntelang prägte, hat das erwartete Loch gerissen. Die Probleme der aktuellen Mannschaft gehen jedoch tiefer. Die Red Devils haben den Generationswechsel verpasst. 2011 erreichte Manchester zuletzt das Finale der Champions League. 8 Spieler, die damals beim 1:3 gegen Barcelona auf dem Platz standen, gehören auch heute noch zum Kader. Aus der Final-Truppe von 2009, als United ebenfalls gegen Barcelona verlor, sind es immerhin noch 6. Seit 2011 schied die Ferguson-Elf in der Champions League einmal in der Vorrunde und einmal im Achtelfinale aus. Alarmsignale, die überhört wurden – auch weil es 2013 in der Abschiedssaison von Ferguson durch einen Kraftakt noch einmal zum Titel in der Premier League reichte. Rio Ferdinand (35), Nemanja Vidic (32), Patrice Evra (32) und Michael Carrick (32) haben ihren Zenit überschritten und besetzen trotzdem nach wie vor Schlüsselpositionen. Selbst Ryan Giggs spielt mit 40 Jahren noch immer eine durchaus gewichtige Rolle.

Die Nachfolge-Generation mit Smalling (24), Jones (22), Rafael (23) oder Cleverly (24) wurde den Erwartungen gerade international bisher nicht gerecht, Neuzugänge wie Kagawa oder Fellaini haben bis heute enorme Anpassungsprobleme oder werden falsch eingesetzt. Was bleibt, ist ein Trio aus Mata, Rooney und van Persie, das die Mannschaft in den letzten Monaten trug. Mata (nicht spielberechtigt) und van Persie (verletzt) werden gegen den FC Bayern nicht zur Verfügung stehen. Man United ist derzeit siebter in der Premier League. Das ist tiefstes Mittelmaß. 10 Niederlagen, darunter zwei 0:3-Pleiten gegen Manchester City und Liverpool sowie ein 1:3 gegen Chelsea allein im Jahr 2014. Immerhin die Auftritte in der Champions League waren trotz des 0:2 gegen Piräus bisher ordentlich. Dennoch: United fehlt eine spielerische Identität.

United und die Suche nach der Nische

Dem neuen Coach David Moyes ist es bisher nicht gelungen der Mannschaft eine Identität zu verleihen, die zu ihr passt. Er setzt meist auf ein klassisches 4-2-3-1, passt sein Team nur selten, wie zuletzt beim 0:3 gegen Manchester City, als er überraschend auf ein 4-3-3 setzte, an. Moyes will, dass seine Mannschaft das Spiel mit einer Mischung aus physischer Stärke im Zentrum und individueller Klasse in der Offensive dominiert. Das Problem ist, dass das sehr viele Mannschaften inzwischen viel besser können, als das alternde United. Manchester City und Liverpool, aber auch das defensiv starke Chelsea unter Mourinho sind dafür die besten Beispiele. Moyes hat bisher keine Nische gefunden, um die spielerische Identität Uniteds zu erneuern. Der Kader wirkt dysfunktional. Das Pressingsystem ist harmlos. Für eine Kontermannschaft fehlt Manchester mit Spielertypen wie Fellaini, Carrick, Mata oder van Persie das Tempo und die Direktheit im Angriff. Für eine Ballbesitz-Mannschaft fehlt in der Offensive häufig das kreative Element, weil zum Beispiel ein effektiver Tempodribbler a la Ribéry oder Robben fehlt. Die Folge sind absurde Rekorde, wie die 81 ergebnislosen Flanken, die die Moyes-Truppe im Februar beim 2:2 gegen Fulham in den Strafraum hebelte. Dass Manchester in 32 Premier League-Spielen 35 Tore weniger geschossen hat als Spitzenreiter Liverpool unterstreicht die Probleme.

Ausfall von van Persie als Chance für Manchester?

Nach den Eindrücken der letzten Wochen ist für mich eines völlig klar: Wenn Manchester sich gegen Bayern auf ein Duell auf Augenhöhe und einen Kampf um mehr Ballbesitz und Spielkontrolle einlässt, wird Bayern dieses Viertelfinale klar für sich entscheiden. Der FC Bayern München ist in dieser Hinsicht inzwischen die klar bessere Mannschaft und in der Lage Manchester im Mittelfeldzentrum zu dominieren und dazu auf den offensiven Flügeln auseinanderzunehmen. Aus meiner Sicht ist jedoch eine Anpassung bei United denkbar, die Bayern deutlich stärker Probleme bereiten könnte. Der Ausfall von Robin van Persie, der sein Team mit einem Hattrick gegen Piräus noch ins Viertelfinale rettete, könnte hier durchaus eine Chance für die Moyes-Elf sein. Van Persie ist ein sehr guter Stürmer, der seinen Schwerpunkt aber im Verlauf der letzten Jahre immer stärker in den Strafraum verlegt hat. Er ist inzwischen ein recht klassischer 9er geworden auf den man sich gut einstellen kann. Ohne ihn und ohne den häufig verschleppenden Mata hat Moyes die Chance sein Team komplett auf eine Umschaltmannschaft zu trimmen. Mit Rooney als bulligem Stoßstürmer. Mit den dynamischen Welbeck, Januzaj oder Valencia auf den Flügeln. Mit Carrick, Fellaini oder Giggs als Rückgrat. Und einem Spieler im kreativen Zentrum, der den Münchenern in den Vergangenheit schon häufig richtig weh getan hat und der zuletzt deutlich aufsteigende Form bewies: Shinji Kagawa. Ich bin gespannt ob Moyes diese Chance erkennt und bereit ist seine Spielidee zu verändern.

Guardiola vor zwei Richtungsentscheidungen

Pep Guardiola steht selbst vor zwei Richtungsentscheidungen. Durch den Ausfall von Thiago, der mit Sicherheit gesetzt gewesen wäre, könnte Philipp Lahm erneut ins Zentrum rücken. Ich persönlich würde das ausdrücklich begrüßen, da er sich mit Schweinsteiger auf der leicht versetzten 6 deutlich besser ergänzt als die Kombination Schweinsteiger/Kroos, die vor allem im Gegenpressing Schwächen hat. Wie gut allerdings ein Dreieck aus Schweinsteiger, Lahm und Kroos funktionieren kann, sah man zum Beispiel in der Champions League-Vorrunde bei Manchester City oder zuletzt in Berlin beim 3:1-Erfolg unter der Woche.

Die zweite Richtungsentscheidung betrifft einmal mehr das Sturmzentrum. Mandzukic, Müller und Götze heißen hier die Auswahlmöglichkeiten. Ich tendiere gegen die kopfballstarke aber durchaus hüftsteife United-Viererkette für eine spielerische Variante mit Müller oder Götze. Mandzukic Stärke im Pressing könnte wiederum für den Kroaten sprechen. Den gesperrten Dante wird wohl Javi Martínez in der Innenverteidigung ersetzen. Nicht auszuschließen ist, dass Pep wie zuletzt einmal mehr alle überrascht.

Am Dienstag-Abend wissen wir mehr. Der FC Bayern geht als Favorit in das Duell mit Manchester United. Das sagt sehr viel über die Entwicklung dieser beiden Mannschaften in den vergangenen vier Jahren aus. Passieren kann in der K.o.-Runde alles. Die Nervosität ist deshalb zumindest bei mir relativ groß.

Pack ma’s.

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25 Antworten zu Die Vorschau: Uniteds Identitätskrise und Moyes Möglichkeiten

  1. Moritz schreibt:

    Ich könnte mir auch ein 4-1-4-1 vorstellen mit Lahm auf der alleinigen 6. Für mich ist Lahm einfach stärker im Bälle verteilen, alleine schon durch seinen 360 Grad Radar. Mit Martinez und seinen präventiven Ansätzen im Ball erobern, könnte ich mir so eine relativ gute Defensive vorstellen, gerade gegen den bulligen Rooney.

    Dies würde natürlich bedeuten, dass Schweinsteiger auf die 8 geht. Ich kann mir Götze auch gut auf der 9 vorstellen. Man hätte dann die zentrale Mittelfeldachse: Lahm, Schweinsteiger, Kroos und Götze. Gerade Schweinsteiger konnte auf der 8 mögliche Konter im Keim ersticken.

    Aber das sind nur Spinnereien von mir.

    Ich freue mich, das Kribbeln ist wieder da und in K.O. Spielen kann einfach alles passieren.

    Pack ma’s! Da kann ich mich dem Autor nur anschließen.

  2. chicago_bastard schreibt:

    Guter Artikel. Vor allem den Teil, dass van Persies Ausfall eine Chance für United sein kann, sehe ich genauso. Rooney kann vorne als Zielspieler hohe Bälle mit dem Rücken zum Tor verarbeiten und abschirmen, um dann die nachrückenden Flügelspieler und den beweglichen Zehner Kagawa einzusetzen. United könnte also quasi das alte BVB-System, das den Bayern in der Vergangenheit Probleme bereitet hat, spielen, mit Rooney in der Lewandowski-Rolle und Kagawa dahinter. Ich traue es Moyes allerdings nicht zu, diese Formation zu wählen, aus irgendeinem Grund setzt er Kagawa immer auf dem Flügel ein, wo er verschenkt ist, daher rechne ich auch morgen nicht mit ihm auf der 10, was für Bayern wiederum gut ist.

    Nur eine kleine Anmerkung noch zum Schaubild: Büttner spielt links und Rafael rechts, die beiden sind da also falsch herum aufgestellt.

  3. Bazi78 schreibt:

    Gute Vorschau.Ich hoffe auch auf das Zentrum mit Lahm,Schweini und Kroos.Als Mittelstürmer sollte mMn Müller spielen.Er ist einfach torgefährlicher und robuster im Zweikampf als Götze.Der ist sowieso nicht in guter Form zur Zeit.Was ist mit Rafinha hat er sich verletzt bzw ist angeschlagen? Davon habe ich bis jetzt nichts gehört…

  4. giselher schreibt:

    Ich vermute, dass spox ganz einfach Rafi mit Contento „verwechselt“ hat. Letzterer hat sich im Abschlußtraining den Fuß verletzt, ersterer sitzt derzeit munter im LH-Flieger nach Manchester, geschätzter Landeanflug in ca 1 h 30 min.

    Aber wer weiß schon was Genaues ….

  5. giselher schreibt:

    Im übrigen steht jetzt in der spox-Meldung – wie von chicago über mir vermutet – „Rafael“. Also wirklich nix mit Rafi …

  6. giselher schreibt:

    … nur noch in der Überschrift „Rafinha“ … Schlampert, höchst schlampert ….

  7. derbayernblog schreibt:

    Jep. Sie haben es offenbar korrigiert. Ich update den Artikel entsprechend.

  8. DS schreibt:

    Sollte Rafinha spielen können würde ich in dem Spiel ein 4-3-3 begrüßen, wie es gegen Hertha gespielt wurde. Hier könnte Götze auf der falschen 9 spielen und sowohl Ribery als auch Robben ihre Positionen sehr variabel und mit starkem Fokus auf das Zentrum interpretieren. Die Vorteile dieser spielstarken Variante gegen eine recht statische United Mannschaft sollten klar sein.
    Das Ganze könnte man wohl auch mit Müller als falsche 9 und Götze im Mittelfeld spielen. Hier beraubt man sich zwar möglicherweise etwas der Kombiantionsstärke im letzten Drittel, aber eine Umstellung auf ein oft gespieltes 4-1-4-1 mit klassischen Außenstürmern und richtigem Stürmer wäre ohne Auswechslung möglich. Ebenso könnte man problemlos auf ein 4-2-3-1 umstellen.

    Grundsätzlich finde ich es allerdings erstaunlich wie Guardiola es nach monatelangem Festhalten am 4-1-4-1 geschafft hat innerhalb kürzester Zeit zwei weitere Formationen mit sämtlichen Variationen so erfolgreich zu spielen. Vor allem das Spiel gegen die Hertha letzte Woche sticht hier ins Auge. So eine Rollenverteilung gab es in dieser Saison wohl nur in Ansätzen und dennoch hätte man vor allem in den ersten 20 Minuten denken können, dass die Mannschaft seit Jahren nichts anderes macht.

  9. SP schreibt:

    Was haltet ihr von der Idee, mit van Buyten und Boateng in der Innenverteidigung zu spielen und Martinez auf der alleinigen 6 einzusetzen?
    Hätte defensiv einige Vorteile, denke ich, da Martinez fehlende Schnelligkeit durch die fehlende Schnelligkeit bei den Spielern von Manchester nicht so schlimm ist (bei van Buyten das gleiche) und dadurch im Zentrum automatisch mehr Kopfballstärke bei Bayern ist, als mit Lahm auf der 6. Dann können wir noch mal deutlich besser gegen Flanken verteidigen. Zudem könnten wir Lahm als AV einsetzen und sind vielleicht spielerisch noch einmal etwas stärker.
    Martinez hat ja auf der 6 auch schon gegen Chelsea gut funktioniert und da ich vermute, dass Manchester sich ebenfalls eher tief staffeln wird und dann über die Flügel kontert, wie es auch Chelsea gemacht hat, könnte das doch eigentlich ganz gut klappen.
    Im Rückspiel wäre meine Innenverteidigung dann selbstverständlich Boateng und Dante.

    • derbayernblog schreibt:

      Ich habe genau darüber auch nachgedacht. Der Eindruck des Hoffenheim-Spiels und die van Buyten dort anzumerkende fehlende Spielpraxis hat mich aber davon abgebracht…

      • SP schreibt:

        War das Problem von van Buyten wirklich mangelnde Spielpraxis, oder mangelnde Schnelligkeit? Ich hab es leider nicht gesehen, kann es also nicht beurteilen. In den Szenen, die ich gesehen habe, sahs mir nach einer Mischung von beidem aus und dann trau ich ihm schon zu, dass es bei seiner Erfahrung bis morgen klappt.

      • derbayernblog schreibt:

        Schnelligkeit ist immer ein Problem. Aber es stimmte auch im Timing teilweise überhaupt nicht. Ich traue van Buyten alles zu. Er hat oft genug bewiesen, dass auf ihn Verlass ist. Aber jetzt aus der kalten Hose in einem der wichtigsten Spiele der Saison… Ich weiß nicht. Ein Risiko wäre es allemal.

    • DasDing schreibt:

      @SP: Van Buyten halte ich auf diesem Niveau mittlerweile für ein Sicherheitsrisiko, man merkt ihm sein Alter einfach an. Darüber hinaus sehe ich aber auch keinen Grund dafür, drei tendenziell defensiv ausgerichtete Spieler im Zentrum zu haben. Ein Offensivfeuerwerk ist von United nicht zu erwarten, da haben sie nicht die Kapazität zu, das Einzige worauf man achten muss sind die Konter. Und die kann Martinez auch als proaktiver IV mit unterbinden, er macht da sowieso praktisch das Gleiche wie letztes Jahr auf der 6. Der einzige Effekt wäre daher mMn, dass man einen weiteren Defensivmann auf dem Feld hätte und die offensiven/kombinativen Möglichkeiten dadurch reduziert würden. Für Sicherheitsdenken besteht jedoch kein Anlass (zumal auch noch Zweifel bestehen, wie sicher van Buyten ist), lieber sollte man das Spiel nach vorne verlagern, die statische United-Abwehr permanent unter Druck setzen und möglichst viele Auswärtstore erzielen. Und die beste Grundlage dafür ist nunmal ein (kombinations-)starkes Mittelfeldzentrum, zumal United in diesem Bereich wenig entgegenzusetzen hat. Das stärkste Gegenpressing und die höchste Sicherheit im Zentrum sind meines Erachtens mit Lahm auf der 6 zu erreichen…

      Im Angriff sollten definitiv Müller oder Götze spielen. Mandzukic gegen eine statische, kopfballstarke englische Abwehr, das hat schon gegen Arsenal nicht gepasst. Phasenweise habe ich mich da im Achtelfinale schwarz geärgert. Es macht einfach keinen Sinn, einen kopfballstarken Spieler, dessen Stärke darin besteht, die gegnerische Abwehr im Spielaufbau zu stören, gegen eine kopfballstarke Abwehr zu bringen, die am Spielaufbau kaum beteiligt ist. Müller wäre gegen diese statischen Verteidiger viel effektiver, von der Bank könnte man zudem auch Pizarro bringen.

      Meine favorisierte Aufstellung (der im Blog genannten sehr ähnlich):
      Neuer
      Rafinha, Boateng, Martinez, Alaba
      Lahm, Schweinsteiger
      Robben, Kroos, Ribery
      Müller/Götze

      • SP schreibt:

        Mir ging es doch gar nicht um die Unterbindung von Kontern. In diesem Gebiet wäre nämlich mMn Lahm besser als Martinez, da er schneller ist und vom Stellungsspiel auch nicht schlechter. Zudem kommen natürlich seine spielerischen Qualitäten.
        Worum es mir ging, ist lediglich, bei Flanken im Zentrum wirklich sicher zu stehen. Wir hatten es mit Lahm im Mittelfeld schon einige Male, dass dann Rafinha am langen Pfosten in ein Kopfballduell gehen musste. Und gegen Manchester, die fast nur auf Flanken setzen, sehe ich so was einfach nicht so gern. Da hat Rafinha dann nämlich kaum ne Chance.
        Zu dem Risiko mit van Buyten, das du ansprichst: Sein Alter in der Innenverteidigung sehe ich kaum als Nachteil an. Der einzige negative Punkt dabei ist ja schließlich die Schnelligkeit und setzt man ihn neben Boateng, der schon für nen Innenverteidiger ziemlich schnell ist, dann hat man gegen Manchester, die nicht so viele schnelle Spieler haben, doch recht gute Chancen. Der Punkt, dass er wegen dem Alter kaum das ganze Spiel auf Topniveau durchhält, ist mMn kaum gegeben, da er als Innenverteidiger nicht viel laufen muss. Wenn ich mit der Aufstellung spielen würde, dann aber sowieso nur maximal die ersten 60 Minuten, um zu Beginn der beiden Spiele wirklich stabil zu stehen. Wie groß das Risiko ist, ihn einzusetzen, weiß ich natürlich nicht und das weiß wohl auch keiner von uns. Wir können seine Form nun mal fast nur vom Spiel gegen Hoffenheim einschätzen. Das ist jedoch nur ein einziges Spiel.
        Ein Punkt, der dafür spricht, dass Guardiola van Buyten einsetzt (auch wenn ich persönlich das trotzdem für unwahrscheinlich halte), ist, dass van Buyten und nicht Martinez gegen Hoffenheim gespielt hat, damit er Spielpraxis bekommt. Man kann zwar argumentieren, dass Guardiola Martinez schonen wollte. Man kann es jedoch auch so sehen, dass er Martinez normalerweise eingesetzt hätte, da er bereits die letzten zwei Spiele nicht dabei war und daher auch mal wieder Spielpraxis benötigen könnte. Wenn er jedoch auf Martinez gegen Manchester auf der 6 setzt, dann bringt ihm die Spielpraxis auf der 4 nicht so viel, es wäre also sinnvoller, van Buyten zu testen. Ist aber natürlich nur eine sehr weit hergeholte Vermutung.

        Noch ein Punkt zu deiner Aufstellung: Ich stimme ihr eigentlich beinahe vollkommen zu, mit zwei kleinen Ausnahmen:
        1. Wenn Lahm, Schweinsteiger und Kroos spielen, dann ist Lahm meistens die alleinige Sechs. Gegen Hertha war dann ja glaube ich sogar Kroos der defensivere Achter, was mir gut gefallen hat, da er mit seinem Stellungspiel besser im Absichern ist, als im direkten Draufgehen. Dazu fehlt ihm die Zweikampfstärke, die dagegen Schweinsteiger hat. Der räumt dann also den Großteil ab und dahinter sind dann Kroos und Lahm und sichern ihn ab, wenn was durchkommt.
        2. Zu Robben. Ich habe ein kleines Problem damit, wenn Robben gegen Manchester eingesetzt wird. Ich finde, dass er vor allem dann stark ist, wenn er gegen eine höher stehende Abwehr spielt und Räume hat. Dann ist er einfach eine große Waffe, wenn er durch die Abwehr durchstoßen kann, entweder durch Dribblings oder durch die Annahme von weiten Bällen von z.B. Kroos. Diese Stärken kommen gegen tiefstehende Gegner kaum zum Einsatz. In engeren Situationen finde ich Götze deutlich stärker. Müller findet auch gegen tief stehende Gegner gut Räume.
        Dies wäre also meine Aufstellung:

        Neuer
        Rafinha/Lahm – Martinez/van Buyten – Boateng – Alaba
        Lahm/Martinez
        Kroos – Schweinsteiger
        Götze/Müller – Müller/Götze – Ribery
        (Götze, Müller und Ribery, vor allem aber Müller und Götze natürlich mit sehr flexibler Spielweise)

      • DasDing schreibt:

        Guter Punkt mit Robben, das ist mir vorhin gar nicht aufgefallen. Damit wäre der Platz Rechtsaußen wohl an Götze vergeben (wobei er mit Müller natürlich immer wieder rochieren könnte).
        Ob nun van Buyten tatsächlich ein Sicherheitsrisiko ist oder nicht, wird sich vielleicht nicht abschließend beantworten lassen (gegen Barca im letzten Jahr war er immerhin auch noch stark, fällt mir gerade ein), aber das ist auch nicht der Hauptpunkt. Mir geht es vor Allem darum, dass man mit einer offensiven Denkweise in dieses Spiel gehen sollte, und besser nicht am Mittelfeld herumschraubt nur um ein paar gegnerische Flanken abzufangen. United flankt zwar für gewöhnlich viel, aber auch schwach, und ich schätze sie insgesamt nicht so stark ein, dass man das Hauptaugenmerk auf die eigene Defensive legen sollte (außer natürlich auf proaktive Verteidigung mit Gegenpressing und hohem Ballbesitz). Ideal wäre, dass United praktisch gar nicht ans Flanken kommt, weil sie es soweit nicht schaffen, und das ist am besten mit einem kombinativ und im Gegenpressing möglichst starken Mittelfeld hinzubekommen. Das Ziel muss einfach sein, auswärts so viele Tore wie möglich zu machen, und idealerweise schon im Hinspiel eine Vorentscheidung herbeizuführen. United scheint wirklich nicht auf Augenhöhe zu sein, die Berichte über sie bei Spielverlagerung haben mir die Nervosität da so ziemlich genommen. Und selbst wenn man dann doch 1-2 Gegentore nach Flanken kassiert, ist das auswärts noch lange kein Weltuntergang – jedenfalls, solange man vorne zu mehr Torerfolgen kommt (3€ fürs Phrasenschwein).

      • SP schreibt:

        Da hast du grundsätzlich schon recht. Inwieweit es jedoch eine spielerische Einschränkung ist, wenn man Martinez statt Lahm im Mittelfeld hat (Einschränkung) und Lahm statt Rafinha auf der Rechtsverteidigerposition (durch Lahms Freirolle, wenn er rechts spielt, ein spielerischer Gewinn), ist bloß für mich nicht so leicht abzuschätzen, da ja schließlich Martinez auch nicht unbedingt der spielschwächste Spieler ist. Das wäre für mich sogar spielstärker, als die Kombination Schweinsteiger und Kroos auf der 6 mit Götze auf der 10.
        Zum Gegenpressing: Da ist ja Martinez auch nicht unbedingt schlecht und Lahm kann ihn auf der Rechtsverteidigerposition ja auch gut absichern und unterstützen.
        Für mich ist wie gesagt diese Formation nur in bestimmten Situationen sinnvoll, sie einzusetzen. Diese sind erstens am Anfang, um (falls van Buyten gut spielt) stabil in das Duell einzusteigen, weil einen frühen 2:0-Rückstand wegen zwei doofen Flanken will ich gegen eine englische Mannschaft nicht unbedingt aufholen müssen. Zweitens wäre zu nennen, wenn das Ergebnis einmal zu verwalten ist, was hoffentlich nicht vorkommen wird.
        Aber insgesamt entscheiden hier wohl nur Feinheiten, was besser ist. Für mich wäre zwar eigentlich gegen Manchester die idealste Besetzung eine 3-er-Kette, aber da die noch nicht eingespielt ist, müssen wir auf eine von den beiden genannten zurückgreifen. Was jetzt wirklich besser ist, werden wir wohl nie erfahren, aber irgendwie werden wirs dann schon schaukeln. Ich glaube auch nicht, dass wir wirklich Gefahr haben, auszuscheiden.

      • DasDing schreibt:

        Naja, Martinez mag zwar ebenfalls Passicher sein, aber in puncto offensive Kreativität liegt er doch ziemlich deutlich hinter Lahm. Zudem hat Lahm in den letzten Spielen auf RA nicht besonders überzeugt; allgemein kommt er mir bei dem im Vergleich zur 6 eher limitierten Aufgabenfeld auf dieser Position mittlerweile fast verschenkt vor. Und Martinez sehe ich als proaktiven IV nach wie vor besser aufgehoben. Das Anforderungsprofil auf dieser Position weist deutliche Ähnlichkeiten zu jenem auf der zweiten 6 im letzten Jahr auf, wo Martinez die Mannschaft in vielen Bereichen stärker machen konnte.

        Schweinsteiger/Kroos/Götze im MF dürfte in der Tat wenig hilfreich sein, aber Lahm/Schweinsteiger/Kroos hat sich in den Spielen gegen Leverkusen und vor Allem City als ausgesprochen stark entpuppt…die Dominanz war geradezu extrem.

      • SP schreibt:

        Dass Martinez auf der 4 bei uns allgemein besser aufgehoben ist, stimmt mMn auf jeden Fall. Ich persönlich habe bloß immer ein bischen Probleme damit, bei Bayern Spieler nach ihrer aktuellen Form zu bewerten, da wir erstens keinen 100%igen Einblick in ihre momentane Form haben (training) und da zweitens ich Spiele in der Bundesliga, in denen Lahm mal etwas schwächer spielt, nicht so hoch bewertet. Es ist immerhin seit Jahren so, dass insgesamt Bayern dann seinen besten Fußball spielt, wenn es gegen hochklassige Gegner mal nötig ist (auch wenn wirs verloren haben gilt hier sogar eher als das Finale 2013 für mich das Finale 2012 als Beispiel). Und dass Lahm unterfordert und verschenkt ist, stimmt vermutlich schon in gewisser Weise, andererseits hat er in den letzten Spielen auf der Rechtsverteidigerposition immer eine Freirolle eingenommen, in der er in bestimmten Situationen auch mal auf der 6 abgesichert hat oder ähnliches. Ich glaube, dass auch diese Rolle ziemlich kompliziert zu spielen ist und dass dadurch, dass er diese innehat und die Rechtsverteidigerposition vielleicht durch etwas andere Positionierungen sich deutlich im Vergleich zur letzten Saison verändert hat, die leichten Unsicherheiten entstanden sein könnten. Grundsätzlich sehe ich ihn da immer noch deutlich besser, als Rafinha.
        Aber wie ich schon geschrieben habe, ein abschließendes Urteil, was besser ist, ist nicht möglich und das Hauptziel, das ich mit dem Einwurf der Idee erreichen wollte, ist, dass ich eure Meinungen dazu hören konnte. Danke also für die Diskussion.
        Insgesamt bin ich bei normalem Spielverlauf genau deiner Meinung, würde die andere Taktik jedoch in kritischen Situationen, wo Stabilität verlangt ist einsetzen.

      • chicago_bastard schreibt:

        Dass Robben gegen tiefstehende Gegner nix gebacken bekommt halte ich für ein Gerücht und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass Pep ihn heute nicht aufstellt. Der ist allein schon wichtig, weil er immer zwei oder drei Gegenspieler bindet, der Respekt vor ihm beim Gegner ist riesengroß, zumal sein direkter Gegenspieler – ob das nun der auf diesem Niveau unerfahrene Büttner oder ein ungelernter Linksverteidiger als Notlösung sein wird – eine Schwachstelle sein dürfte. Außerdem ist er neben Kroos der beste Distanzschütze, was gegen eine massierte Abwehr ein gutes Mittel sein kann, wenn man es nicht schafft sich entscheidend durchzukombinieren, siehe das 1:0 bei Arsenal.

        In diesem Spiel, in dem Arsenal nach dem Platzverweis ja sehr tief stand, war Robben für mich nebenbei der Beste von unseren Offensivspielern, deutlich stärker als Götze, der da ganz blass geblieben war, daher kann ich wie gesagt überhaupt nicht nachvollziehen wieso er gegen tiefstehende Gegner nicht gut sein soll. Robben war nie ein reiner Konterspieler, er wäre ja wohl kaum auf seine jetzigen Scorerwerte gekommen wenn es so wäre, schließlich spielen wir seit seiner Ankunft hauptsächlich gegen tiefstehende Gegner.

  10. Johannes schreibt:

    Klasse Preview!
    So langsam steigt die Vorfreude hab schon leichtes kribbeln im Bauch xD

  11. anandvishwanathan schreibt:

    Wie heißt Fracksausen eigentlich auf englisch? Denke Moyes hat schlecht geschlafen und hofft auf ein Wunder.
    Laut Aufstellung spielt Rafinha was bedeutet das Lahm auf der 6 oder 8 spielt. Martinez in der IV da Dante gelbgesperrt. Müller für Robben konnte man sich denken da Müller gegen Arsenal etwas zu kurz gekommen war.
    Kein Mandschu + kein Götzinho.
    Nach R.v.P Verletzung hat Man U eigentlich keine Trümpfe in der Hand. Erwarte Man U ähnlich defensiv wie Ferguson sein Team in der letzten CL Saison gegen Real eingestellt hatte. Im Bernabeu ging die Taktik von Fergie auf. Aber Pep hat eine Menge spielrische Klasse aufgeboten.

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