FC Bayern – TSG 1899 Hoffenheim 3:3 (3:2)

FC Bayern Starke – Rafinha, Van Buyten, Dante, Contento – Schweinsteiger, Thiago (25. Lahm) – Shaqiri, Götze (46. Mandzukic), Ribéry (75. Robben) – Pizarro
Ersatz Neuer, Alaba, Martínez, Müller
TSG 1899 Hoffenheim Grahl – Johnson, Strobl, Vestergaard, Beck – Rudy, Polanski – Volland (89. Karaman), Roberto Firmino, Salihovic (60. Herdling) – Modeste (31. Elyounoussi)
Schiedsrichter Christian Dingert (Lebecksmühle)
Zuschauer 71.000 (ausverkauft)
Tore 0:1 Modeste (23.), 1:1 Pizarro (31.), 2:1 Shaqiri (34.), 3:1 Pizarro (40.), 3:2 Salihovic (44.), 3:3 Firmino (75.)
Gelbe Karten Schweinsteiger / Firmino, Vestergaard

Meh.

Falls ihr es verpasst habt:

Spiel 1 nach der Meisterfeier. Spiel 1 vor dem Champions League-Hinspiel gegen Manchester United. Der Ausgangslage legte bereits nahe, dass dies kein gewöhnliches Bundesliga-Spiel werden wird. Für die Münchener geht es in der Bundesliga nur noch darum im Rhythmus zu bleiben, gleichzeitig Spieler zu schonen und vielleicht das ein oder andere auszuprobieren. Guardiola ließ Neuer, Boateng, Lahm, Alaba, Robben, Kroos, Müller und Mandzukic unten – was seiner Rotationslogik folgend einige Rückschlüsse auf die Startaufstellung gegen United zulässt. Hoffenheim presste mutig und wollte von Beginn an die zu erwartenden Engagement-Defizite der Münchener auszunutzen.

Nach Modestes Führung drehte Bayern jedoch auf und erzielte drei spektakuläre Treffer durch Pizarro (2) und Shaqiri. Danach nahmen die Hausherren deutlich Tempo raus. Hoffenheim lief deutlich mehr (121/115 km) und deutlich intensiver (775:657 intensive Läufe) und schaffte damit den Ausgleich. Bayern hoffte die Partie im Schongang gewinnen zu können. Die Erkenntnis das dies in der Bundesliga auch gegen eine durchschnittliche Mannschaft nicht ausreicht, ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis dieser Partie. Am Ende hatten beide Seiten Chancen auf das 4:3. Auch eine Niederlage der Münchener wäre dem Spielverlauf gerecht geworden. 20:11 Torschüsse für Hoffenheim sprechen da eine deutliche Sprache.

Grund zur Panik gibt es überhaupt nicht. Dafür war das Spiel im Kontext für die Münchener zu Belanglos. Das Momentum, das den FC Bayern bis hierher durch die Rückrunde trug, hat durch die mäßige Vorstellung gerade in der zweiten Hälfte jedoch einen kleinen Dämpfer erlitten. Hinzu kommt die Verletzung von Thiago, die nach dem Spiel als Innenbandteilriss verifiziert wurde. Sportlich die sicher viel schlimmere Nachricht dieses Tages.

3 Dinge, die auffielen:

1. Der Wert von Manuel Neuer

Ich möchte eines vorwegschicken. Ich bin sehr froh, dass Tom Starke unser zweiter Torwart ist. Er scheint ein prima Kerl zu sein. Ein ordentlicher Bundesliga-Torwart ist er ohnehin. Aber das Spiel gegen Hoffenheim unterstrich, welchen Wert Manuel Neuer für den FC Bayern hat. Und damit meine ich nicht einmal den Gegentreffer zum zwischenzeitlichen 2:3, den ich als haltbar eingestuft habe. Hoffenheim spielte am Samstag-Nachmittag ein sehr ordentliches Pressing. Manuel Neuer spielt im Normalfall eine extrem wichtige Rolle dabei das gegnerische Pressing auszuhebeln. Er agiert als zusätzlicher extrem passsicherer Feldspieler. Er ist in der Lage Gegner auf sich zu ziehen, erst im letzten Moment abzuspielen und damit den Pressingrhythmus zu stören. Außerdem verzichtet er inzwischen weitgehend auf lange Bälle. Man sah Tom Starke gegen Hoffenheim an wie schwer es ihm phasenweise fiel die Erwartung seiner Vorderleute an einen mitspielenden Torwart zu erfüllen. Das Pressing der Gäste war auch deshalb so effektiv, weil Starke (69 Ballkontakte) nur selten konstruktive Lösungen fand. Der Wert von Neuer als mitspielender Torwart für diesen FC Bayern wird aus meiner Sicht noch immer nicht ausreichend gewürdigt.

2. Perfect Pizarro

Als Claudio Pizarro erstmals für den FC Bayern auflief, hieß der Towart Kahn, der Abwehrchef Linke und sein Sturmpartner Elber. Es war im August 2001. Beim 3:0-Sieg gegen Schalke 04 machte Pizarro das was er eigentlich immer macht. Er schoss ein Tor. Pizarro ist ein Phänomen. 171 Bundesliga-Tore hat er inzwischen auf dem Konto. Seine Verpflichtung im Sommer 2012 war eine von vielen guten Personalentscheidungen der letzten zwei Jahre. Er ist der perfekte Backup. Er ist ein klasse Teamkollege, er muckt nicht auf, er hat Erfahrung und er ist immer noch gut genug, um als Joker oder als Gelegenheitsstürmer wichtige Akzente zu setzen. 6 Tore und 8 Assists waren es in 20 meist kurzen Einsätzen im Vorjahr. Gegen Hoffenheim waren es die Treffer vier und fünf für den Peruaner in dieser Saison. In den kommenden Wochen könnte durchaus noch der ein oder andere Scorer-Punkt folgen. Pizarro ist 35. Sein Vertrag läuft zum Saisonende aus. Er hat bereits angedeutet, dass es für in wohl nur zwei Optionen gibt. Verlängerung oder Karriereende. Wenn ich beim FC Bayern etwas zu sagen hätte, würde ich den Vertrag mit Pizarro um ein Jahr verlängern. Wie gesagt: Einen perfekteren Backup gibt es nicht.

3. Baustelle Linksverteidiger-Position

Es bleibt eine der wichtigsten Baustellen für die Sommerpause. Der FC Bayern hat zur Zeit keine zwei gleichwertigen Linksverteidiger. Diego Contento konnte auch gegen Hoffenheim nicht unbedingt überzeugen. Nur 67 Ballkontakte – sein Gegenüber Rafinha hatte 95. Contento spielte die meisten Fehlpässe aller Spieler auf dem Feld (18) und gewann die wenigsten Zweikämpfe aller Bayern-Spieler (9), die 90 Minuten auf dem Feld standen. Contento verschuldet nicht unbedingt Gegentore, aber er vermag es zu selten positive Akzente zu setzen. Natürlich ist es für ihn besonders schwer einen Rhythmus zu finden, da Alaba meist gesetzt ist. Contento gibt Guardiola allerdings auch wenig Anlass dies zu ändern. Ein langfristiger Ausfall Alabas wäre für den FC Bayern gerade auf internationalem Niveau wohl das worst-case Szenario. Contento kündigte unter der Woche bereits an, den FC Bayern verlassen zu wollen. Regelmäßige Einsatzzeiten können seine Leistungsfähigkeit sicher stabiliseren. Er hat allemal das Zeug ein ordentlicher Bundesliga-Spieler zu werden. Den allerhöchsten Ansprüchen des FC Bayern, das unterstrich die Partie gegen Hoffenheim erneut, genügt er momentan jedoch nicht. Pfiffe, statt Aufmunterung für einen, der seit 1995 im Verein ist, sind trotzdem merkwürdig.

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17 Antworten zu FC Bayern – TSG 1899 Hoffenheim 3:3 (3:2)

  1. brolylucia schreibt:

    dem ist nichts hinzuzufügen, schätze das 3:2 übrigens auch als haltbar ein (evtl. „überhand“), bei einigen steilpässen durch bayerns Abwehr hab ich aus gewohnheit immer gedacht: „kein problem, neuer steht sowieso 25m vorm tor und fängt die pässe ab“, aber starke ist leider ein anderer Torwart-typ, mit dem die abwehr nicht so hoch stehen kann wie mit neuer.

  2. DS schreibt:

    Kann dem allen nur zustimmen. Das mit den Pfiffen gegen Contento habe ich nicht mitbekommen (da ich aufgrund des schlechten Moderators recht schnell den Ton abgeschaltet hab), aber das ist ja wohl die Höhe. Auch wenn er der wahrscheinlich schlechteste Ersatzspieler ist, bemüht er sich trotzdem jedes Mal und berschwert sich auch nicht über mangelnde Einsatzzeit. Und im Moment ist er nunmal der einzige Ersatz für Alaba.
    Ansonsten war das Spiel an allen Ecken und Enden bestenfalls mangelhaft (bis auf die angesprochene Leistung von Pizarro), was aber angesichts der Aufstellung und der Belanglosigkeit des Spiels egal sein sollte.

    Letztlich hat mich aber doch gewundert, dass Martinez nach seiner Zwangspause am Dienstag auch heute keine Einsatzminuten bekam. Gegen Manchester wird er wohl oder übel spielen müssen und da kann fehlende Routine, vor allem in den ersten paar Minuten in denen Bayern ohnehin oft anfällig ist, ein wichtiger Faktor sein.
    Ich habe eigentlich fest damit gerechnet, dass er heute in der Startaufstellung ist und dann gegebenenfalls ausgewechselt wird, oder zumindest am Ende 20 Minuten Einsatzzeit bekommt.

    • Bazi78 schreibt:

      Martinez hatte doch schon gegen Berlin wegen einer leichten Gehirnerschütterung pausiert.Vielleicht ist das ein Grund sein warum er nicht spielen konnte…
      Pizarro sollte auch aus meiner Sicht nochmal einen neuen Einjahresvertrag bekommen.Mandzukic möchte wohl wechseln und mit Pizarro hätten wir einen guten Backup für Lewa!

  3. SP schreibt:

    Zu dem Artikel gibts wie so oft kaum etwas hinzuzufügen. Eine Frage habe ich aber: Wie ist Pizarro im Pressing? Ich konnte das Spiel heute leider nicht sehen und da er selten und ich auch nicht immer darauf achte, weiß ich dazu leider so gut wie nichts. Weil für mich spielerisch immer noch die beste Lösung Pizarro wäre. Er lässt eigentlich, das ist zumindest mein Gefühl, innerhalb eines Spieles kaum nach, hält es also auch durch, obwohl er von der Spielweise her ähnlich wie Lewandowski (daher freue ich mich auf ihn, auch wenn er mMn in diesem Bereich die Qualität eines Pizarro hat) sich relativ weit fallen lässt und nicht wie andere Stürmer vorne drin bleibt. Auch körperlich kann er mithalten, wenn es darum geht, sich gegen andere Spieler durchzusetzen. Wenn er aber im Gegenpressing durch sein Alter oder irgendwelche andere Gründe deutlich schwächer ist, als andere Spieler, dann ist und bleibt er natürlich nicht mehr, als ein Ersatz. Ist er jedoch in der Lage, im Pressing ordentliche Leistungen zu bringen, dann traue ich ihm sogar zu, gegen manche ausgewählte Gegner (wie z.B. Manchester, aber so gut kenn ich die leider nicht, kann mich also auch sehr gut irren) ein mindestens gleichwertiger Ersatz für die Stürmerposition zu sein.

    • derbayernblog schreibt:

      Herausragend finde ich ihn im Pressing nicht. Definitiv weniger physisch als Mandzukic. Im anlaufen ok.

    • chicago_bastard schreibt:

      Das heutige Spiel lässt da keine Rückschlüsse zu, denn heute war das Pressing der gesamten Mannschaft gelinde gesagt ausbaufähig, daher kann man Pizarro da jetzt nicht gesondert betrachten. Ich denke aber man kann festhalten, dass Pizarro nicht mehr die Luft hat um 90 Minuten auf höchstem Niveau ins Gegenpressing zu gehen, daher ist er in den Topspielen für die Startelf eher keine Option.

      Deshalb freue ich mich ebenfalls auf Lewandowski, der ist Pizarro sehr ähnlich, nur eben viel jünger und somit in der Lage, sich über die volle Distanz am Pressing zu beteiligen.

      • derbayernblog schreibt:

        Guter Punkt. Über die Ähnlichkeit zu Lewandowski habe ich noch gar nicht nachgedacht, aber es passt in der Tat ganz gut. In seiner Hochzeit habe ich Pizarro gern mit David Trezeguet verglichen. Lewandowski passt auch dazu als modernere Variante dieses Spielertyps.

      • Bazi78 schreibt:

        Bei Lewandowski wird das größte Problem sein ob er sich der Rotation unterordnen kann? Bei Dortmund hat er doch fast immer alle Spiele in der Startelf gestanden.Wenn Müller mal als Mittelstürmer beginnt hätten wir mit Lewa und vielleicht Mandzukic sollte er bleiben zwei unzufriedene Stürmer auf der Bank.Vielleicht sollte man deswegen Mandzukic verkaufen und als Backup mit Pizarro planen…

  4. Bazi78 schreibt:

    Einen Backup für Alaba zu finden könnte ein Problem werden.Welcher gute Linksverteidiger setzt sich denn gerne 80% der Spiele auf die Bank.Wer könnte denn für uns in Frage kommen?
    Contento sollte wohl besser zu einem Verein gehen wo er Stammspieler wäre…

    • derbayernblog schreibt:

      Naja das Beispiel Rafinha zeigt ja wie schnell es gehen kann. 2 Möglichkeiten: ein ganz junger, oder was ich bevorzugen würde: ein gestandener 25/26-jähriger, den die Aufgabe beim Rekordmeister reizt.

    • Stan schreibt:

      Ich glaube auch, dass der Markt nicht viel hergibt. Das Problem mit dem fehlenden Linksverteidiger dürfte den Bayern-Verantwortlichen ja spätestens seit dem CL-Finale 2012 bekannt sein.

  5. DasDing schreibt:

    Ein ärgerliches Spiel, sowohl aufgrund des Ergebnisses als auch wegen Thiagos Verletzung. Dass man als feststehender Meister etwas unkonzenriert spielt ist ja verständlich, aber das war heute dann doch zu extrem. Einziger Lichtblick war natürlich Pizarro…öffnender Pass auf Ribery aus dem Mittelfeld, Sprint in die Mitte, Abschluss, 3:1, und das mit 35 Jahren. Wäre er jünger, bräuchte der FC Bayern Lewandowski nicht. Man sollte unbedingt mit ihm verlängern, wo soll der FCB sonst einen so versierten und gleichzeitig absolut umgänglichen Backup-Stürmer herbekommen?

  6. Stan schreibt:

    Ich habe das Spiel nicht ganz gesehen, aber den Torwart und die Viererkette so stark zu rotieren halte ich für bisschen zu gewagt – Champions League hin oder her.

    Wie war Götze auf der 10? Meiner Meinung nach seine beste Position.

    • derbayernblog schreibt:

      Götze war leider unsichtbar. Aufwärtstrend von Berlin setzte sich nickt fort.

      • Stan schreibt:

        Schon seltsam, rein vom Spielertyp müsste es ihm unter Guardiola doch recht gut liegen. Aber bislang fand ich ihn letztes Jahr bei Dortmund besser als hier bei Bayern. Es scheint wohl doch so zu sein, dass Klopp die Aufgaben an die Spieler sehr präzise verteilt, um sein funtionierendes Gesamtpaket zu bilden. Jeder Spieler, der von Dortmund wegwechselt, hat mindestens Anlaufschwierigkeiten. Mal sehen, wie das bei Lewandowski sein wird.

  7. Ryukyu schreibt:

    Die Sache mit Neuer hatte ich hier schon nach dem Hannover Spiel geschrieben.. der Unterschied zwischen beiden ist einfach zu krass.. natürlich muss man Starke die fehlende Spielpraxis zugute halten, auch seinen tadellosen Charakter.. er ist sicherlich ein guter Torhüter, aber auf der Position der Nummer 2 sollte man eine Veränderung vornehmen. Fußballerisch ist er einfach zu schwach, vor allem auch, weil die Mannschaft es gewohnt ist, mit Neuer einen exzellenten Fußballer hinter sich zu wissen.

    Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dauerhaft mit Starke im Team zu spielen, wenn Neuer sich mal verletzen sollte.

  8. Lukas schreibt:

    Wegen der Linksverteiger Frage sollte man Sebastian Rode nicht vergessen. Um bei Bayern im Mittelfeld viel zu spielen ist er viel zu schwach am Ball. Meiner Meinung nach bringt er jedoch alles mit um einen soliden Außenverteidiger zu geben. Vielleicht irre ich mit sehr, aber vielleicht sehen das auch die Verantwortlichen als Möglichkeit.

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