Wie Bastian Schweinsteiger den FC Bayern besser macht

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Es gab zuletzt auch hier im Blog eine Diskussion darüber wie die Rückkehr von Bastian Schweinsteiger die Spielweise des FC Bayern verändert. Vier Mal stand Schweinsteiger nach der Rückkehr von seiner langwierigen Verletzungspause in der Startelf. Beim 4:0 gegen Hannover, beim 5:1 gegen Schalke, beim 2:1 gegen Leverkusen und zuletzt beim 2:0 gegen Mainz. Zwei Tore erzielte Schweinsteiger in diesen vier Spielen selbst, zwei weitere Treffer bereitete er vor. Guardiola veränderte zu seinen Gunsten zuletzt sogar ein wenig die Statik im Mittelfeldzentrum. Die extreme Ausrichtung im 4-1-4-1 mit Lahm auf der alleinigen 6, die die Hinrunde bestimmte, gehört momentan der Vergangenheit an. Mit Schweinsteiger erinnert die Ausrichtung eher an das 4-2-3-1 der Vorsaison – wenn auch ohne eine echte absichernde 6 und zudem deutlich variabler interpretiert.

Subjektiv erinnert das Bayern-Spiel mit Schweinsteiger ohnehin ein wenig an die Bayern der Saison 2012/2013. Mehr raumgreifende Verlagerungen weniger klein-klein auf engstem Raum, mehr Wucht im Nachstoßen in die Spitze. Die Betrachtung der öffentlich zugänglichen Zahlen (z.B. von whoscored.com) legt einen positiven Einfluss von Schweinsteiger auf das Münchener Spiel nah.

Bis zur Rückkehr von Bastian Schweinsteiger in die Startelf am 22. Spieltag gegen Hannover erzielten die Münchener in der Bundesliga im Schnitt 2,7 Tore im Schnitt. In den vier Spielen mit dem 29-Jährigen in der Startelf waren es 3,2 Tore. Auch viele weitere Statistiken verbessern sich mit Schweinsteiger in der Startelf. 21 Torschüsse pro Spiel produzieren die Münchener zuletzt mit ihm, davon 13 innerhalb des Strafraums. Vor seiner Rückkehr waren es 19, bzw. 12 im Strafraum. Der durchschnittliche Ballbesitzwert steigert sich von zuvor 70 Prozent auf im Schnitt 75 Prozent pro Spiel. Die gespielten Pässe pro Spiel stiegen von rund 750 auf 841.

Auch defensiv belegen die Zahlen einen positiven Einfluss von Schweinsteiger auf das Münchener Spiel. Mit ihm in der Startelf ließ Bayern zuletzt 7 Schüsse, pro Spiel zu – davon 3,7 Schüsse innerhalb des Strafraums. Zuvor in der Saison waren es im Schnitt über 9 Schüsse und über 5 im Strafraum pro Partie. Auffällig ist auch, dass Bayern über die Saison gesehen über 50 Prozent der gegnerischen Torschüsse durch die Mitte zuließ. In den vier Spielen mit Bastian Schweinsteiger in der Startelf entstanden nur knapp über 20 Prozent der gegnerischen Torschüsse durch das Zentrum. Möglicherweise auch eine Auswirkung der etwas stabileren Ausrichtung mit der Doppelsechs zuletzt.

Der Eindruck, dass Schweinsteiger das Spiel zuletzt sehr stark an sich zog täuscht ebenfalls nicht. Er hatte nicht nur stets sehr hohe Ballbesitz-Werte – auch die Verteilung des Ballbesitzes veränderte sich unter ihm. 47 Prozent der Münchener Pässe wurden mit ihm im mittleren Spielfelddrittel gespielt. Über die Saison gesehen sind es ungefähr 41 Prozent. Die Aktionen im Angriffsdrittel sinken dafür im Vergleich von 36 auf 33 Prozent. Das beschreibt dann wohl auch die zentrale Herausforderung mit dem Boss zurück im Zentrum des Spiels. Dem Übergang aus der Angriffsinitiation ins Angriffsdrittel fehlte zuletzt zumindest in Phasen gegen Leverkusen und Mainz die Dynamik und Zielstrebigkeit. Schweinsteiger macht das Spiel gern breit und geht anders als Thiago auch weniger Risiko im Dribbling. Auch deshalb gefällt mir persönlich eine Verbindung aus Schweinsteiger und Kroos auf den beiden zentralen Mittelfeldpositionen nicht, weil beide ähnliche Fähigkeiten haben und sich anders als eine Kombination Schweinsteiger/Lahm oder Schweinsteiger/Thiago nicht in ihren Fähigkeiten ergänzen.

Klar scheint: Diejenigen, die Schweinsteigers Zeit in München oder in der Nationalelf während seiner langen Verletzung frühzeitig für beendet erklärt haben, haben sich wieder einmal geirrt. Schweinsteiger ist zurück im Zentrum des Spiels. Oder besser im Zentrum der Party wie Spox zuletzt schrieb. Dem Spiel des FC Bayern – dafür sind die öffentlich zugänglichen Statistiken mindestens ein Indikator – tat seine Präsenz in den letzten Wochen insgesamt sehr gut.

Disclaimer: Die Zahlen sind per Hand aus den öffentlich zugänglichen Statistiken zusammengerechnet und verglichen. Sollte jemand einen Fehler finden, freue ich mich über einen Hinweis.

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12 Antworten zu Wie Bastian Schweinsteiger den FC Bayern besser macht

  1. bootsmann schreibt:

    Das ist alles sehr gut analysiert und in Worte gefasst. Danke!

  2. Bazi78 schreibt:

    Guter Beitrag aber die Schweini-Skep­ti­ker werden wohl niemals verstummen.Ich halte Schweinsteiger und Thiago für die offensiv beste Kombination.Wenn mehr defensive Sta­bi­li­tät gefragt ist dann würde ich Schweinsteiger mit Lahm be­vor­zu­gen.Kroos könnte dann genauso wie Götze oder vielleicht auch Thiago die 10er Position übernehmen.Wobei mir Götze und Thiago wegen ihrer Dynamik lieber wären.Zuletzt hat Lahm wieder mehrfach als rechter Außenverteidiger gespielt.Das könnte ein Zeichen oder auch nur Zu­fall sein das Guardiola wieder dort mit ihm plant…

  3. Was von den Zahlen her schluessig klingt, sieht auf dem Feld etwas anders aus. Also mir gefaellt Lahm als 6er eindeutig am besten, davor Kroos und Schweini, Thiago oder Goetze auf der 10. Dann ist da viel mehr Tempo drin. Die letzten Spiele waren irgendwie Arbeitssiege.

  4. bsg schreibt:

    „Was von den Zahlen her schlüssig kling…“
    Die Zahlen klingen eben nicht schlüssig. Es sieht eher wie das normale Streuen um den Mittelwert aus, wenn du eine Stichprobe aus der Gesamtheit alle Bayernspiele nimmst. Versuch doch einfach mal per Zufall 4 Spiele aus allen BayernsPielen dieser Saison zu ziehen und du wirst sehen, wie groß die Variabilität da ist. Und wenn sich dann herausstellt, dass der beobachtete Wert mehr als 1,5 oder 2 Standardabweichungen vom globalen Mittel entfernt ist, dann weiß du, dass es bedeutungsvoll ist.
    Sonst ists nur Zufall.
    Aber das können andere Leute viel besser erklären, wollte nur drauf hinweisen, dass die Zahlen falsche Freunde sein können.

    Groetjes

    • derbayernblog schreibt:

      Kann man so sehen. Gerade die Anzahl der Pässe, die schwerpunktbereiche der Pässe und die Richtungen der gegnerischen Angriffe sind so unterschiedlich, dass Rückschlüsse durchaus möglich sind.

    • Rattan90 schreibt:

      Das wollte ich eben auch sagen. Trotzdem kann man den Beitrag gut stehen lassen, vA die Anmerkung zum 6er-duo Kroos Schweinsteiger. Gerade im Bezug auf die Nationalmannschaft darf man da gespannt sein..

    • SP schreibt:

      Ich persönlich bin der Meinung, dass die Infos aus dem Artikel stimmen. Was mein Problem an der Statistik ist ist nicht mal, dass es nur eine Stichprobe im Vergleich zum Rest ist, sondern, dass diese Stichprobe der Schlusspunkt des Rests ist. Bayern hat sich ja schließlich im Laufe der ganzen Saison stabilisiert. Am Anfang sind noch viele Konter durchgekommen, das passiert jetzt, ob mit oder ohne Schweinsteiger, nun mal nicht mehr. Daher bin ich der Meinung, dass man, um die Zahlen zu unterstützen noch die 4 Spiele direkt vor Schweinsteigers Rückkehr als Vergleichspunkt hinzuziehen sollte. Zumindest, wenn die Zahlen aussagekräftiger klingen sollen. Der Inhalt kommt mMn auch ohne rüber.

      • derbayernblog schreibt:

        In den 4 Spielen vor seiner Rückkehr schießt Bayern 2,7 Tore im Schnitt, spielt im Schnitt 716 Pässe (Ballbesitz im Schnitt knapp unter 70 Prozent), lässt 9,5 Schüsse zu, schießt 22 mal selbst aufs Tor und lässt über 50 Prozent der Torschüsse aus mittlerer Position zu. Nur 40 Prozent der Aktionen finden im Mittelfelddrittel statt.

        Auch die Zahlen bestätigen also die Trends nach Schweinsteigers Rückkehr (Deutlich mehr Ballbesitz/Pässe, mehr Aktionen im Mittelfelddrittel, weniger gegnerische Torschüsse aus dem Zentrum mit Schweinsteiger in der Startelf)

      • SP schreibt:

        Gut. Dann sind für mich auch die letzten restzweifel behoben. danke

  5. anandvishwanathan schreibt:

    Wie Bayernblog bereits sagt: BS31 ist der Boss. Und der Boss bestimmt nun mal die Pace + Orientierung.
    Mou ( POR ) wollte ihn in 2010 nach der phantastischen WM nach Madrid holen. Im CL Finale 2012 zieht Poenca ( POR ) bei der ersten Gelegenheit gegen den Leitwolf gelb. Damit war BS31 in seinem Zweikampfverhalten stark eingeschränkt.
    2013 ist der Verlauf des CL Finales in Wembley ziemlich exakt mit der Position von BS31 auf dem Spielfeld zu analysieren.
    Pep wusste um die dominierende Rolle von BS31 im Team der Bayern und hat zusätzliche Varianten einstudiert. Solltes es Man U oder dem eventuellen HF oder Finalgegner in der CL gelingen, BS31 weitestgehend zu kontrollieren dann können die Bayern spieltaktisch antworten ( Lahm oder Martinez auf die 6, Thiago, ).
    Die wesentliche Frage für Pep lautet: „Wie mache ich die Bayern weniger anfällig für schnelle Konter“?
    Grundsätzlich erwarte ich Martinez in den entscheidenden Spielen der CL auf der A6. BS31 + Kroos ( Variante 1 ) oder BS31 + Thiago ( Variante 2 ) auf den 8 er Positionen. Aber auch BS31 kann auf der A6 zum Einsatz kommen.
    MIt BS31 werden die Bayern klassischer und erinnern mehr an die Bayern unter Don Jupp. Sie sind jetzt aber deutlich schwerer auszurechnen- aufgrund der neunen Lösungsansätze..
    Pep hat auch gesehen welche Offensivpower speziell Real + Barca + PSG + Chelski entwickeln können. Darauf ist das Team mit BS31 noch besser vorbereitet. „The Boss ist back- just in time“
    Es dürfte schon jetzt klar sein dass Man U und auch Chelski auf Kontertaktik gegen die Bayern setzen. Und selbst Messi hat erwähnt dass Barca auch selber mal den Bus parken könnte….
    Hat er dabei speziell an die Bayern gedacht? Bereits im Clasico gegen Real standen sie häufig tief hinten drin.
    In jedem Falle aber können perfekt vorgetragene Tempowechsel und blitzschnelle Umschalttaktik die Bayern knacken. Korrekt?

  6. förbay schreibt:

    LOL ich stell mir gerade bildlich vor… BS31 in seinem Benz auf der A6 😀

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