VfL Wolfsburg – FC Bayern 1:6 (1:1)

Falls ihr es verpasst habt:

Ein absurdes Ergebnis für ein über 60 Minuten ausgeglichenes Spiel. Bayern begann mit Müller in der Spitze und Shaqiri in der Götze-Rolle. Ribéry kehrte nach Gesäß-OP ebenfalls in die Startelf zurück. Wolfsburg zwang die Münchener mit exzellentem Pressing von Beginn an zu einem hohen Aufwand und hoher Konzentration im Passpiel.

Gleichzeitig zogen die Wölfe ein recht schnörkelloses Angriffsspiel auf, bei dem Sie meist ohne Umschweife den Weg in Richtung Dost suchten, der mit dem Rücken zum Tor exzellent agierte und die nachrückenden Offensivakteure bediente. Der Plan der Hecking-Elf ginge lange Zeit auf – Wolfsburg erspielte sich bis zur 60. Minute gar ein leichtes Chancenplus. Zu diesem Zeitpunkt stand es nach Treffern von Naldo und Shaqiri (Nach einer Ecke) 1:1.

Es zeigt wie gefestigt die Guardiola-Elf inzwischen ist, dass sie bis dato trotz des hohen Wolfsburger Drucks insgesamt nur wenig Fehler machte und geduldig auf ihren Moment wartete. Was sich nach der Münchener Führung zum 2:1 abspielte war das, was es in dieser Saison schon einige Male zu beobachten gab. Wolfsburg zollte dem hohen Aufwand der ersten Stunde Tribut und glaubte nach dem 1:2-Rückstand nicht mehr an die eigene Chance. Ohne die letzte Überzeugung und Konsequenz brach der Wolfsburger Plan schnell in sich zusammen. Der kurz zuvor von Guardiola eingewechselte Thiago leitete mit einem Geistesblitz das 2:1 durch Müller ein (63.). Der ebenfalls eingewechselte Mandzukic mit zwei Treffern, Ribéry und erneut Müller machten am Ende innerhalb von 20 Minuten den Kantersieg perfekt.

3 Dinge, die auffielen:

1. Neuers Wert als mitspielender Torwart

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Der VfL bot am Samstag-Nachmittag zumindest über knapp 60 Minuten im Prinzip eine Blaupause für eine funktionierende Strategie gegen den FC Bayern. Das Ziel der Wolfsburger war es mit ihrem extrem hohen und breitem Pressing Bayerns Aufbauspiel durch die Mitte zu verhindern und früh nach Außen zu zwingen. Dies gelang zumindest im beschriebenen Zeitraum exzellent. Die Folge war eine Aneinanderreihung von Quer und Rückpässen, zwischen der Viererkette, dem im Verlauf des Spiels immer stärker abkippenden Lahm und Torwart Neuer. 212 Pässe spielte Bayern im eigenen Defensivdrittel. Boateng spielte 40 seiner 83 Pässe quer oder zurück. Rafinha 39 von 62. Insgesamt hatte Manuel Neuer 63 Ballkontakte – im Schnitt sind es in dieser Saison nur 39. Auch das unterstreicht wie oft Bayern in der Angriffsinitiation den Rückwärtsgang einlegen musste und häufig den Umweg über Neuer wählte.

Manuel Neuer unterstrich dabei seinen Wert als mitspielender Torwart. Neuer spielte 38 Pässe – mehr als jeder Wolfsburger oder zum Beispiel Thomas Müller (34). Der Bayern-Torwart brachte 95% seiner Pässe zu einem Mitspieler. Er schlug dabei keinen Ball über die Mittellinie. Man kann sich kurz vorstellen wie dieses Spiel gelaufen wäre wenn zum Beispiel Oliver Kahn noch Torwart des FC Bayern gewesen wäre. Kahn schlug in seiner gesamten Karriere fast jeden Rückpass hoch und weit nach vorne. Die Chance den Ball so in den eigenen Reihen zu halten ist extrem gering. Neuer trug am Samstag mit seinem sicheren, trotzdem nicht immer risikolosem Passspiel mit dazu bei, dass Wolfsburg sich in der ersten Stunde des Spiels kaputt rannte und Bayern nur knapp 15 lange Bälle aus der eigenen defensive schlug. Bayern bleib geduldig, machte insgesamt wenig Fehler im Spielaufbau und hatte ein wenig Glück, dass Wolfsburg beim Stand von 1:1 keine seiner 3 Halbchancen im Tor unterbrachte. Als das 2:1 fiel war Wolfsburgs Widerstand und der unbedingte Wille den Ball zu jagen gebrochen. Der Rest war eine Demonstration. Neuers Rolle als Ballverteiler und zusätzliche Option im Aufbauspiel sollte dennoch nicht unter den Tisch fallen.

2. Müller und Mandzukic on a Mission

Die beiden Bayern-Angreifer haben maßgeblichen Anteil an den Erfolgen der Münchener in 2014. Sie vollenden im Strafraum das, was die Guardiolas-Elf mit aufwändigem Kurzpassspiel vorbereiten. Müller schoss seine Pflichtspiel-Tore 6 und 7 im Jahr 2014. Mandzukic gar seine Treffer 8 und 9. Und das obwohl beide aus unterschiedlichen Gründen zuletzt Spiele verpasst hatten. Während Mandzukic seine Treffer fast ohne Ausnahme mit dem ersten Kontakt erzielt und damit als echter Zielspieler im Strafraum agiert, ist Müller vielseitiger. Er trifft aus dem Gewühl, aus dem Lauf, per Kopf oder wie auch immer. Die Ruhe mit der er nach Thiagos genialem Pass Benaglio umkurvte und einschoss beeindruckte. Müller war schon im Spieljahr 2013 bester Münchener Torschütze und  kann seine Fähigkeiten auch unter Guardiola voll zur Geltung bringen. Mandzukic, der insgesamt 16 Bundesliga-Tore auf dem Konto hat kämpft derweil mit Nachruck um die Torjägerkanone und sammelt weiter gute Argumente warum er trotz der Verpflichtung von Robert Lewandowski ein wichtiger Baustein für den FC Bayern bleiben sollte. Mandzukic bewies erneut, dass er auch als Einwechselspieler effizient sein kann. Nicht nur durch seine Tore, sondern auch durch die Physis gegen den Ball, die er mit seiner Einwechslung ins Spiel brachte.

3. Shaqiri mit Licht und Schatten

Es war mal wieder eine Gelegenheit von Anfang an für den kleinen Schweizer. Shaqiri begann auf dem rechten Flügel – zog mit zunehmender Spieldauer aber immer mehr in die Mitte. In der ersten Halbzeit erfüllte er seinen Job Torgefahr zu erzeugen recht gut. 4 Torschüsse gab Shaqiri ab, 2 davon hätten eigentlich ein Tor sein müssen. Beide Male schoss Shaqiri aber zu zentral auf Benaglio. Das Tor zum 1:1 wird zudem ihm zugerechnet, da der Ball schon bei seinem Abschluss hinter der Linie war. Trotzdem erwischte es Shaqiri nicht zu unrecht als Ersten, als Guardiola beim Stand von 1:1 neue Akzente setzen wollte. Was mir fehlt in seinem Spiel ist der konstante Wille Situationen zu erzwingen und sich auch in kritischen Phasen ins Spiel einzubinden. 28 Ballkontakte sind für einen knapp 60-minütigen Auftritt zu wenig. Thiago hatte in den verbleibenden 30 Minuten fast doppelt so viele. In den kritischen zehn Minuten nach der Halbzeit tauchte Shaqiri ab – Guardiolas Auswechslung war auch deshalb konsequent. Ich halte nach wie vor viel von Shaqiri und bin davon überzeugt, dass er sich beim FC Bayern zu einem Spieler entwickeln kann, der pro Saison 10-15 Tore schießt und 10-12 Tore vorbereitet. Das ist die Region in der sich Franck Ribéry nun über knapp 6 Jahre bewegt. Das ist der Maßstab, auch für Shaqiri.

VfL Wolfsburg Benaglio – Ochs, Naldo, Knoche, Rodriguez – Caligiuri (79. Schäfer), Medojevic – Arnold (79. Polak), De Bruyne (85. Malanda), Perisic – Dost
Ersatz Grün, Klose, Olic, Kutschke
FC Bayern Neuer – Rafinha, Boateng, Dante, Alaba – Lahm (67. Martínez), Kroos (57. Mandzukic) – Robben, Shaqiri (56. Thiago), Ribéry – Müller
Ersatz Starke, van Buyten, Pizarro, Schweinsteiger
Schiedsrichter Tobias Welz (Wiesbaden)
Zuschauer 30.000 (ausverkauft)
Tore 1:0 Naldo (17.), 1:1 Shaqiri (26.), 1:2 Müller (63.), 1:3 Mandzukic (66.), 1:4 Ribéry (71.), 1:5 Müller (78.), 1:6 Mandzukic (80.)
Gelbe Karten Medojevic / –
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12 Antworten zu VfL Wolfsburg – FC Bayern 1:6 (1:1)

  1. kay schreibt:

    „… ist Müller vielseitiger. Er trifft aus dem Gewühl, aus dem Lauf, per Kopf oder wie auch immer.“

    Love it. Müller sollte in den wichtigen Spieler IMMER spielen.

  2. Axel schreibt:

    Gute Analyse und ein nötiges Gegengewicht gegen den Mainstream, der den Münchner Sieg so erklärt wir die Sueddeutsche: „Dann bediente sich Bayern-Coach Pep Guardiola aus der Tiefe seines Luxuskaders, wechselte zwei Spieler ein. Und die Bayern gewannen 6:1.“ Dass ein so aufwendiges Spiel wie das der Wolfsburger nur eine Stunde durchzuhalten ist, spielt offenbar keine Rolle. Dass die Bayern noch nie in dieser Startaufstellung angefangen haben und auch Dank der Länderspiele in der ersten Stunde nicht rund liefen, spielt auch keine Rolle. Ribery und Müller nach Verletzung wieder dabei? Egal.

  3. Pingback: derbayernblog: Müller und Mandzukic on a Mission | Der göttliche Müller

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  5. Pingback: #Link11: Uli und Uwe und Sepp und Huub | Fokus Fussball

  6. Thomas schreibt:

    Es ist eigentlich unglaublich, wie unser FC Bayern die Gegner zermalmt! Wolfsburg war neben Dortmund der Klub, der uns am ehesten gefährlich werden konnte; der in den kommenden Spielzeiten einer der Konkurrenten sein könnte.

    Ich bin sprachlos und begeistert!

    Hoffen wir jetzt auf ähnlich gute Chancenverwertung gegen Arsenal und ein gutes Los fürs Viertelfinale (Olympiakos Piräus, Barcelona oder Dortmund)! 🙂

    • Bazi78 schreibt:

      Warum sind denn Barca und der BVB ein gutes Los? Gegen beide können wir diesmal auch verlieren…

      • Baldi schreibt:

        Gegen Barcelona kann man bestimmt verlieren, aber gegen Dortmund sieht es doch schon deutlich besser aus. Die haben ihre eigenen Probleme (Verletzungen) und sind taktisch auch nicht mehr so stark. Und das Ballbesitzspiel der Dortmunder ist diese Saison eher mäßig, was noch nett formuliert ist.
        Außerdem zeigen Guardiola und die Mannschaft, wie z.B. in Wolfsburg, dass sie mit gut und geschickt pressenden Gegnern mittlerweile gut umgehen können.
        Von daher glaube auch ich, dass Dortmund machbarer ist als z.B. Barcelona.

      • SP schreibt:

        Ich denke auch, dass Dortmund und Barcelona für uns nicht so toll wären.
        Dortmund ist zwar momentan nicht so gut, aber wegen dem Gegenpressing doch noch gefährlich. Außerdem tritt Dortmunds momentane Hauptschwäche, wenn sie das Spiel selbst aufziehen müssen, gegen uns kaum auf.
        Barcelona ist zwar lange nicht mehr so stark, wie vor ein paar Jahren, aber sie sind für mich dennoch sehr weit oben einzuordnen. Ich schätze eigentlich nur Real und Chealsea als für uns gefährlicher ein, da sie uns als Kontermannschaften ziemlich Probleme bereiten könnten. Barcelona würde mich aber dennoch reizen, da mich schon interessieren würde, ob wir gegen Barca auch das dominante Team wären, oder ob sie ihr Ballbesitzspiel durchziehen könnten. Ich würde aber auf Bayern als dominantes Team tippen, da Barcas Fokus nicht mehr ganz so dem Ballbesitz gilt.
        Chealsea wäre ein harter Brocken, aber ich würde sie sehr ähnlich (gefahrmäßig) einschätzen wie Barca, da wir mit Mandzukic auch jemanden haben, der ein tiefes Abwehrbollwerk knacken kann. Bei Real hätte ich da aber definitiv am meisten Angst, da Real einfach unglaublich Konterstark agiert. Das ist ja unsere Hauptschwäche. Und gegen Ronaldo und Bale wäre das definitiv nicht einfach zu verteidigen. (Ich würde in diesem Fall sogar wieder auf die Doppelsechs mit Martinez und Schweinsteiger setzen, um gegen Ronaldo mit Lahm besser besetzt zu sein (auch wenn mir Rafinha eigentlich sehr gut auf außen gefällt. Denkt ihr, er ist gut genug für Ronaldo?) und dennoch im Zentrum stabil genug zu stehen. Schweinsteiger und Kroos/Thiago bzw Schweinsteiger allein auf der Sechs wäre mir da nicht sicher genug.)

      • Baldi schreibt:

        „Außerdem tritt Dortmunds momentane Hauptschwäche, wenn sie das Spiel selbst aufziehen müssen, gegen uns kaum auf.“
        Doch, weil die Probleme im eigenen Ballbesitzspiel dazu führen, dass es durch eigenen Ballbesitz keine Entlstungsphasen gibt. Deshalb können die unsere Bayern auch nicht „totpressen“, weil sie sich dabei selbst verausgaben. Dann bleibt denen nur noch die Chance auf ein schnelles Tor und die Hoffnung, dass das auch reicht. Ansonsten läuft das Spiel vermutlich ähnlich wie im Champions League Finale.
        Mittlerweile ist mein Eindruck, dass die Mannschaft ziemlich gut mit dem Dortmunder Spielstil klarkommt. Aber warum sollten sie dem Pöbler auch den Gefallen tun sich nicht weiterzuentwickeln? Nur weil die das (zur Zeit) nicht schaffen?
        Aber vor Ronaldo gegen Rafinha graut es auch mir …

      • SP schreibt:

        Das Problem mit der fehlenden Entlastung stimmt. Das war schon in den letzten spielen (seit 12/13 denke ich) der Fall. Dortmunds Lösungsversuch war dabei immer, die erste halbe Stunde voll draufzugehen und möglichst in Führung zu gehen, um danach etwas weniger Druck zu machen.
        Was ich meinte kam aber wohl durch schlechte Ausdrucksweise nicht ganz rüber. Dortmunds Hauptproblem ist vor allem, dass sie sich bei eigenem Ballbesitz schwer gegen tiefstehende Gegner tun. Das war zumindest ein bedeutender Grund, warum sie sich so schnell in der Liga haben abhängen lassen. Dieses Problem ist dadurch, dass Bayern hoch steht in anderer Form gegeben.
        Und deinen Eindruck, dass Bayern gut mit dem Dortmunder Stil klarkommt, teile ich leider nicht. In beiden Spielen in dieser Saison (Supercup sehe ich aber nicht so wichtig, da war Bayern ja noch nicht so gut eingespielt) hatten wir große Probleme. Beim 3:0 in der Hinrunde hat Guardiola sogar aus Respekt vor dem Gegenpressing zu sehr vielen langen Bällen gegriffen und Martinez als zusätzlichen Zielspieler zu Mandzukic ins offensive Mittelfeld gestellt. Das ist für mich nicht unbedingt mit dem Dortmunder Stil klarkommen. Vor allem nicht, wenn wir trotz dieser Umstellung lange Probleme hatten und erst nach ca. 60 Minuten mit Thiago und Götze als frisches Personal das Spiel gewinnen konnten. Wie kommst du also zu dem Schluss, wir kämen mit Dortmund ganz gut klar?

      • Bazi78 schreibt:

        Dortmund hat mMn gegen unsere Bayern im direkten Duell nie schlecht gespielt.Wir konnten zwar zuletzt in der Liga,DFB-Pokal und im CL-Finale gegen den BVB gewinnen.Aber diese Spiele waren doch nicht wirklich souverän und wurden auch nicht ohne Probleme gewonnen.Mir wäre es auch lieber nicht wieder auf die gleichen Teams wie letztes Jahr in der CL zu treffen.Natürlich sind Real und Chelsea die größten Gegner.Wenn Real kommt wird Guardiola wohl Lahm gegen CR7 stellen und Martinez dann auf die Sechs.Es wird also weiter schwer genug in der Champions League und man sollte nicht einfach von einem erneutem Gewinn ausgehen…

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