Warum Martínez perfekt in Guardiolas Ausrichtung passt

Er ist so ein wenig das Sorgenkind der bisherigen Bayern-Saison. Javi Martínez ist nach Verletzungen und Startschwierigkeiten noch auf der Suche nach seiner Rolle beim FC Bayern. Der Baske wurde von seinem Trainer bisher wie kaum ein anderer hin und her geschoben. In seinen 8 Startelf-Einsätzen begann Martínez zwei Mal in der Innenverteidigung, vier Mal im zentralen defensiven Mittelfeld und zwei Mal im zentralen offensiven Mittelfeld. Zuletzt begann der 25-Jährige gegen Arsenal im Mittelfeldzentrum, um nach einer eher durchwachsenen ersten Hälfte in die Innenverteidigung zurück zu rücken. Am Sonntag-Abend gegen Hannover begann Martínez erstmals gemeinsam mit Jerome Boateng in der defensiven Zentrale und er bewies, warum seine Fähigkeiten im Prinzip perfekt zur Ausrichtung Guardiolas passen.

Der Bayern-Coach hat die Ausrichtung in der Innenverteidigung im Vergleich zum Vorjahr deutlich verändert. Für mich ist dies vielleicht sogar die weitreichendste Änderung, die Guardiola vorgenommen hat. Durch den fehlenden zweiten absichernden 6er, sind die Anforderungen an die beiden Innenverteidiger deutlich gestiegen. Während unter Heynckes die gesamte Viererkette in Rückwärtsbewegung relativ weit absank und darauf bedacht war gestaffelt zu stehen und sich damit gegenseitig abzusichern, ist die Ausrichtung unter Guardiola eher eine Vorwärtsverteidigung. Die Innenverteidiger sind aufgerufen den Raum neben dem einzigen 6er aktiv zu besetzen. Immer wieder bricht einer der Beiden aus der Kette aus und versucht den Ballgewinn viel höher und viel direkter im eins-gegen-eins zu erzielen, als das noch im Vorjahr der Fall war. Sehr schön kann man diese Entwicklung nachvollziehen, wenn man die Defensivleistung der beiden Innenverteidiger am Sonntag mit dem Auswärtsspiel gegen Hannover in der Vorsaison vergleicht:

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Legende: o=Ballgewinn, x=erfolgreicher Zweikampf, Raute=Abgefangener Ball.

Es ist deutlich zu sehen, wie sich der Schwerpunkt der Aktionen der Innenverteidiger nach vorn verlagert. Auch insgesamt sind es deutlich mehr Aktionen, die beide Innenverteidiger ausführen müssen. Ein weiterer Beleg für Guardiolas gestiegene Ansprüche an seine Abwehr-Zentrale. Martínez kommt diese Ausrichtung entgegen. Er ist ein exzellenter Zweikämpfer und hat ein herausragendes Timing im Herausrücken und im Abfangen von Bällen. Sein Passspiel ist zudem mehr als passabel. Er erfüllt damit Guardiolas Anforderungen an einen Innenverteidiger exzellent. Es sind im Prinzip die gleichen Fähigkeiten verlangt, die ihn im Vorjahr noch auf der 6 so wertvoll gemacht haben.

Gegen Hannover zeigte sich Martínez im Vergleich zu den Vorwochen gerade in den genannten Bereichen deutlich verbessert. Martínez gewann gegen Hannover atemberaubende 26 Zweikämpfe, davon 13 Kopfball-Duelle. Er fing vier Bälle ab und gewann insgesamt 14 Mal den Ball. Das ist statistisch gesehen die beste Performance eines Bayern-Verteidigers in der laufenden Saison. Martínez hat sich mit dieser Leistung in Stellung gebracht. Guardiola hat damit offiziell eine Alternative mehr in der Innenverteidigung. Eine ziemlich gute sogar.

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11 Antworten zu Warum Martínez perfekt in Guardiolas Ausrichtung passt

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  2. Baldi schreibt:

    Das stimmt zwar, aber läßt die (vielleicht entscheidene) ) Frage nach der (Sprint-)Schnelligkeit offen.
    Gibt es eigentlich eine allgemein zugängliche Statistik über die Schnelligkeit der Bayernspieler? Das würde mich auch hinsichtlich Holger Badstuber interessieren.

    • Bazi78 schreibt:

      Wenn nur ein Innenverteidiger also Martinez herausrückt und der andere in der Abwehrkette bleibt kann eigentlich nichts passieren.Wenn kein Abseits gepfiffen wird ist Boateng immer noch Antrittsschnell genug um einen möglichen langen Ball abzufangen.Das die Abwehr bei Guardiola so hoch steht bzw. vorwärtsverteidigt ist natürlich immer ein Risiko…

      • Shamp0o schreibt:

        Denke ich auch. Boateng und Martinez scheinen sich in dieser Hinsicht nahezu perfekt zu ergänzen.
        Außerdem kann man physische Fertigkeiten wie Schnelligkeit und vor allem Antritt recht gut trainieren. Ob das allerdings eine Option ist (Krafttraining und Sprinttraining erfordert relativ viel Regenerationszeit und bei Pep gibt es ja jetzt schon nichtmal mehr reines Ausdauertraining) ist eine andere Sache.

        Die Frage ist dann wie sich Badstuber nächste Saison eingliedern lässt. Auf mich macht dieser nämlich auch eher einen langsamen Eindruck (auch wenn ich das jetzt nicht mit Zahlen belegen kann).

        Häufig wird ja auch argumentiert dass es bei Guardiola immer einen Linksfuß in der Innenverteidigung geben muss. Ich denke allerdings, dass Boateng hier auch auf längere Sicht eine Option für die linke Seite wär, weil er doch recht beifüßig ist und es in einem Spiel nicht allzu viele Situationen gibt wo ein Innenverteidiger wirklich gezwungen ist einen schwierigen Pass mit dem schwachen Bein zu spielen.

  3. Ryukyu schreibt:

    Ich finde es schön, wie du immer wieder einzelne Aspekte eines Spiels in einen eigenen Artikel verpackst und allgemein einordnest! Die Abbildungen sind auch top und helfen enorm beim Verständnis!

    Man kann wohl nur erahnen was da an Zeit, Arbeit und Herzblut drin steckt! Danke jedenfalls für die zahlreichen und tollen Beiträge! Es macht echt großen Spaß hier zu lesen und zu schreiben!

  4. HenningT. schreibt:

    Super Beitrag, zeigte mir was von dem ich nicht einmal etwas mit bekommen hab sehr gut ausgearbeitet.

  5. Bazi78 schreibt:

    Wieder ein sehr guter Beitrag.Nach der guten Leistung von gestern wird Martinez bestimmt auch gegen Schalke wieder spielen.Mit Boateng passt er mMn auch am besten zusammen.Aber der ist ja leider kein Linksfuß womit wieder Dante im Vorteil ist.Hoffentlich geht das so gut mit Martinez weiter dann braucht man auch keinen neuen Innenverteidiger…

  6. Tery Whenett schreibt:

    Ich tue mich mit Martinez in Innenverteidigung schwer, auch wenn der Artikel die Vorteile gut schildert. Danke dafür 🙂 Werde das weiter beobachten. Unter Heynckes wurden Schwächen der IVs durch die Doppel6 sehr gut kaschiert, sodass selbst ein van Buyten (der im CL-Finale 2010 zweimal ausgetanzt wurde) sich auf seine Stärken besinnen und groß aufspielen konnte. Bei Guardiolas Herangehensweise fehlt mir diesbezüglich noch das Vertrauen – und bis Martinez mit seinem Gardemaß Geschwindigkeit aufgenommen hat, sind die meisten Spieler eben weg.

  7. anandvishwanathan schreibt:

    Schließe mich dem Kompliment an Bayernblog an. Interessant.
    Pep bereitet sein Team rechtzeitig auf mögliche Gegner in der CL wie Barca, Real oder PSG vor. Ob es wieder für den ganz großen Titel reicht werden wir sehen.
    BS31 ist wohl auf der A6 geplant und Martinez rückt somit in die IV. Auf diese Weise wäre die in der letzten Saison weltbeste Doppel 6 in veränderter Form wieder formiert. Verletzt sich BS31 abermals, dann rückt Martinez gegen starke internationale Teams auf die A6 und Dante verteidigt wie gewohnt als IV.
    Pep hat sich natürlich die Frage nach der Geschwindigkeit beim Tiki Taka gestellt. Mit BS31 + Kroos haben die Bayern gegen Man City im Hinspiel hervorragenden Dominanzfussball mit der bisher höchsten Pace gespielt. Mit Martinez auf der A6 ging es nicht schnell genug. Nach der Umstellung von Lahm auf die A6 klappte die Raute im MF deutlich besser. Aber noch immer fehlt das letzte Stück Pace. Pep musste Müller / Pizza bringen um den „Sanchez Faktor“ ins Spiel der Bayern zu bringen.
    Wenn Barca in absoluter Topverfassung ein Spiel entscheiden will, dann lässt sich dies an der Geschwindigkeit des Passspiels sowie dem häufigen Kreuzen von speziell Sanchez vor der Abwehrkette ablesen- so sollen die Lücken in der Defensive geschaffen werden.
    Den „Sanchez Faktor“ wird in der kommenden Saison Lewa ausfüllen.
    Mit Martinez in der IV und BS31 auf der A6 erinnert sich Pep an das Bayern aus der letzten Saison welches die Ballmaschine ( Xavi, Iniesta ) entscheidend gestört hat.
    Alternativ wird immer klarer dass Lahm die Xavi Rolle noch besser als Thiago ausfüllen könnte. Gegen Real, Barca oder eventuell auch PSG ist Lahm in seiner klassischen Rolle als RV zu erwarten.

  8. H34T schreibt:

    Fand Martinez gestern auch ziemlich stark und denke auch dass er gerade mit den genannten Stärken wie Antizipationsfähigkeit/Interceptions für die von dir beschriebene neue Ausrichtung der IV optimal ist. Geschwindigkeit ist natürlich ein Problem, das hat man z. B. im Salzburg spiel gesehen, auch wenn da mit 3er Kette gespielt wurde. Wenn Hannover gestern mal einen guten langen Ball auf den schnellen Rudnevs gebracht hätte, hätte man es mal sehen können.

    Es ist die Frage, wie sehr auf einen Linksfuss als IV wertgelegt wird. Ich sehe Boa eigentlich schon absolut gesetzt, er spielt eine starke Saison und ist auch extrem selbstbewusst (siehe Torabschluss gestern). Es wäre schade, wenn er der leidtragende wäre.

  9. förbay schreibt:

    Finde den Artikel ebenfalls schon herausstechend, ein „Aha“-Moment weil wirklich Aspekte aufgezeigt und zusammengebracht wurden, die bisher so gar nicht in der Diskussion waren.

    Ich habe überhaupt keine Sorge, dass irgendwer der „Leidtragende“ sein wird. Van Buyten ist 36 (!), Dante 30; Es ist absolut notwendig, dahinter eine jüngere Generation für die IV aufzubauen. Dante, Boateng, Martinez, sie alle werden ihre Einsätze bekommen. Und Guardiola hat nicht nur EINE IV-Besetzung bei der sich bloß niemand verletzen darf, sondern kann selbst hier je nach Gegner Anpassungen vornehmen.

    Insgesamt hat mir gestern die Variabilität aber auch die Fluidität im Spielaufbau in der Abwehrreihe echt gefallen. Martinez rückte mal relativ weit ins Mittelfeld vor, Boateng war sogar mal als linker Außenverteidiger unterwegs. Das war natürlich dadurch begünstigt, dass mit Lahm und BS31 gleich zwei 6er auf dem Platz standen, die beide routiniert Abkippen können zwischen die IV.

    Ich bekomme mehr und mehr den Eindruck, dass eins der mittelfristigen Ziele Guardiolas darin besteht, den Spielaufbau so variabel und überraschend gestalten zu können, dass es für den Gegner praktisch unmöglich ist, sich während des Spiels darauf einzustellen, also sich in die Partie „hineinzuspielen“/“hineinzupressen“.

    Das scheint auch bitter nötig, denn durch die Dominanz ist das Spiel halt auch sehr einseitig, und für einen cleveren Trainer sollte es schon möglich sein, über kurz oder lang gewisse patterns in den Angriffsbewegungen der Bayern herauszulesen. Das Spiel muss also immer von hinten heraus schon irgendwie kreativ gestaltet werden, vielleicht ein Grund, warum Guardiola Lahm so gerne auf der 6 bringt.

    Alles in allem also macht es schon total Sinn, was in der Abwehrreihe passiert. Es sind irgendwie alles Bausteinchen, die Richtung finde ich ist ziemlich klar und macht Sinn.

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