Reform der Nachwuchsarbeit – Bayern baut neue Jugendakademie

„Wir investieren in Steine und nicht in Beine, das ist derzeit unser vordringliches Ziel“ Karl-Heinz Rummenigge.

Nachdem am Dienstag fälschlicherweise berichtet worden war, dass der FC Bayern die Säbener Straße verlassen wolle, ist inzwischen etwas Licht ins Dunkle gekommen. Geplant ist offenbar der Umzug des Nachwuchsbereichs in ein neues Trainingszentrum in der Nähe der Allianz Arena. Von einem modernen Campus für die Jugendakademie ist die Rede. Auch ein eigenes Stadion als Spielstätte für die Jugendmannschaften soll dort wohl entstehen. Vergleiche zur legendären Jugendakademie La Masia des FC Barcelona wurden bereits gezogen. Neu sind die Pläne im Übrigen nicht – schon im Mai hatte Sportchef Matthias Sammer auf entsprechende Gedankenspiele verwiesen. Die Auslagerung ist offenbar aus Platzgründen notwendig geworden. Natürlich können durch die örtliche Nähe der Nachwuchsabteilungen zu den Profis Synergien genutzt werden – zuletzt schien das Platzproblem aber so akut geworden zu sein, dass professionelles Arbeiten teilweise unmöglich wurde. Für alle Jugendmannschaften von der U8 bis zur U19 stehen nur vier Plätze und eine Halle zur Verfügung.

Die geplante bauliche Veränderung kann als Startschuss der Reform der Jugendarbeit unter Matthias Sammer gesehen werden. Der Sportchef hatte bei seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren bereits angekündigt, dass die Bestandsaufnahme und die darauf folgenden Umstrukturierungen Zeit brauchen werden. In den vergangenen Monaten war der ein oder andere im Umfeld des FC Bayern trotzdem ein wenig nervös geworden, ob der fehlenden Lösungen für die Umstrukturierung im Nachwuchsbereich. Sportlich sind diese bitter nötig. Die letzten Titel im Nachwuchsbereich liegen einige Jahre zurück. Die U19 und die U17 des FC Bayern spielen in dieser Saison unter ferner Liefen in der Junioren-Bundesliga. Die A-Jugend trennt sogar nur ein Punkt von den Abstiegsrängen in der Südstaffel. Der Ruf von zwei verlorenen Jahrgängen macht bereits die Runde. Sicherlich ein zu hartes Urteil. Trotzdem: Spätestens in 3 bis 4 Jahren, wenn die goldene Generation um Schweinsteiger und Lahm ihre Karriere langsam beenden wird, müssen Eigengewächse mit internationalem Format nachrücken. Ein Umbruch auf höchstem Niveau gelingt nur mit einem entsprechenden Unterbau – das hat die Erfahrung im europäischen Klubfußball des letzten Jahrzehnts gezeigt.  

Eine umfassende Reform des Nachwuchsbereichs angekündigt wurde bereits unter dem ehemaligen sportlichen Leiter Christian Nerlinger, der diese aber nie wirklich anpacken durfte. Seitdem fehlte beim FC Bayern vor allem eins: Personelle Konstanz. Hans-Jörg Butt der als Nachwuchskoordinator eingesetzt wurde, gab nach nur wenigen Monaten im Amt auf. Auf ihn folgte mit Wolfgang Dremmler eine bewährte, aber doch recht unambitionierte interne Lösung. Der ehemalige Bundesliga-Trainer Marcus Sorg, der mit großen Vorschußlorbeeren die U17 des FC Bayern übernahm und inzwischen als Nachfolger von Hansi Flick als Co-Trainer der Nationalelf im Gespräch ist, verließ den Verein ebenfalls nach nur einem Jahr wieder. Marc Kienle, der vor der Saison extra aus Stuttgart weggelockt wurde, blieb ebenfalls nur einige Monate, um dann den abstiegsgefährdeten SV Wehen Wiesbaden in der 3. Liga zu übernehmen. Der ehemalige Co-Trainer von Mehmet Scholl bei den Amateuren, Sören Osterland, der als eins der größten Trainertalente des Landes gilt, wurde mit der Aussicht auf einen Cheftrainer-Posten nach Hannover, zu den dortigen Amateuren gelockt.

Sammer hat zwei Schlüsselpositionen im Nachwuchsbereich inzwischen mit einem persönlichen Vertrauten (Heiko Herrlich, U17) und einem alten Bekannten (Heiko Vogel, U19) besetzt. Gemeinsam mit Dremmler und dem Sportlichen Leiter Michael Tarnat sollen sie mittel- und langfristig das Gerüst der Nachwuchsabteilung bilden.

Die Erwartungen an Sportvorstand Matthias Sammer, der die Hauptverantwortung für die Neuausrichtung der Nachwuchsabteilung hat, sind riesig. Mit dem geplanten millionenschweren Neubau der Jugendakademie und einer komplett neuen Trainings- und Spielstätte unterstreicht der Rekordmeister seine großen Ambitionen in diesem Bereich. Erfolg oder Misserfolg der Neuausrichtung im Nachwuchsbereich werden auch maßgeblich über die zukünftige Entwicklung des gesamten Vereins entscheiden. Auch insofern sind die Nachrichten des heutigen Tages bedeutsam.

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9 Antworten zu Reform der Nachwuchsarbeit – Bayern baut neue Jugendakademie

  1. anandvishwanathan schreibt:

    Ein tolles Projekt welches Zeit ( 5-10 Jahre ), personelle Konstanz und vor allem auch Durchhaltekraft erfordert. Mit Pep ( Insider La Masia ) und Matthias Sammer hat der FCB nun die beiden Persönlichkeiten die ihr herausragendes know-how auch in diesen Bereich mit einbringen können. Bin mal gespannt wie lange es dauert bis geeignete Nachwuchsspieler den Weg in das Profiteam der Bayern schaffen.
    Grundsätzlich strukturiert sich der Profifussball in vier Kategorien:

    1. Homegrown: Atletic Bilbao, Freiburg ( mit Abstrichen )
    2. Homegrown + internationale Spitzenspieler Barca,
    3. Internationale Spitzenspieler + ein paar eigene Nachwuchsspieler: FCB, BVB, Man United,
    4 Die Scheich- und Oligarchenclubs: PSG, Man City, Malaga ( ehemalig ), Chelski, Donetsk, Monaco, Hoffenheim…

    Die Bayern sind mit diesem abitionierten Vorhaben auf dem Weg den Barca bereits sehr erfolgreich bewältigt hat.
    Was passiert wenn der Scheich den Stecker zieht ( oder sich ein anderes Spielzeug kauft ) erlebt gerade Malaga- da hilft auch der „blonde Engel“ nicht wirklich weiter.

    Ein ganz wichtiger Faktor ist wohl mit dem Namen Aragones verbunden. Welchen Anteil hatte La Masia an den Erfolgen der spanischen N11 welche die letzten 3 großen Turniere ( 2x EM + 1x WM ) dominiert hat? Ja, natürlich Del Bosque hat die letzten beiden Erfolge mit SPA errungen. Er konnte jedoch auf der Arbeit von Aragones aufbauen.
    Im Gegensatz dazu haben die Engländer mit der angeblich besten Liga der Welt bei der N11 nur Klatschen eingefahren. Bei den Engländern ist mir kein Projekt La Masia bekannt.

  2. Gunnar schreibt:

    Der „abstiegsgefährdete SV Wehen Wiesbaden“? Ich muss doch sehr bitten, ganz so schlimm ist es nun auch nicht. 😉

    Zum eigentlichen Thema: Ich bin überrascht, dass das gerade eine Meldung wert sein soll. Die Pläne sind doch schon lange bekannt, hier z. B. eine Meldung vom letzten März: http://www.spox.com/de/sport/fussball/bundesliga/1303/News/fc-bayern-muenchen-plaene-zur-jugendakademie-werden-konkreter-nachwuchs-uli-hoeness-karl-heinz-rummenige.html
    Was ist denn jetzt neu? Spatenstich?

    • derbayernblog schreibt:

      Haha. Direkt korrigiert. Abstiegsgefährdet war in der Tat eine Übertreibung meinerseits.

      Zum Thema: Ja das Thema ist schon länger bekannt (hatte ich auch im Text so geschrieben) -Rummenigge hatte es jetzt in diesen Tagen noch einmal öffentlich bestätigt. Die Aussage, dass der FC Bayern umziehe hatte für einige voreilige Meldungen gesorgt die Säbener Straße werde dich gemacht. Das wurde dann natürlich schnell korrigiert.

      Für mich war die Meldung vor allem ein Anlass, um mal einen Blick auf die Entwicklung im Jugendbereich zu werfen.

  3. Pingback: #Link11: Angst | Fokus Fussball

  4. giselher schreibt:

    Zwei Anmerkungen zur Frage der „Erfolgslosigkeit“ im Jugendbereich:

    Natürlich stimmt die hohe Fluktuation im Trainer-Bereich bedenklich. Allerdings scheint jeder Einzelfall – abgesehen von Marcus Sorg, der sich wohl selbst bzw. seine Integrationsfähigkeit überschätzt hatte – erklärbar. Da wünscht man den Entscheidern (nicht nur alleine Matthias Sammer) eine glücklichere Hand bei den nächsten Entscheidungen.

    Zum zweiten darf man nicht vergessen, dass die Jugendmannschaften bzw. Bayern II seit van Gaals Zeiten jedes Jahr regelmäßig vom Profibereich“ausgesaugt“ werden. Müller, Badstuber, Alaba, Can und – aktuell – Hojberg spiel(t)en schon bei den Profis, als sie noch im Jugendbereich hätten auflaufen dürfen. Auch die (regelmäßige) Teilnahme der besten Jugend-/Bayern II-Spieler an den Trainigslagern der großen Bayern, z Tl. auch unter Woche (s. z.B. Green in der CL) schwächt(e) den Unterbau. Nimmt man hinzu, dass in der A- und B-Jugend regelmäßig die „jüngeren Jahrgänge“ spielen bzw. gefördert werden, erklärt sich der ein oder andere Durchhänger leichter.

    Was nix an dem Grundsdatz ändert, dass die Bayern im Nachwuchs-/Förder-Bereich mächtig Luft nach oben Haben ….

  5. anandvishwanathan schreibt:

    Bei der neuen Jugendakademie gibt es ein paar Fragen wenn man sich u.a. mit La Masia beschäftigt:
    1.Gibt es eine spezielle Philosophie oder auch Spielsystem welches dort geprägt werden soll? Wer ist für diese Philosophie verantwortlich?
    2. Wie wird der Coaching Staff aussehen und welche Schwerpunkte sollen dort vermittelt werden?
    3. Wie wird das Gelände und auch der eigentliche Bau strukturiert sein? Macht man sich da auch Gedanken in welchem direkten Umfeld die zukünftigen Profikicker gedeihen werden?
    4. Welche Zielvorgaben sind an das Projekt gekoppelt?
    5. Welchen Kostenfaktor wird das Projekt mit sich bringen
    6. Wird man ebenso geduldig sein wie bei La Masia in Barcelona? Wer hier nach 6 Monaten sichtbare Ergebnisse erwartet könnte sich vergewissern dass z. Bsp. Messi oder Iniesta mit 12-13 Jahren auf die Barca Sportakademie gekommen waren. Das hat dann ein paar „Jährchen“ gedauert bis die Beiden gemeinsam mit Xavi die Top Dogs des internationalen Profifussball geworden sind. Dass die 3 es jedoch auf diese Weise geworden sind ist schon sehr interessant.
    7. Wie sieht es mit der Schulbildung aus, die vor allem für diejenigen von großer Bedeutung sein könnte die den Durchbruch als Profi eben nicht schaffen.
    8. Wird es dem FCB ebenso wie Barca gelingen eine absolute „elite class“ auf diese Weise heranzubilden? Wird die N11 Deutschlands davon profitieren?
    Das Wirken von Pep + Matthias Sammer beim FCB scheint wohl langfristige und nachhaltige Spuren zu hinterlassen. Ein absolut ambitioniertes Projekt welches hohe Erwartungen kreiert.
    Gerade Pep der ja in ganz hohem Maße von dem Erfolgsmodell La Masia geprägt ist unterscheidet sich doch sehr stark vom „Butcher Mou“ der immer wieder regelrechte Kriegswaffen ( Pepe, Mikel…) auf den Platz schickt die ihre Gegner ( Messi, Götze,…) ganz offensichtlich aus dem Verkehr räumen sollen.
    Wie heißt es schön in der Philosophie von La Masia : Kameradschaft + Humility ( Bescheidenheit, Demut, Ergebenheit, Devotion ) sollen im Vordergrund stehen. Wie vertragen sich diese ethischen Grundsätze mit dem knallharten Ergebnisfussball ( teilweise um jeden Preis ) von „Butcher Mou“?
    Nicht von ungefähr sind sich die Spieler von Real ( mit Coach Mourinho ) gegen Barca ( mit Coach Guardiola oder Villanova ) regelmäßig „an die Gurgel gegangen“. Die Gegensätze der Systeme sind wohl gerade bei den direkten Konfrontationen Guardiola-Mourinho so deutlich geworden.
    Letztendlich läuft es auf die Frage hinaus welches Spielsystem die Bayern durch ihre neue Jugendakademie schaffen werden und ob es auch erfolgreich ist.
    Mou ist der „Quick fix“ den eigentlich nur Eines auszeichnet: in der Wahl seiner Mittel ( Kriegswaffen ) ist er nicht zimperlich. So etwas wie eine Jugendakademie hat er nie inszeniert und so bleibt er eher der „Butcher Mou“ und ganz sicher nicht „The Special One“. Der Fussball von Chelsea ist so unansehnlich dass ich mich ehrlich sehr wundere dass Leute dafür ins Stadion gehen. Mou hat auch schon gegen Barca im eigenen Stadion Catenacchio spielen lassen. Selbst CR7 hat sich damals beschwert.
    Man muss sich nur die Wintertransfers von Mou anschauen. Er verkauft seinen spanischen Edeltechniker Juan Mata und holt 3 Spieler der Marke „Zerstörer“.
    Für mich ist Pep „The Special One“ wenn es ihm gelingt bei den Bayern gemeinsam mit Matthias Sammer ein Erfolgsmodell ähnlich dem von La Masia zu prägen.
    Sorry, etwas länger, aber dieses Projekt ist wirklich eine echte Herausforderung.

  6. giselher schreibt:

    Nu isses ja nicht so, dass die Bayern-Jugendarbeit bei „Null“ ansetzt. Auch der bisherige Weg ist ja nicht falsch, es gilt ihn nur zu verbessern. Und derzeit stehen halt die baulichen Zustände (Trainigsplätze, Krafträume, Reha) im Vordergrund der Diskussionen bzw. Entscheidungen.

    Zu 1: Die „Philosophie“ (ein Wort, das ich überhaupt nicht mag, vielzu hoch geduddelt!) wird schon die des gepflegten Kurzpasses sein, kombiniert mit der Idee, verschiedene Positionsspiele innerhalb eines Wettkampfs situativ abrufen zu können. Und halt Spieler heranzuziehen, die jederzeit verschiedene Positionen runterspielen können. Dazu die mentale Geschichte, immer siegen zu wollen, auch an Kleinigkeiten zu arbeiten.nie zufrieden zu sein. Mentor: Mattes!

    Zu 2: Sucht Mattes aus. Siehe Herrlich und Vogel!

    Zu 3 bis 5: Werden vom Vorstand geplant bzw. von Mattes umgesetzt. Womit auch die immer wieder gern gestellte Frage beantwortet ist, was Sammer eigentlich so für Aufgaben hat. Also neben rumzumeckern und zu mahnen.

    Zu 6: Man wird sehen. Btw: Diese (heute) berechtigte Frage hat keiner gestellt, als Uli Hoeneß vor ca. 20 Jahren das heutige Modell einschließlich des Jugendhauses auf die Beine gestellt hat.

    Zu 7: Kein großer Veränderungsbedarf zum status quo. Also Kooperation mit vier Münchner Schulen, der IHK und der HWK.

    Zu 8 ff.: Weiß keiner seriös zu prognostiziern, hier gilt das Prinzip Hoffnung.

    Und in der gebotenen Kürze: Der special one ist ein Arschloch ….

    • anandvishwanathan schreibt:

      Es gibt viele Jugendakademien im Fussball. La Masia hat sich jedoch als das non plus ultra herauskristallisiert. Natürlich hat auch La Masia Zyklen.
      Der FCB hat das große Glück zur Zeit „Mattes“ und Pep vor Ort zu haben. Ergo kann es durchaus zu der Perspektive kommen, La Masia toppen zu wollen.
      Eine Frage die ich mir stelle ist ob Pep wirklich das Insider Wissen von La Masia outet.
      Beim Thema Mou sind wir wohl einer Meinung. Nicht vergessen, Mou wollte immer zu Barca und ist nur zu Real gegangen da Barca ihn nicht wollte.

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