Rückrundenauftakt: Was Mönchengladbach so gefährlich macht

„Mönchengladbach wird ein großer Test. Sie spielen nicht nur lange Bälle nach vorne auf Kruse, sondern können auch über Ballbesitz kommen. Die letzten 23-male, die Bayern in Mönchengladbach gespielt hat, haben sie nur drei Mal gewonnen. Das hat mich überrascht – aber das verdeutlicht nur, wie schwierig es dort ist.“ Pep Guardiola.

Wer Guardiola bei der obligatorischen Pressekonferenz über den Gegner am Freitag-Abend sprechen hörte, der weiß wie groß der Respekt des Katalanen vor dem ersten Gegner in der Rückrunde ist. Im Januar 2012 trat Bayern letztmals zum Auftakt einer Rückrunde im Borussia-Park an. Auch damals war es ein Spiel am Freitag-Abend. Der Sieger hieß nach 90 einseitigen Minuten Borussia Mönchengladbach. 1:3. Eine Klatsche. Natürlich hat sich seitdem viel verändert. Der FC Bayern hat seit dem Frühjahr 2012 eine enorme Entwicklung hinter sich – und die Leistungsträger bei der Borussia heißen auch nicht mehr Dante oder Reus – trotzdem ist Mönchengladbach extrem gefährlich.

Es ist Lucien Favre gar nicht hoch genug anzurechnen, was er aus einem Verein, der sich über Jahre Mühe gab, dem Label Fahrstuhlmannschaft gerecht zu werden, gemacht hat. Es ist eine der Erfolgsgeschichten der vergangenen drei Jahre und es hat viel damit zu tun, wie heute moderner, erfolgreicher Fußball funktioniert. Mit klarem, laufintensivem System. Mit kluger Kaderplanung und der Mischung aus hungrigen Talenten und erfahrenen Führungsspielern.

Favres variables 4-2-4

Favre lässt in dieser Saison häufig mit einem variablen 4-2-4 agieren. Mit dem exzellenten Kramer und dem immer stabileren Xhaka als Verbindungsspieler im Zentrum und der technisch herausragenden Offensive mit Herrmann (3 Tore, 5 Vorlagen), Arango (5 Tore, 4 Vorlagen), Raffael (9 Tore, 4 Vorlagen) und vor allem Kruse (8 Tore, 7 Vorlagen). Wenn Bayern in der Hinrunde defensiv Schwächen offenbarte, hatte das viel mit der Systemumstellung Guardiolas zu tun. Durch das höhere Pressing und den fehlenden zweiten 6er, ist der Raum zwischen dem offensiven Mittelfeld und der Viererkette in der Breite häufig nicht besetzt. Überwindet der Gegner die erste Pressingreihe, war häufig das jeweils ballnahe Mitglied der Viererkette gezwungen die Kette zu verlassen und den ballführenden Spieler unter Druck zu setzen. Durch das Heraus- oder Einrücken entstehen wiederum Lücken, die den Angreifern Raum bieten. Gerade in der Anfangsphase der Hinrunde, aber auch im letzten Test gegen Salzburg wurde deutlich, wie gefährlich es für Bayern wird, wenn der Gegner diesen Raum mit schnellen Pässen und hohem Tempo bespielt. Mönchengladbach beherrscht das, vor allem auf Grund der Kombination aus exzellenten Spielmachern (Arango, Raffael) und extrem schnellen Offensivakteuren (Herrmann, Kruse) sehr gut.

Die Borussen haben 8 ihrer 9 Heimspiele mit einer Tordifferenz von 25:7-Treffern gewonnen und liegen in der Heimtabelle damit nur knapp hinter dem FC Bayern. Das Favre-Team ist in der Bundesliga seit Oktober ungeschlagen. Dass bei den Münchenern Bastian Schweinsteiger, Javi Martínez und Franck Ribéry ausfallen macht die Ausgangslage nicht gerade leichter.

Wackler im Spielaufbau bei hohem Druck

Guardiola, der sich akribisch auf jeden Gegner vorbereitet, wird jedoch auch die Schwächen der Favre-Elf kennen. Die Abwehr verliert bei hohem Pressingdruck im Spielaufbau gelegentlich die Ruhe und ist gerade gegen kleine, schnelle Kombinationsspieler nicht immer sattelfest. Hinzu kommt, dass Favre durch den Ausfall von Tony Jantschke improvisieren muss. Als wahrscheinlich gilt, dass Dominguez, der seit Oktober nicht mehr in der Startelf stand, in die Innenverteidigung rückt.

Das beste Mittel gegen die offensiven Edeltechniker wie Arango und Raffael ist wohl sie so lange wie es geht vom Ball fern zu halten. Ball und Gegner unerbittlich über den Platz zu verfolgen, zählt nicht zu ihren liebsten Aufgaben. Auch Xhaka (8 Gelbe Karten) ist nicht für seine Geduld bekannt. Lange Ballzirkulationen und permanent hoher Druck auf die Defensivformation sind also auch gegen Mönchengladbach ein adäquates Mittel, um zum Erfolg zu kommen.

Klar ist aber schon jetzt: Es wird kein lockerer Aufgalopp. Es wartet vielleicht schon das schwerste Auswärtsspiel der Rückrunde direkt zum Auftakt. Der FC Bayern sollte vorbereitet sein.

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6 Antworten zu Rückrundenauftakt: Was Mönchengladbach so gefährlich macht

  1. Shamp0o schreibt:

    Dem stimme ich vollkommen zu. Weiters ist anzumerken, dass Bayern häufig sehr große Startschwirigkeiten nach einer Pause hat, wie man es auch in dieser Saison nach den Länderspielpausen schon sehen konnte. Gladbach könnte zum Hauptkonkurrenten in der Rückrunde werden, sollte Bayern dieses Spiel verlieren.

  2. Pingback: #Link11: Irgendwas mit Fußball | Fokus Fussball

  3. DasDing schreibt:

    Ich kann dem hier Geschriebenen ebenfalls nur zustimmen. Gladbach ist gerade zuhause ein wirklich kniffliger Gegner, der auch über die taktischen Mittel verfügt, um ein System wie das bayerische effektiv zu bespielen. Daher kann man das Spiel durchaus als wirklichen Gradmesser dafür ansehen, wie stabil Guardiolas Konzept mittlerweile ist. Mannschaft und Trainer dürfte heute Abend alles abverlangt werden, und ein Schockerlebnis wie am Anfang der Rückrunde 11/12 ist m.E. zwar nicht wahrscheinlich, aber keinesfalls unmöglich.
    Ich kann mich auf die Schnelle auch an keinen wirklich ungefährdeten Sieg in Gladbach erinnern; der Letzte fand vermutlich noch am Bökelberg statt. In Erinnerung sind natürlich vor Allem die drei letzten Partien dort: Das angesprochene Debakel Anfang 2012, der Zittersieg nach Elfmeterschießen im Pokal ein paar Monate später, sowie das Vogelwilde 4:3 im letzten Jahr (inklusive schluchzendem Jupp Heynckes). All diese Partien kann wohl man als spektakulär bezeichnen (2010/11 gab es zudem ebenfalls ein 3:3, allerdings noch ohne Favre auf der gegnerischen Trainerbank), und es spricht einiges dafür, dass es auch heute Abend eine Menge zu sehen gibt.
    Obwohl die Gladbacher in einem einzelnen Spiel sehr gefährlich werden können, sehe ich sie jedoch nicht als Meisterschaftskandidat. Dazu fehlt sowohl in der Spitze als auch in der Breite definitiv die Qualität in ihrem Kader. Am Saisonende werden sie wohl irgendwo im Bereich von Platz 3 bis 6 landen. Für Bayern gilt es in den nächsten Wochen, die schwere Anfangsphase mit vielen Auswärtsspielen (u.a. in Wolfsburg) zu überstehen. Übersteht man die nächsten 7-8 Spieltage, ist die Meisterschaft in trockenen Tüchern, und man kann sich wieder voll auf die CL konzentrieren. Fängt man sich in der Liga in der nächsten Zeit jedoch ein paar unnötige Niederlagen, hat man am Ende der Saison womöglich eine ärgerliche Mehrfachbelastung am Hals – Fehler sind darum auch jetzt schon Tabu.

    • derbayernblog schreibt:

      100 Prozent Zustimmung. In der Breite fehlt bei Gladbach die Tiefe wie es so schön heißt :). Gebe Dir auch Recht was die ersten 7-8 Spiele angeht. Ganz klar die Schlüsselphase in Richtung Meisterschaft.

  4. anandvishwanathan schreibt:

    Erst einmal ein weiteres Kompliment an den Bayernblog- hier wurden die wesentlichen Dinge auf den Punkt formuliert.
    Ein großes Kompliment auch an Favre der BMG in einer fast aussichtslosen Phase übernommen hat und einer der besten Taktikfüchse in Europa ist. Gib Favre einmal ein wirkliches Potential an die Hand und er wird daraus ein Topteam formen.
    Wer redet bei der deutschen N11 ( Löw ist die Garantia auf keine Titel ) von Slomka wenn wir einen Favre in der BL haben? Bin mal gespannt ob Favre am Ende dieser Saison zu einem internationalen Spitzenclub wechselt der seinem Niveau entspricht.
    BMG hat von der Besetzung her keinen einzigen wirklichen Weltklasse Spieler und sollte eigentlich nur Vogelfutter für die Weltelf der Bayern sein. Da BMG einen Lauf bei Heimspielen hat und die Bayern ohne BS31, Martinez und Rib antreten muss man BMG eine echte Außenseiterchance einräumen ( nur in diesem Spiel und nicht in der Meisterschaft ).
    Kommen die Bayern jedoch zum Pep like dominanten Passspiel wie im Hinspiel gegen Man City, dann hat BMG keine Chance und wird deklassiert.
    Gelingt es der Favre Truppe den Druck der Bayern aus dem Spiel zu nehmen indem das Team tief gestaffelt steht, dann könnten sich die Bayern die Zähne ausbeißen und letztendlich ausgekontert werden. 1:0 ist das Lieblingsergebnis von Favre. Sehen wir wieder einmal einen „Traumpass“ von Neuer wie damals auf Reus???
    Da das Spiel in über 200 Länder übertragen wird und dies gleichzeitig den Rückrundenstart der BL darstellt könnte es ein abwechslungsreiches und Tempo geladenes Spitzenspiel werden. Bahnt sich da eine Ablösung des BVB durch BMG als Verfolger der Bayern an?
    Mit Favre und Pep treffen die wohl besten Trainer der aktuellen BL aufeinander.
    Die Tabellensituation sagt dass selbst ein Unentschieden für die Bayern ein gutes Ergebnis wäre. Wir sind gespannt…

  5. anandvishwanathan schreibt:

    BMG hat sich die „Domina Bavaria“ eingeladen und ist wie erwartet bestraft worden. Es überrascht jedoch dass selbst die Assistentin ( 5 Spieler der Startaufstellung des CL Finales gegen den BVB fehlten ) ausgereicht hat um BMG zu erziehen.
    Was auffiel:
    1. Moderner Fussball beginnt bei einem mitspielenden Keeper- im Idealfall noch beidfüßig.. Neuer und auch ter Steegen haben sich immer wieder ins Aufbauspiel eingeschaltet. Beide hatten zudem genügend Gelegenheiten ihre Klasse im Vereiteln von Torchancen unter Beweis zu stellen. Ter Steegen hatte nach 15 Minuten glühend heiße Finger.
    2. Die ersten 35 Minuten waren durch fast absolute Dominanz der Bayern gekennzeichnet. Das MF von BMG war in der Zuschauerrolle. Schon klar warum Favre eine Alternative zu Arango sucht. Aber auch Xhaka war nie in der Lage das Heft in die Hand zu nehmen. Die Laufschwäche von Arango ist weithin bekannt.
    3. Müller hat Verantwortung übernommen und knüpfte an die Form- und Laufleistung der CL Spiele gegen Juve und Barca an. Wendt kann auf einem solchen Niveau einfach nicht bestehen.
    4. „Shaq missing attack“ bedeutet einen klaren Leistungsabfall gegenüber Rib.
    5. Favre hat sein Team tief gestaffelt meist im 4.4-2 aufgestellt. Die Hz. Pause hat er genutzt um seinem Team klarzumachen dass sie nur dann eine Chance haben wenn sie möglichst direkt auf die Spitzen Herrmann + Kruse spielen.
    6. Die Menge an Torchancen die BMG zur Verfügung hatte gibt einen deutlichen Hinweis auf die Schwachpunkte der Bayern. Ist die erste Pressingwelle der Bayern ( in aller Regel bestehend aus 5 Spielern ) erst einmal überspielt dann wird es auch gleich brandgefährlich.
    7. Götze benötigt stets mehrere 100 % ige um einen Treffer zu landen ( 3 Topchancen 1 Treffer ).
    Götze bringt eine spielerische Qualität mit, die aktuell beim BVB vermisst wird.
    8. Kommt Lahm auf der 6 zum Einsatz dann steigt die spielerische Qualität aber auch die Anfälligkeit der Bayern. Pep war sicher überrascht dass die Bayern zu Null gespielt haben.
    9. Die Bayern waren bis auf Shaq auf allen Positionen besser besetzt als BMG.
    10. Favre hat aus diesem Spielermaterial das OIptimum herausgeholt. Die hohe Ballbesitzquote der Bayern war zu erwarten. Und trotzdem hätten Kruse + Herrmann ein Unentschieden möglich machen können.
    11. Die Bayern machen nie mehr als sie unbedingt brauchen. Auf diese Weise werden Kräfte gespart die am Ende der Saison im internationalen Vergleich entscheidend werden können.
    12. Die Bayern sind national zur Zeit eine Klasse für sich.

    Wie sind die Bayern also zu knacken?
    1. Wenn der Bus etwa 25-30 Meter vor dem eigenen Tor geparkt wird und dann die einzige sich bietende Torchance eiskalt verwandelt wird ( Drogba 2012 CL Finale ). Also ein variables 5-4-1 0der 4-4-2 ( wie es Favre eben auch versucht hat ) wie es Atletico Madrid gegen Barca oder Real seit Jahren praktiziert. Hierzu bedarf es 10 laufstarker,zweikampfstarker und perfekt aufeinander abgestimmetr Spieler sowie eines internationalen Klassekeepers.
    Chelsea hat auf diese Weise den CL Sieger FCB in 2012 verhindert.
    2. Indem ich einen Typ wie Suarez, Ibra, Benz oder Mandschu habe der sich sofort nach Ballbesitz tief fallen lässt um als wichtige Anspielstation zu dienen. Der erfolgreiche Abschluss geschieht dann durch schnelle Stürmer ( CR7, Suarez, Reus, Deulofeu, ) die sich im 1:1 oder auch 1:2 durchzusetzen wissen.
    Lahm dürfte auf der 6 kein einziges Kopfballduell gewinnen und somit ist die erste Pressinglinie der Bayern bei einem langen Pass unwirksam. Ergo wird Pep gegen starke Gegner mit Martinez auf der 6 agieren um mehr defensive Stabilität zu schaffen- hierdurch wird die MF Raute der Bayern geschwächt.
    Zudem muss ich neben einer starken Viererkette mit Klassetorwart eine sattelfeste Doppelsechs aufbieten die nicht nur zerstören kann sondern zudem torgefährlich ist und in der Lage ist die langen Pässe auf die sich fallen lassenden MS bzw. Stürmer zu spielen ( Alonso, Pogba ) . Pogba profitiert von Pirlo bei dem er sich exakt abschauen kann wie so ein 40-50m Pass direkt auf die Spitze gespilet wird.
    Alle Topclubs sind an Pogba dran da er noch eine Steigerung zu Martinez darstellt. Würde mir Pogba + Suarez oder Pogba + Mandschu schnappen um die Bayern zu knacken.

    Sorry, BMG ist kein Maßstab für DIESE Bayern. Da gibt es nur 4-5 Clubs ( Real, Barca, Man City, Chelsea, PSG ) die neben Atletico in der Lage sind die Bayern zu ärgern.

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