Borussia Dortmund – FC Bayern 0:3 (0:0)

Falls ihr es verpasst habt: Über vier Jahre hat es gedauert. Seit dem 12. September 2009 konnte der FC Bayern in Dortmund nicht mehr gewinnen. Während bei Bayern die Leistungsträger schon beim damaligen 5:1-Erfolg Lahm, Schweinsteiger, Müller und Ribéry hießen, standen beim BVB damals Tinga und Dimitar Rangelov in der Startelf. Namen aus einem anderen Fußballzeitalter. Der BVB hat sich in der Zwischenzeit unter Jürgen Klopp wohl zu einer der fünf besten Mannschaften in Europa entwickelt – Guardiola nannte die Borussen nach dem Spiel die beste Kontermannschaft der Welt. Das erklärt warum es dem BVB in den vergangenen Jahren immer wieder gelang Bayern mehr als nur zu ärgern. Auch am Samstag-Abend zeigte Dortmund trotz der Ausfälle von Hummels, Subotic, Schmelzer und Gündogan wie sehr diese Elf darauf ausgelegt ist Bayerns Spiel weh zu tun. Mit kompaktem Mittelfeldpressing und schnellem, raumgreifenden Umschaltspiel in die Spitze. Die ersten 60 Minuten am Samstag Abend waren ausgeglichen mit guten Chancen auf beiden Seiten. Dann kam Götze und mit seinem 1:0 die breite Brust beim Triple-Sieger.

Ich habe vor dem Spiel gesagt, dass ich mit einem 1:1 nicht unglücklich gewesen wäre. Dass der FC Bayern dieses hochklassige und enge Spiel am Ende klar mit 3:0 gewann spricht für die Reife dieser Mannschaft. Mit Blick auf das Meisterschaftsrennen sind diese 3 Punkte, die sich wie 6 auswirken und sich wie 9 anfühlen ohnehin ein ganz wichtiger Schritt.

3 Dinge, die auffielen: 

1. Guardiolas Plan mit Martínez

Deutlich überraschender als die Tatsache, dass Götze zunächst auf der Bank Platz nahm, war Guardiolas ungewöhnliche Ausrichtung für Javi Martínez. Der Spanier agierte nicht wie zuletzt auf der 6, sondern nahm eine der beiden Halbpositionen ein. Dabei positionierte er sich häufig sogar deutlich offensiver als der abkippende 6er Lahm und der Verbindungsspieler Kroos im Zentrum. Wer Guardiolas Vorstellungen kennt, der weiß, das bei ihm alles auf einer Überlegenheit im Mitteleldzentrum aufbaut. Martínez sollte mit der überraschend offensiven Ausrichtung zwei Zwecke erfüllen. Zum Einen sollte der vielleicht beste Zweikämpfer im Bayern-Kader die gefährlichen Dortmunder Gegenangriffe bereits dort stoppen wo sie entstehen. Zum Anderen sollte er als guter Kopfballspieler eine zusätzliche Unterstützung bei gegen Dortmund fast zwangsläufigen langen Bällen und Flanken sein.

Dortmund hat sein Konterspiel in den vergangenen Jahren nur geringfügig verändert. Nach wie vor baut alles auf einem schnellen Pass in Richtung der einzigen Sturmspitze auf, die den Ball verarbeiten, einen Moment verschleppen und dann auf die in hohem Tempo nachstoßenden Halb- und Flügelspieler ablegen sollen. Das was vor einiger Zeit Lucas Barrios begann, hat Lewandowski inzwischen zur Perfektion weiterentwickelt. Seine Fähigkeit sich die richtige Position zu erarbeiten und früher als der Verteidiger an den Ball zu kommen und ihn dann mit dem Rücken zum Tor zu verarbeiten, sind in dieser Qualität ziemlich einmalig. Guardiola wollte genau das unterbinden und durch den robusten Zweikämpfer Martínez in vorderer Front schon den Druck auf den ersten Pass erhöhen.

Der Erfolg dieser Maßnahme war mäßig. Zwar erspielte sich der BVB nur wenige Chancen aus klassischen Kontersituationen – Gelegenheiten dafür gab es jedoch zu hauf. Es war häufig der Münchener Hintermannschaft oder der Dortmunder Unkonzentriertheit zu verdanken, dass vielversprechende Gegenstöße versandeten. Lewandowski hatte 41 Ballkontakte und gewann 19 Zweikämpfe. Absoluter Bestwert aller Spieler auf dem Platz. Martínez hatte in ungewohnter Rolle Schwierigkeiten sich zurecht zu finden. Seine 44 Ballkontakte waren der Schwächste Wert aller Münchener Akteure, die über die volle Distanz auf dem Platz standen. Zudem gewann der Spanier nur 7 Zweikämpfe und die erhofften frühen Ballgewinne blieben ebenfalls aus. Nur einer gelang ihm in der gegnerischen Hälfte. Damit ich nicht falsch verstanden werde. Martínez zeigte eine sehr ordentliche Partie, aber der Plan mit seiner Hereinnahme Dortmunds Umschaltspiel zu verändern, ging nicht zu 100 Prozent auf. Dass die Tore fielen als er von Guardiola zu Gunsten der spielstärkeren Götze und Thiago in die Defensive beordert wurde, steht möglicherweise in einem Zusammenhang.

2. 30 Minuten Bayern der Zukunft?

Pep Guardiola hat es oft erwähnt, dass er seine spielerischen Pläne für diese Mannschaft noch immer nicht vollständig umsetzen kann und will. Das liegt zum Einen an den Verletzungen, zum anderen an seinem guten Gespür für die Balance seiner Mannschaft, die in der Vergangenheit zum Beispiel einen Spielertypen wie Mandzukic im Sturmzentrum benötigte. Mandzukic so viel scheint klar, steht sinnbildlich für einen spielerischen Übergang beim FC Bayern. Er ist in gewisser Weise ein erfolgsversprechender Kompromiss zu Guardiolas Idealvorstellung. Wie diese Idealvorstellung und damit der FC Bayern der Zukunft aussehen könnte, sah man in den letzten 30 Minuten. Mit Götze als hängendem, spielstarken 9er, der Robben und Müller Positionswechsel und ein Nachstoßen in die Spitze ermöglicht und einem pass- und balldominanten Mittelfeldzentrum mit Lahm, Kroos und Thiago.

Thiagos Auftritt mit dem herrlichen öffnenden Ball auf Robben vor dem 2:0 war insgesamt vielversprechend – auch wenn mir ein zentrales offensives Mittelfeld mit Thiago und Kroos zu wenig Torgefahr ausstrahlt. Thiago fällt mir ohnehin häufiger durch falsche Entscheidungen (Torschuss oder Pass/Risikopass oder sicherer Pass nach Außen) im Schlussdrittel auf. Auch gegen Dortmund spielte er rund um den Strafraum fünf Fehlpässe. Thiago wird aber in den kommenden Wochen mit Sicherheit Gelegenheiten bekommen sich auf dieser oder einer der anderen Mittelfeldpositionen zu beweisen.

3. Manuel Neuer

Große Mannschaften brauchen einen großen Torwart. Ich habe hier im Blog im vergangen Jahr mehrfach darauf hingewiesen, dass Neuer in entscheidenden Spielen häufig nicht die entscheidende Figur war, die er sein muss. Spätestens mit dem Champions League Finale 2013 und seiner Leistung im DFB-Pokalfinale gegen Stuttgart kann diese Diskussion aber zu den Akten gelegt werden. Manuel Neuer ist der große Torwart, den sich der FC Bayern mit seiner Verpflichtung versprochen hat. Gegen Dortmund agierte er mit einer unglaublichen Ruhe, wehrte vier gefährliche Dortmunder Torschüsse ab und rettete beim Stand von 1:0 2x Weltklasse. Sein bis auf eine Ausnahme sicheres Aufbauspiel häufig weit vor dem eigenen Tor rundeten eine herausragende Leistung ab. Große Mannschaften brauchen einen großen Torwart in großen Spielen. Neuer war am Samstag-Abend dieser Torwart.

Borussia Dortmund Weidenfeller – Großkreutz, Sokratis, M. Friedrich, Durm – Sven Bender (79. Piszczek), Sahin – Blaszczykowski (71. Hofmann), Mkhitaryan (71. Aubameyang), Reus – Lewandowski
FC Bayern Neuer – Rafinha (79. Van Buyten), Boateng (64. Thiago), Dante, Alaba – Lahm – Müller, Javi Martínez, Kroos, Robben – Mandzukic (56. Götze)
Ersatz Starke, Kirchhoff, Weiser, Hojbjerg
Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin)
Zuschauer 80.645 (ausverkauft)
Tore 0:1 Götze (66.), 0:2 Robben (85.), 0:3 Müller (87.)
Gelbe Karten Großkreutz, Mkhitaryan / Boateng, Rafinha, Mandzukic
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6 Antworten zu Borussia Dortmund – FC Bayern 0:3 (0:0)

  1. Ryukyu schreibt:

    Hach, das war doch ein herrlicher Abend und ein großartiges Spiel! Ich fand Dortmund überraschend stark. In den letzten Wochen haben sie ganz schön geschwächelt und der Ausfall der kompletten Viererkette war natürlich eine Katastrophe. Ich hätte lieber beide Mannschaften in Bestbesetzung gesehen, aber okay. Trotzdem großen Respekt an Dortmund, die wirklich eine starke Partie gezeigt haben (und wie immer gegen Bayern eine ihrer besten Leistungen gezeigt haben) und selbst nach dem 0:1 noch Chancen auf den Ausgleich hatten.

    Trotzdem war der Sieg natürlich hochverdient. Die Idee mit Martinez fand ich auch sehr spannend. Für Guardiola und eben auch die Mannschaft spricht aber auch, dass er auf Fehleinschätzungen eine Reaktion zeigt. Auf der 8 hat Martinez einfach nichts verloren, das dürfte jetzt klar sein.

    Wer mich gestern erneut total umgehauen hat war David Alaba. Meine Güte ist der Junge gut! Wie unfassbar ruhig und abgeklärt er spielt! Er macht kaum einen Fehler, steht sensationell im Raum und weiß genau, wann er attackieren muss und wann es reicht, einen Passweg zuzustellen. Dazu hat er noch ungeheure Qualität im Spiel nach vorne und eine wahnsinnige Ruhe, wenn er unter Druck durch Pressing gerät. Mir ist da eine Situation aus der 1. HZ im Kopf geblieben, wo er einen Rückpass bekommt und von 3 Dortmundern angelaufen wird. Er dreht sich in aller Seelenruhe, weicht ein bisschen weiter nach außen aus und spielt einen sauberen Pass nach vorne. Ganz stark, 90% der Spieler dreschen solche Bälle auf die Tribüne, was ja auch in Ordnung ist. Ich hätte vor einem Jahr jedenfalls nicht gedacht, dass er sich noch groß verbessern kann. Bzw. dachte ich, er spielt schon ziemlich am Limit. Aber er wird immer besser, das ist kaum zu glauben.

    Das gleiche gilt für Robben! Auf links hat er eigentlich noch nie ein gutes Spiel gemacht, ich fand ihn dort immer verschenkt. Aber Robben traut sich mittlerweile immer mehr mit seinem rechten Fuß zu und gewinnt dadurch neue Möglichkeiten. Auch von ihm ein überragendes Spiel. Viele starke Szenen, ein Weltklasse Tor und die Vorarbeit zum 3:0 war ebenfalls ala Bonheur!

    Mit Thiago darf man nicht zu hart ins Gericht gehen finde ich. Er hat sich ordentlich eingefügt und das war ein ordentlicher Start nach der Verletzung. Allerdings war er zu Beginn der Saison auch stark, ließ dann allerdings ein wenig nach. Er muss jetzt regelmäßig spielen und Konstanz in seine Leistung bringen.

    Dass Götze dann mit einem absoluten Traumtor (keine Ahnung was da alle von Pike reden!?) die Führung erzielt, war das Sahnehäubchen.

    Ach ja, die Choreo darf auch nicht unerwähnt bleiben! Was haben wir gelacht. 😀

    Geiles Wochenende jedenfalls! Zur Winterpause wird man vermutlich schon 9-10 Punkte Vorsprung auf den BVB haben. Stark, dass Leverkusen schon 31 Punkte gesammelt hat. Aber die werden eh nie mehr als Zweiter. 😀

  2. Marco schreibt:

    ich bin gespannt wie das spiel des BVB nächstes jahr ohne lewandowski läuft. er ist der perfekte spieler für das bvb spiel. wie der den ball annimmt und weiterleitet einfach eine augenweide. ihn wird man nicht 1:1 ersetzen können. definitv eine schwächung für den BVB.

    • Ryukyu schreibt:

      Auf jeden Fall. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass man ihn auch nur ansatzweise ersetzen kann. Jeden anderen Spieler schon, aber Lewandowski ist für mich auch der wichtigste Dortmunder Spieler. Auch noch wichtiger als Reus.

      Der Sieg gestern war übrigens umso bemerkenswerter, weil Ribery nicht gespielt hat. In den ganz großen Spielen braucht man Ribery normalerweise.

      • scheusal schreibt:

        JEP. Aber was wollen WIR mit einem Mittelstürmer, der seine Stärken in der Ballannahme mit dem Rücken zum Tor hat? Wann muß er in einem Bayernspiel einen langen Ball verarbeiten und auf einen nachrückenden Spieler ablegen?
        Ich kann mir sehr gut vorstellen, warum Pep ihn nicht unbedingt haben möchte.
        Weil er noch weniger zum Bayern-Stil (Pep-Stil) passt als Gomez.

      • Ryukyu schreibt:

        Lewandowski würde sein Spiel in München natürlich umstellen müssen, das ist klar. Ich sehe in ihm aber den perfekten Kompromiss aus Stoßstürmer und der spielstarken Variante mit Götze. Er ist extrem ballsicher, sehr schnell, kombinationsstark, abschlussstark, kann sich gegen 2-3 Leute gleichzeitig durchsetzen. Das ist z.B. etwas, das Mandzukic einfach fehlt. Mandzukic muss fast immer in Abschlusssituationen gebracht werden, fast so sehr wie Gomez. Lewandowski ist in der Lage, sich selber in diese Position zu bringen – auch gegen mehrere Gegenspieler und auf engstem Raum.

        In der Defensive hat Mandzukic natürlich Vorteile, aber auch Lewandowski macht hier (wie alle Dortmunder) seinen Job. Das gleiche gilt für das Kopfballspiel.

        Außerdem ist er ablösefrei, auch wenn sich dieser Aspekt natürlich im Gehalt oder dem Handgeld niederschlagen würde. In meinen Augen wäre es fahrlässig, ihn nicht zu holen. Auch mit Hinblick auf den Verein, zu dem er wechseln könnte. Dortmund wird er allerdings auf jeden Fall verlassen. Sein Gehalt wird sich woanders verdoppeln oder verdreifachen. Und ich glaube auch, dass er sportlich den nächsten Schritt machen möchte.

        Das einzige, das mir bei Lewandowski ein bisschen Sorge bereitet, sind seine halb seriösen Berater. Aber es dürfte schwer für sie sein, bei einem anderen Verein noch bessere Konditionen für ihn (und damit letztlich auch für sie) auszuhandeln als bei Bayern. Charakterlich scheint Lewandowski selber aber einwandfrei zu sein, das belegen seine bärenstarken Leistungen in Dortmund aktuell ja eindeutig.

  3. Pingback: #Link11: Auftritt für das B-Team | Fokus Fussball

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