FC Bayern – Hertha BSC 3:2 (1:1)

Falls ihr es verpasst habt: Guardiola brachte van Buyten für Dante, bzw. Contento in die Startformation und beorderte Müller, statt Mandzukic in die Sturmspitze. Götze zunächst wie gehabt von der Bank. Hertha setzte schon nach vier Minuten das erste Ausrufezeichen und traf nach einer Ecke in Person von Adrian Ramos zum frühen 1:0. Wer in der Folge wütende Angriffe der Bayern erwartet hätte, sah sich getäuscht. Es entwickelte sich ein ausgeglichenes Spiel mit Chancen (Ben-Hatira 10., Kroos 19.) auf beiden Seiten. Weil sich Kroos beim Schuss eine Muskelverletzung zuzog entschied sich Guardiola auf Nummer sicher zu gehen und wechselte den Nationalstürmer früh aus. Für ihn kam Götze. Weil auch Robben kurze Zeit später angeschlagen vom Feld musste, war Guardiola gezwungen bereits nach 26. Minuten zwei von drei Wechseloptionen zu ziehen.

Bayern gelang es ab der 25. Minute etwas mehr Kontrolle über das Spiel zu gewinnen und besser in die gewohnten Passstaffetten einzusteigen. Trotzdem brauchte es zwei Standardsituation, um das Spiel zu drehen. 2x traf der für Robben eingewechselte Mario Mandzukic nach Freistoß-Flanken von Ribéry und Schweinsteiger (30., 51.). Als Götze kurze Zeit später ebenfalls per Kopf! auf 3:1 erhöhte schien alles klar. Hertha reagierte jedoch und erhöhte seinerseits das Tempo. Bayern gelang es bis zum Schluss nicht mehr das Spiel wirklich unter Kontrolle zu bekommen. Berlin spielte gefällige Konter, unterband den Münchener Ballbesitz frühzeitig und spielte ohnehin höher und mutiger als die meisten Mannschaften in der Allianz-Arena. Am Ende war es auf Bayern-Sicht sogar etwas glücklich, dass Ben-Hatira nur noch der 2:3-Anschluss gelang.

3 Dinge, die auffielen:

1. Warum über dieses Spiel zu reden sein wird

Es gibt Arbeitssiege nach durchwachsenen Spielen, die man schnellstmöglich abhaken kann. Mund abputzen, weiter gehts. Das Spiel gegen die Hertha war aus meiner Sicht kein solches Spiel. Über dieses Spiel wird zu reden sein. Ja. 3 Punkte sind 3 Punkte und es gibt auch absolut keinen Grund nervös zu werden. Trotzdem macht die Art und Weise und die Leichtigkeit mit der es Hertha am Samstag Nachmittag gelang Bayern nicht nur zu nerven, sondern die komplette Ausrichtung des Guardiola-Fußballs zu unterbinden, bzw. zu verändern etwas nachdenklich. Bayern zeigte nicht nur gefühlt, sondern auch mit Blick auf die Statistiken eins seiner schwächsten Spiele in dieser Saison. Bayern ließ 10 Torschüsse zu und gab selbst nur 13 ab. Bayern gewann nur 45 Prozent seiner Zweikämpfe. „Nur“ 62 Prozent Ballbesitz, nur 479 angekommene Pässe bei einer Passquote von 81 Prozent sind ebenfalls allesamt Minusrekorde für die Saison 2013/2014. Hertha gelang es einerseits die Roten durch ein kompaktes 4-4-1-1 weit vom Tor weg zu halten und spielte gleichzeitig ein raumgreifendes und mutiges Umschaltspiel. Hertha lief mit 121 Kilometern so viel wie kein anderes Team in der Allianz Arena und dominierte die Münchener (117 Kilometer) in beinahe allen läuferischen Kategorien.

0w4csDer größte Unterschied gegenüber den Leistungen der letzten Wochen war aber aus meiner Sicht Bayerns eher harmloses Pressing. Bayern gewann nur 16 Mal den Ball in der Berliner Hälfte. Gegen Mainz in der Vorwoche lag dieser Wert bei knapp 30 Ballgewinnen (siehe Abbildung). In Tornähe gelang am Samstag zudem so gut wie kein Ballgewinn. Umso später der Ball gewonnen wird, umso weiter ist der Weg zum gegnerischen Tor, umso leichter ist es für den Gegner durch Kompaktheit Bayerns Spiel weit vom Tor weg zu halten.

Besonders die Schlussphase, in der es Bayern nicht gelang einen 3:1-Vorsprung souverän mit viel Ballbesitz und langen Passkombinationen über die Zeit zu bringen, sticht negativ heraus. Gerade Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm hätten das Spiel in dieser Phase an sich reißen müssen. Beide spielten zusammen über die gesamte Spielzeit gesehen so viele Pässe (117) wie Lahm alleine in der Vorwoche gegen Mainz (114). Zusammen hatten beide 155 Ballkontakte. Gegen Mainz waren es 262. Auch dieser Fakt ist Ausdruck dessen, wie sehr es Hertha gelang Bayerns gewohntes Spiel zu unterbinden.

2. Der beste Spieler der Welt (im Sechzehner)

„Mario Mandzukic ist im Sechzehner der beste Spieler der Welt. Wenn wir den Ball da hin bekommen, ist er sehr, sehr stark.“ Das sagte Pep Guardiola nach dem Spiel am Samstag. Wenn in den ersten Monaten unter dem neuen Coach eines deutlich geworden ist, dann, dass Guardiola sehr viel von seinen Spielern hält. Der FC Bayern hat nach seinen Worten mehrere beste Spieler der Welt in unterschiedlichen Positionen und Aufgaben. Andere sind dagegen nur „super, super“. Wie auch immer. Mit einem hat Guardiola gewiss recht. Mario Mandzukic gehört zu den kopfballstärksten Mittelstürmern, die zur Zeit auf hohem Niveau in Europa Fußball spielen. Nach 7 Kopfball-Toren in Bundesliga und Champions League im Vorjahr, steht der Kroate in dieser Saison auch schon wieder bei 4 Kopfball-Treffern. Ich bin froh, dass Guardiola die Wichtigkeit eines kopfballstarken Angreifers im Zentrum, gerade gegen tiefstehende Gegner wertschätzt. Auch Müller, der gegen Hertha erneut im Sturmzentrum begann, ist keine falsche 9 im klassischen Sinne, sondern ebenfalls passabel im Kopfball und somit als echter Zielspieler im Zentrum geeignet. Mandzukic jedenfalls macht es Guardiola mit seinen Fähigkeiten und Toren extrem schwer ihn draußen zu lassen. Immerhin ist er der beste der Welt.

3. Viererkette als Schwachpunkt

Rafinha ist sicher so etwas wieder der Gewinner der ersten Saisonphase. Der kleine Brasilianer rotierte auf Grund der Verletzungsmisere und Philipp Lahms Aushilfsjob im Zentrum in die Mannschaft und machte seine Sache über weite Strecken sehr gut. Gegen die Hertha war er trotz seiner Torvorlage zum 3:1 gemeinsam mit Daniel van Buyten ein Schwachpunkt im Bayern-Spiel. Beide spielten zusammen 24 Fehlpässe und gewannen nur 12 ihrer 27 Zweikämpfe. Weil auch Boateng vor dem 0:1 falsch stand und ebenfalls 15 Fehlpässe spielte, wird sich Guardiola gerade hier etwas überlegen müssen.

Dante fällt noch mindestens eine Woche aus. Martínez, der in seinem 30-Minuten-Einsatz einen ordentlichen Eindruck hinterließ, könnte sowohl Lahms Position im Zentrum übernehmen, als auch in die Innenverteidigung rücken. Kirchhoff scheint im Moment zumindest von Beginn an keine Option zu sein. Es gibt also einiges über das es nachzudenken gilt für Pep Guardiola. Dass er seiner Mannschaft am Sonntag einen freien Tag verordnete passt ins Bild. Das Spiel gegen Hertha ist ein guter Anlass, um einen Moment inne zu halten und bestimmte Tendenzen und Entwicklungen im Bayern-Spiel zu überprüfen. Mich würde es jedenfalls nicht überraschen wenn Lahm schon in der kommenden Woche gegen Hoffenheim als zusätzlicher Stabilisator in die Viererkette zurückkehrt.

FC Bayern Neuer – Rafinha, Van Buyten, Boateng, Alaba – Lahm – Robben (26. Mandzukic), Kroos (24. Götze), Schweinsteiger, Ribéry – Müller (64. Martínez)
Ersatz Starke, Contento, Kirchhoff, Hojbjerg
Hertha BSC Kraft – Pekarik, Lustenberger, Langkamp, Van den Bergh (78. Allagui) – Skjelbred, Hosogai (86. Ronny) – Cigerci, Ben-Hatira (77. Mukhtar), Schulz – Ramos
Ersatz Burchert, Niemeyer, Brooks, Kobiashvili
Schiedsrichter Michael Weiner (Ottenstein)
Zuschauer 71.000 (ausverkauft)
Tore 0:1 Ramos (4.), 1:1 Mandzukic (30.), 2:1 Mandzukic (51.), 3:1 Götze (54.), 3:2 Ben-Hatira (58.)
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5 Antworten zu FC Bayern – Hertha BSC 3:2 (1:1)

  1. Ryukyu schreibt:

    Ich habe leider nur die ersten 20 Minuten sehen können und musste den Rest in der Zusammenfassung gucken. Ich bin trotzdem nicht unzufrieden, das waren anstrengende Wochen und ich persönlich hatte den Eindruck, dass die Mannschaft vor allem etwas müde war und einfach einen schlechten Tag hatte. Von schweren Beinen hatte auch Guardiola nach dem Spiel getroffen. Ich sehe nach einem solchen Spiel jedenfalls kein taktisches Defizit. Hertha hat das wirklich sehr gut gemacht und das Bayern System basiert eben auf überdurchschnittlicher Laufbereitschaft und Aggressivität. Das Pressing funktioniert dann nicht so wie gewohnt und dadurch verliert sowohl das Offensiv- wie auch das Defensivspiel an Effektivität.

    Trotzdem kommt diese Erkenntnis zur rechten Zeit, denn mit dem Auswärtsspiel in Dortmund steht ja bald ein Gegner auf dem Programm, der ähnlich hoch stehen und noch aggressiver spielen wird als Hertha. Von daher war Hertha vielleicht genau der richtige Gegner zu rechten Zeit, nachdem sich die Mannschaften gegen Bayern zuletzt sehr zurückgezogen hatten.

    Gut, dass die Mannschaft jetzt mal eine Woche Zeit hat und ausgiebig trainieren kann. Mit der Pause sollte auch das eher schwierige Auswärtsspiel in Hoffenheim leichter von der Hand gehen. Pilsen und Augsburg sind dann zwei Pflichtaufgaben, ehe es zum vorläufigen Saisonhöhepunkt in Dortmund kommen wird.

    Ich bin auch gespannt, wann Lahm wieder auf seine Stammposition zurückkehren wird. Du hast bisher ja ein ausgesprochen gutes Näschen bewiesen für solche Umstellungen. Da kann man ja schon fast von einem Wechsel ausgehen. 😀

    Ich bin jedenfalls sehr, sehr zufrieden und tiefenentspannt, nachdem mir der Saisonauftakt schon leichte Bauchschmerzen bereitet hatte. Neben den Ergebnissen passen jetzt aber auch Spiel und vor allem Perspektive. Bayern hat schon so starke Spiele gezeigt, wie ich es ihnen zum jetzigen Zeitpunkt nicht zugetraut hätte. Und das beste ist, dass es noch in diversen Bereichen Platz zu großen Steigerungen gibt. Effektivität, Defensivverhalten, personelle Alternativen auf der 6, Integration von Götze. Guardiola könnte es tatsächlich gelingen, die unfassbare Mannschaft der letzten Saison tatsächlich noch stärker zu machen.

  2. H34T schreibt:

    Ich kann nicht nachvollziehen, warum guardiola rafinha nicht ausgewechselt hat statt müller, um dann lahm auf die linksverteidigerposition zu stellen.Rafinha hatte in der zweiten halbzeit mit schulz, der in einer situation vor dem 2:3 mit tempodribbling an ihm vorbeigeht, was bereits zu einer gefährlichen hereingabe führte. Und dann quasi mit der gleichen aktion vorm 2:3 nochmal an ihm vorbeigeht und das tor vorbereitet.

    Ähnlich war es im Spiel gegen man city, in dem Millner mit seinen antritten rafinha vor probleme stellte. Anscheinend ist Rafinha für solche gegenspieler schlichtweg zu langsam. Ich denke auf höchstem Niveau in der CL oder generell gegen schnelle, dribbelstarke außenspieler ist er ein risiko. Wenn ich da an reus oder abaumeyang im ausblick auf das dortmund spiel denke, sollte er klar nicht aufgestellt werden.

    Martinez hat auf der sechs starke aktionen im gegenpressing gezeigt und sollte die position (allein oder mit schweini) von lahm übernehmen, der dann wieder auf die linksverteidigerposition gehen soll.

    Generell wohl nicht so das starke spiel von bayern, aber wenn man die spiele der letzten wochen anschaut, kann man das mal verschmerzen.

    • derbayernblog schreibt:

      Du meinst sicher rechtsverteidiger, aber ansonsten gebe ich dir recht.

      • Wewew schreibt:

        Ich weiß nach wie vor nicht, was ich von lahm im Zentrum halten soll. Einerseits spielt er auf dieser mitunter wichtigsten Position so stark, dass er als RV irgendwie verschenkt wirkt, andererseits ist Rafinha nicht weltklasse. Es bleibt abzuwarten, ob Martinez ihn ersetzen (oder vielleicht sogar übertreffen?) kann, denn gegen starke Gegner halte ich nach wie vor einen Schweinsteiger, Kroos oder Thiago (aufgrund ihres Defensivverhaltens) als defensivster ZM für unpassend.

        Wie beurteilt ihr die Auswirkungen der individuellen Klasse der Außenverteidiger im jetztigen System? Essentiell?
        Und inwiefern entsprechen Martinez‘ Fähigkeiten den Anforderungen im derzeitigen System im Vergleich zur letzten Saison? Müsste er sein Spiel ändern? Oder wie würde er das System beeinflussen? Man konnte esbisher ja nur selten live erleben.

      • Ryukyu schreibt:

        Ich finde die AV im aktuellen System extrem wichtig. Gerade, wenn sie einrücken und sich der 6er zwischen die beiden IV fallen lässt. Auf der Position sehe ich Lahm auch wirklich noch stärker. Lahm auf der 6 ist schon gut, aber er hinterlässt schon eine Lücke hinten rechts. Und es fehlt mir etwas an Dynamik über die rechte Seite, wenn man mal vergleicht, was Alaba auf links veranstaltet. Da fällt Rafinha auf jeden Fall ab.

        In der Variante mit den eingerückten AV kommen Martinez Stärken in meinen Augen perfekt zur Geltung. Das ist eigentlich eine Position, die ihm liegen müsste mit seinem guten Stellungsspiel und seinen Fähigkeiten in der Antizipation. Im Spielaufbau hat er zwischen den IV auch mehr Zeit und Ruhe, so dass ich da kein Problem sehe. Aber er wird sicher 3-4 Spiele brauchen dort. Die hat Lahm ja auch benötigt, ehe er immer stärker wurde. Könnte man Lahm klonen, würde ich ihn sogar auf der 6 lassen, aber insgesamt würde man gewinnen, wenn er wieder auf seine Stammposition ginge. Martinez auf der 6 wäre langfristig wohl meine Wunschlösung, da er mir die meiste defensive Stabilität verspricht. Vor allem in den wichtigen Spielen in der CL oder auch gegen Dortmund wäre eine defensivere und sicherere Ausrichtung mit Martinez mein Favorit. Jedenfalls auf dem Papier. Dafür spricht auch, dass man mit Martinez noch einen großen und kopfballstarken Spieler im MF hat, der auch bei hohen Bällen voll da ist. Das geht Lahm und Thiago etwas ab.

        Thiago sehe ich eher auf der 8 als auf der 6, aber so wie Götze und Kroos im Moment spielen, sehe ich ihn am ehesten auf der Bank oder sogar auf der Tribüne. Wer sollte da weichen? Und Schweinsteiger spielt ja auch noch. Aktuell sehe ich für ihn nur Chancen, über die Rotation zu Einsatzzeit zu kommen. Oder als offensivere Variante gegen tiefer stehende Gegner oder bei Rückstand.

        Bei Schweinsteiger bin ich mir nach wie vor nicht sicher, wie er drauf ist. So richtig fit sieht das alles noch nicht aus, auch wenn er bisher ordentliche Spiele abliefert. Überragend ist er jedenfalls noch nicht. Vielleicht bekommt er jetzt ja wieder etwas mehr Ruhephasen, wenn Martinez fit ist.

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