Eine Frage der Konzentration

Der FC Bayern hatte am Wochenende beim 1:1 gegen Bayer Leverkusen genügend Chancen, um das Spiel 4:1 oder 5:1 zu gewinnen. 27 Torschüsse, 16 gute Torchancen – fraglos war der eine Treffer zu wenig am Samstagabend. Auch wenn das Leverkusen-Spiel sicher heraussticht – die schlechte Chancenverwertung hat sich in dieser Saison zu einem negativen Trend beim FC Bayern entwickelt. Platz 16 in der Chancenverwertungstabelle in der Bundesliga ist in der Tat eine etwas beunruhigende Momentaufnahme. Die Elf von Pep Guardiola traf in der Liga, trotz der deutlich erkennbar steigenden Form der letzten Wochen nur 15 Mal. Erst fünf Teams in der Geschichte der Fußball-Bundesliga waren nach acht Spieltagen mit so wenig Toren Tabellenführer. Dortmund (21), Leverkusen (18), Mönchengladbach (19), Stuttgart (16), Hoffenheim (20) und sogar der glorreiche HSV (16) trafen in dieser Saison öfter als der Rekordmeister.

Auffällig ist, dass die Werte in der Bundesliga im Vergleich zur Champions League variieren. 155 Mal schossen die Münchener in der Bundesliga bisher aufs Tor – das heißt ca. 19 Mal pro Spiel. 15 Tore sind daraus entstanden, was bedeutet, dass ca. 9,6 Prozent aller Schüsse ins Tor gehen. In der Champions League ist die Anzahl der Torchancen und Schüsse ähnlich (41 Schüsse, 20,5 Schüsse pro Spiel). Der Prozentualwert ist bei 6 Toren mit 14,6 Prozent aber erkennbar besser. Mit bisher 3 Toren pro Spiel in der Champions League und „nur“ 1,8 Toren pro Spiel in der Liga ist auch in den absoluten Zahlen ein deutlicher Unterschied zu erkennen. Zusammengefasst: Bayern schießt in der Champions League zwar genau so häufig aufs Tor wie in der Bundesliga, die Effektivität beim Abschluss ist aber spürbar höher.

Auch wenn man nach zwei Spielen in der Champions League sicher noch keine endgültigen Aussagen treffen kann, spricht viel dafür, dass gerade in der Bundesliga fehlende Konzentration eine Ursache für die mangelnde Chancenverwertung sein kann. Dies wäre nach dem gewonnen Triple und der möglicherweise fehlenden letzten Anspannung im Bundesliga-Alltag nur allzu menschlich. Wie gut also, dass die dominante Spielweise der Bayern auch defensiv  einen enorm positiven Nebeneffekt hat. Wenn der Gegner so gut wie nie an den Ball kommt, wird es ihm auch schwerer gemacht Tore zu erzielen. Nur 3 Gegentore sind der mit Abstand beste Wert in der Bundesliga und eines Tabellenführers allemal würdig.

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5 Antworten zu Eine Frage der Konzentration

  1. daniel schreibt:

    Guter kommentare; kannd dem nur zustimmen.
    Der BVB hat ja seit der ersten Meistersaison eigentlich jedes Jahr diesselben Probleme, seine Chancen zu verwerten. V.a. die klaren Torchancen (also die berühmten 100%…), die leider in keiner Statistik so herauszufiltern sind, versieben sie seit Jahren regelmäßig. Ich habe mir das dort immer mit mangelnder Konzentration aufgrund des laufintesiven Spiels erklärt. Wenn du nur am pressen und gegenpressen bist, permanent Räume zuläufst und auch nach vorne fast nur vertikale Angriffe fährst musst du vor dem Tor erstmal die Ruhe bewahren. Ich frag mich jetzt bei Bayern nur, ob es am gesteigerten Laufaufwand durch das forcierte Gegenpressing unter Pep kommt oder durch mentale unkonzentriertheiten aufgrund der Triple-Saison. Ähnliche Probleme hatte Dortmund letztes Jahr ja auch, als sie mental wohl ziemliche Durchhänger hatten und dann auch z.T. spielerisch überelgene Spiele aufgrund von solchen Kleinigkeiten nicht gewinnen konnten. Damit sind für mich auch die Leistungsschwankungen bei Bayern bisher zu erklären: In den „Spitzenspielen“ in der Liga gegen Schalke und Leverkusen super; im K.O. spiel im Pokal gegen Hannover sehr souverän und konzentriert und in der „ersten echten Standortbestimmung“ gegen Manchester saustark, gegen Wolfsburg oder Hannover in der Liga dagegen gerade so ausreichend (ein gutes Pferd…).
    Wirklich sorgen würde es mir nur machen, wenn es bei Bayern einen Zusammenhang zwischen dem laufintensiverem Spiel mit mehr Gegenpressing und der Chancenverwertung gäbe, also man dann auch wichtige CL-Spiele dominiert, aber das Ding nicht reinhaut.

  2. Jan schreibt:

    Danke für deinen Beitrag, ich möchte noch ein etwas anderes Licht auf das Thema bringen. Meiner Meinung nach hinkt der Vergleich insofern, dass man nicht einfach eine Betrachtung der Spiele 1-8 vornehmen sollte, sondern die jeweiligen Gegner anschauen sollte. In der letzten Spielzeit waren Fürth, Mainz und Düsseldorf einfachere Spiele zum Saisonbeginn.

    Mit einer Auswertung unserer ersten acht Spiele dieser Saison und der Gegenüberstellung mit den jeweiligen Auftritten aus der letzten, sind die Unterschiede nicht mehr so gravierend. In Summe 475% Ballbesitz letzte Spielzeit, gegen jetzt 534%, 116 gegenüber 114 Torschüssen und 19 vs. 15 Tore. Halte den Zugewinn an Ballbesitz aktuell für wichtiger und die 4 Tore weniger zu vernachlässigen. Wir haben in 2013/14 Platz 3-11 des letzten Jahres bespielt. Keine schlechten Werte also. Die kommenden Hertha, Mainz, HSV, Bremen, Augsburg und Braunschweig sind „Pflichtsiege“ und dürften die Statistik wieder ausgleichen.

    • derbayernblog schreibt:

      Gute Argumente. Auffällig ist doch, dass Bayern trotz des formal schwereren Auftaktprogramms genauso viele Abschlüsse kreiert wie im Vorjahr. Allerdings finde ich schon, dass 19 statt 15 Tore bei beinahe gleicher Torschuss-Anzahl einen Unterschied machen. Die Quote steigt hier von 9 auf 16 Prozent. Das wäre dann ja ein ähnlicher Wert wie aktuell in der Champions League. Ganz von der Hand zu weisen ist diese Schwäche in der Liga deshalb nicht. Aber ich gebe Dir recht, dass es eine Momentaufnahme ist.

      • sfscorpio schreibt:

        Einen „Auffälligkeit“ gibt es definitiv. Da sind wir uns einig! 🙂

        Die vier Tore weniger in der Liga würde ich aber in erster Linie auf die Qualität der Gegner (und ihrer Torhüter) schieben. Denke wir sollten das Thema nach 8 weiteren Spielen noch einmal aufrollen, dann ist der Datensatz größer.

  3. Ryukyu schreibt:

    Ehrlich gesagt kann man aufgrund der geringen Anzahl von Torschüssen insgesamt überhaupt keine statistisch belastbaren Aussagen treffen. 155 Schüsse in der Bundesliga und vor allem nur 41 in der CL – das reicht einfach nicht, um daraus eine Aussage abzuleiten. Ich bin jetzt zu faul um die Standardabweichung auszurechnen, aber ich bin mir zu 99% sicher, dass sich die Differenz in der Torquote schon allein durch die Varianz erklären lässt und somit völlig im Rahmen der statistischen Schwankung liegt. Mathematisch bestünde dann in diesem Fall überhaupt keine Auffälligkeit.

    Interessant wäre allerdings wirklich mal ein Vergleich nach der Hinrunde in der Bundesliga. Und zwar mit der Rückrunde oder vielleicht auch mit der gesamten letzten Saison in der Bundesliga. Dann hätte man auch die gleiche Grundgesamtheit. Und es wäre interessant zu schauen, ob man in der CL über die letzte Saison auch schon effektiver war als in der Bundesliga. Das würde dann deine These stützen. Allerdings wäre sie nicht auf diese Saison beschränkt, sondern wäre mehr oder weniger allgemein gültig. Bayern würde demnach in der CL konzentrierter spielen als in der Bundesliga. So besonders überraschend wäre das Ergebnis eigentlich nicht, denn vor allem in den Jahren vor 2011 wusste Bayern ja mehr in der CL zu überzeugen als in der BL. Vor allem in Sachen Einsatz und Laufbereitschaft – zumindest gefühlt. Und letztlich sagt das ja auch jeder Spieler – die CL ist das Highlight, dementsprechend geht man dort noch engagierter zu Werke.

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