Kroos: Der Mann für den vorletzten Pass

Es ist so etwas wie die ultimative Lobhudelei, die die britischen Kollegen von Sky Sports da im Vorfeld des Duells des FC Bayern gegen Manchester City über Toni Kroos verfasst haben.

„But then, Toni Kroos inspires superlatives. Here is a player that has everything. ‚Kroos is a phenomenon,‘ writes tactics expert Jonathan Wilson. ‚Perhaps the archetype of the modern attacking midfielder.‘ That is to say he can shoot and pass, score and assist. He possesses an awareness of space and the intelligence to adapt to a variety of roles. He can play passes both long and short. He is technically comfortable in tight spaces and has the athleticism to drive forwards when afforded room.“ Sky Sports 30.09.2013.

In der Tat ist die Entwicklung von Kroos unter Guardiola bemerkenswert. Seine Rolle auf der 8 hat sich im Vergleich zur Vorsaison auf der 10 deutlich verändert. Er spielt weniger Schlüsselpässe, um den Strafraum herum, dafür ist er wesentlich früher ins Kombinationsspiel eingebunden und trägt eine größere Last beim Ballvortrag und bei der Angriffsinitiation. Seine Ballsicherheit ist das was Guardiola auf dieser Position benötigt. Im Champions League-Auftaktspiel gegen Moskau brachte Kroos 98,8 Prozent seiner 82 Pässe zum Mitspieler. In der Liga liegt seine Passquote ebenfalls regelmäßig jenseits der 90 Prozent. Kroos ist beim FC Bayern der Mann der vorletzten Pässe geworden, die nur schwer in Statistiken abzulesen sind, aber dennoch eine enorm wichtige Funktion für das Offensivspiel erfüllen, weil sie Räume schaffen und Situationen in Tornähe vorbereiten. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zur Vorsaison: Kroos gewinnt mehr Bälle und ist aktiver im Gegenpressing. Er hat mit knapp 60 Prozent die beste Zweikampf-Quote des gesamten Bayern-Mittelfelds. Auch diese Fähigkeit ist eine Grundvoraussetzung auf der 8.

Kroos ist kurz davor den Schritt zu machen, den man in München von ihm schon seit Jahren erwartet. Er ist dabei, das ihm stets unterstellte Potenzial, das gleichfalls wie ein Damoklesschwert über seinen Leistungen schwebte, endgültig und dauerhaft zu erfüllen. Es ist dieser Schritt, der aus Talenten anerkannte Leistungsträger macht. Fußballerisch fehlt ihm dazu nichts. Was ihm vielleicht noch etwas abgeht ist der Beweis, dass er auch in kritischen Spielen ein Spieler sein kann, an dem sich die Mannschaft aufrichtet und der zu jederzeit bereit ist Verantwortung zu übernehmen. Die Kritik, dass sich Kroos in der Vergangenheit zu häufig versteckt hat, wenn es eng wurde, ist auch aus meiner Sicht nicht ganz ungerechtfertigt. Kroos hat in dieser Woche gegen Manchester und Leverkusen zwei gute Gelegenheiten auch diese Kritik endgültig zu zerstreuen.

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5 Antworten zu Kroos: Der Mann für den vorletzten Pass

  1. Silvman schreibt:

    Franck by name, frank by nature.ahahahaha

  2. OM schreibt:

    Gegen Wolfsburg hat er das ja zumindest schon angedeutet. Der Weg in’s letzte Drittel lief sehr, sehr schleppend bis zur Einwechslung von Kroos und Shaqiri. Die beiden kombinieren sich durchs Mitteldfeld und prompt gibt Kroos den von dir angesprochenen vorletzten Pass.
    Ich glaube, so langsam bekommt er auch das Standing in der Mannschaft, das es ihm erlaubt ein Spiel an sich zu reißen. Bis jetzt deutet er das zwar nur an, aber hoffen wir, dass Pep das forciert und ihn nicht wieder auf die Bank setzt, wenn Thiago und Götze wiederkommen.

  3. Pingback: #Link11: Gibts doch gar nicht | Fokus Fussball

  4. Papadopoulos schreibt:

    Könnte mir in der Nationalelf eine symbiotische „Beziehung“ mit Roman Neustädter vorstellen…ein ähnlich passstarker, antizipativ-genialer aber statistisch nahezu unsichtbarer Spieler. Zusammen mit Höger bilden die beiden ein kongeniales Duo im defensiven Mittelfeld. (Vgl. http://spielverlagerung.de/2013/09/21/schalkes-neue-stabilitat/)
    Mal eine echte Alternative zu einem auffälligeren box-to-box-Player wie Khedira auf der nominellen 6.

    • derbayernblog schreibt:

      Die Auswahl auf dieser Position in der Nationalmannschaft ist inzwischen Wahnsinn. Schweinsteiger, Neustädter, Kroos, Khedira, L. Bender, S. Bender – vielleicht sogar Lahm. Alle mit unterschiedlichen Stärken und Ausrichtungen. Löw hat unglaublich viele Möglichkeiten.

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