FC Bayern – Hannover 96 2:0 (0:0)

FC Bayern Neuer – Rafinha, Van Buyten, Boateng (68. Dante), Alaba – Lahm, Kroos (86. Kirchhoff) – Müller, Robben, Ribéry (80. Shaqiri) – Mandzukic
Ersatz Starke, Pizarro, Contento, Schweinsteiger
Hannover 96 Zieler – Sakai, Marcelo, Sané, Poco – Bittencourt, Stindl, Andreasen (74. Schulz), Prib (82. Schlaudraff) – Ya Konan (67. Schmiedebach), Sobiech
Schiedsrichter Tobias Stieler (Hamburg)
Zuschauer 71.000 (ausverkauft)
Tore 1:0 Mandzukic (51.), 2:0 Ribéry (64.)
Gelbe Karten Ribéry, Kroos, Boateng / Marcelo, Prib, Bittencourt

Falls ihr es verpasst habt: Solider Auftakt in die erste richtig wichtige Phase der Saisons 2013/2014 für den FC Bayern. Hannover war am Samstag Nachmittag der erwartet angenehme Gegner nach der Länderspiel-Pause, die einigen Münchenern in diesem Spiel deutlich anzumerken war. Guardiola brachte van Buyten für Dante und ließ Lahm statt des angeschlagenen Schweinsteiger auf der 6 agieren. Kroos unterstützte den Bayern-Kapitän dabei häufig im Spielaufbau. Bayern kontrollierte das Spiel von Beginn an, wirkte im Schlussdrittel rund um den Hannoveraner Strafraum aber häufig uninspiriert, unkonzentriert und ohne die letzte Konsequenz. Außer einer guten Chance von Müller (7.) sprang in der ersten Spielhälfte kaum ein kontrollierter Torabschluss im Strafraum heraus. Hannover agierte mit zwei engmaschigen Viererkette und versuchte gerade den Offensivdrang der linken Münchener Seite durch eine sehr enge Manndeckung von Bittencourt gegen Alaba zu schwächen. Die Statistik bestätigte den Eindruck der fehlenden Präzision in der Anfangsphase. Bayern brachte im vorderen Spielfelddrittel in Halbzeit eins kaum mehr als 50 Prozent der Pässe zum Mitspieler. Auf der Gegenseite ließen die Münchener die in dieser Saison obligatorischen 1-2 guten Kontermöglichkeiten zu und hatte Glück, dass ein abgefälschter Ball von Ya Konan nur das Lattenkreuz traf.

Nach der Pause wirkte die Guardiola-Elf wesentlich engagierter und zielstrebiger und verstand es nun besser, die Überlegenheit in ordentlich bis gute Abschlussmöglichkeiten umzumünzen. Mandzukic traf nach einer herrlichen Vorarbeit von Robben und Kroos in der 51. Minute zum 1:0. Ribéry erhöhte nach 64. Minuten auf 2:0. Am Ende hätte Robben sogar noch das 3:0 erzielen können.

Insgesamt war es nicht gerade ein großer Schritt nach vorne, aber doch die souveräne Erfüllung einer Pflichtaufgabe.

3 Dinge, die auffielen:

1. Denkpause für Dante

Es hatte sich in den vergangenen Wochen ein wenig angedeutet. Dante bekam von Guardiola gegen Hannover eine dringend benötigte Denkpause. Der Brasilianer, der in der Triple-Saison fraglos eine wichtige Stütze war, aber auch dort bereits gegen Ende der Saison ein wenig überspielt wirkte, startete unglücklich in die Saison. Sein Eigentor gegen Mönchengladbach zum Saisonauftakt, sein beinahe folgenschwerer Ausrutscher im Supercup gegen den FC Chelsea. Ein paar unnötige Abspielfehler zu viel und eine spürbar fehlende Spritzigkeit, sorgten dafür, dass es in den vergangenen Wochen häufig Jerome Boateng war, der den deutlich stabileren Part in der Innenverteidigung bildete. Dass Dante mit einigen Startschwierigkeiten kämpft, kommt nach einer langen Saison in drei Wettbewerben und Confed-Cup und einer kurzen Sommerpause nicht überraschend. Gerade im Hinblick auf die kommenden englischen Wochen sind Möglichkeiten zur Regeneration für den Linksfuß wichtig.

Der 29-Jährige hat auch spielerisch deutliche Anpassungsschwierigkeiten an die neuen Anforderungen Guardiolas. Auch hier mag der späte Einstieg in die Vorbereitung und somit weniger Trainingszeit eine Rolle spielen. Guardiola erwartet von seinen Innenverteidigern, dass sie aktiv aus dem Zentrum herausrücken, um im Konter die offenen Halbräume neben der alleinigen 6 proaktiv zu besetzen und das direkte eins-gegen-eins zu suchen. Während die Innenverteidiger unter Heynckes vor allem bei langen Bällen auf die häufig einzige Spitze gefordert waren und ansonsten eher als zusätzliche Absicherung hinter den beiden Sechsern abwartend agierten, erwartet Guardiola mehr Risiko und frühes antizipieren.

Ein Gewinner der ersten Wochen unter Guardiola ist auch deshalb Dantes etatmäßiger Nebenmann Boateng. Der gebürtige Berliner ist inzwischen auch in der Nationalmannschaft unumstritten und das völlig zurecht. Während Dante in der laufenden Saison nur 46 Prozent seiner Zweikämpfe am Boden gewinnt, geht Boateng in 68 Prozent der Duelle als Sieger hervor. Boateng wirkt austrainiert wie noch nie. Seine herausragende Schnelligkeit, gepaart mit einem kompromisslosen Zweikampfverhalten, bemerkenswerten antizipativen Fähigkeiten und einem soliden Aufbauspiel, machen ihn zur Zeit zu einem kompletten Innenverteidiger. Trotzdem werden auch für den 25-Jährigen die kommenden Wochen zu einer Bewährungsprobe. Zum ersten Mal in seiner Karriere ist Boateng unumstritten. Er, der immer gegen Vorurteile und sein „Sicherheits-Risiko“-Image ankämpfen musste, überzeugt inzwischen auch seine schärfsten Kritiker. Die Lethargie früherer Jahre ist verschwunden auch weil Boateng aus der Kritik zusätzliche Motivation schöpfte. Er wirkt auf dem Platz voll involviert. Er ist nach harten Foulspielen gegen einen Mitspieler häufig der Erste, der sich verbal und körperlich ins Gedränge wirft und Gegenspielern klar macht: „So nicht!“. Auf einmal ist er es an dem sich Mitspieler wie Dante, van Buyten oder Per Mertesacker aufrichten. In den kommenden Wochen gilt es für Boateng seine neue Rolle als echte Säule in der Innenverteidigung des FC Bayern und der Nationalmannschaft zu bestätigen.

2. Die Leichtigkeit des Arjen Robben

Nicht wenige rechneten im Frühjahr damit, dass die Ankunft von Pep Guardiola bei FC Bayern auch das Ende der Ära Arjen Robben in München einläuten könnte. Wie sollte der häufig als one-trick-pony verschriene Individualist in die Kollektiv-Ausrichtung des Katalanen hinein passen? Wer den Niederländer in den Anfangswochen der neuen Saison spielen sah, muss konstatieren: Es passt ziemlich gut.

Es ist ein anderer Arjen Robben, der im Moment die rechte Offensivseite des FC Bayern beackert. Robben wirkt nach der Triple-Saison befreit. Robben, der oftmals verbissen, gerade zu besessen wirkte es allen zu zeigen. Robben, der nach seinem 2:1-Treffen gegen Borussia Dortmund im Champions League-Finale seine aufgestaute Wut und Aggression in die Kurve brüllte. Robben, der sich schon mal wie ein E-Jugendlicher, um die Ausführung eines Freistoßes stritt. Er wirkt heuer leichtfüßiger, bescheidener, lockerer. Und trotzdem gelingt es ihm nach wie vor fast jedem Spiel seinen Stempel aufzudrücken. Es kommt nicht ganz von ungefähr, dass Bayern vor zwei Wochen gegen Freiburg ohne Robben Punkte ließ. Gegen Mönchengladbach und Nürnberg traf der Niederländer in dieser Saison bereits selbst. Gegen Hannover leitete Robben das 1:0 durch einen schönen Diagonallauf ein und bereitet das 2:0 durch Ribéry durch einen abgewehrten Schuss vor. Mit ein wenig mehr Konsequenz im Abschluss hätte er in der Schlussviertelstunde freistehend das 3:0 nachlegen können.

Robben präsentiert sich gereift und ist im Moment ziemlich unumstritten beim Rekordmeister. Auch weil er, anders als in der Vergangenheit fit ist, während andere wie Thiago oder Götze ausfallen. Nicht nur er selbst wird hoffen, dass das so bleibt.

3. Einen rausgesammert

Matthias Sammer hat zum Auftakt der englischen Wochen ein glanzloses Spiel der Guardiola-Elf genutzt, um mal wieder einen rauszusammern. Auch wenn seine Empörung über den „lethargischen Dienst nach Vorschrift“ der Bayern-Elf in der Saisonanfangsphase etwas aufgesetzt und berechnend klang – in der Sache hat der Münchener Sportdirektor nicht ganz unrecht. Der Guardiola-Hype in München kann einigen in der Mannschaft durchaus eine willkommene Gelegenheit geben, sich etwas im Rücken des neuen Trainers ein wenig zu verstecken. Die zum Teil zähen Auftritte der Münchener in der Bundesliga wurden öffentlich vor allem an Guardiola festgemacht. An Seiner Systemänderung, seiner Rotation oder seinem Risiko in der Spielanlage. Matthias Sammer tut gut daran alles dafür zu tun, um hier gegenzusteuern.

Es ist menschlich allzu verständlich, dass Spiele gegen Freiburg oder Hannover den Münchenern im Moment nicht die gleiche Emotionalität verleihen wie die entscheidenden Spiele der Saison 2012/2013. Natürliche machen Erfolge satt und der Saisonstart des FC Bayern mit vier Siegen und einem Unentschieden kann sich vor diesem Hintergrund durchaus sehen lassen. Ich persönlich kann mit diesen Arbeitssiegen im Moment auch sehr gut leben. Nicht jede Saison muss eine Rekordsaison werden und so lange der FC Bayern die Chance wahrt im Frühjahr 2014 um in allen Wettbewerben um Titel zu spielen ist alles in Ordnung. Trotzdem hat Sammer Recht wenn er die „fehlenden 3, 4 Prozent“ jetzt einfordert, gerade weil Auswärtsspiele in Gelsenkirchen und Leverkusen vor der Tür stehen.

Sammer muss nur aufpassen, dass sich seine Rolle als Mahner nicht abnutzt, wenn der warnende Zeigefinger allzu durchschaubar herauskommt. Aber Sammer muss sich nicht verstellen, wenn er auch nach einer Triple-Saison 100 Prozent von seinen Spielern verlangt. Vergangenes ist für ihn „etwas, das in ein paar Jahren in Büchern nachzulesen ist und kein Wert an sich“ – das hat er in seiner Karriere immer wieder betont. Für ihn zählt die Gegenwart und die Zukunft. Von daher ist sein Vorstoß zu diesem Zeitpunkt absolut legitim.

Dass Uli Hoeneß Sammer am Montag im Kicker öffentlich wiederspricht schafft auf den ersten Blick eine unnötige Baustelle. Auf den zweiten Blick lenkt es den Fokus der öffentlichen Debatte zumindest für einen Moment weg von Guardiola. Falls das so geplant war, ist es ziemlich genial.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Hintergrund, Spieltagsanalyse abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu FC Bayern – Hannover 96 2:0 (0:0)

  1. Ryukyu schreibt:

    Also ich weiß nicht. Ich finde du siehst das etwas zu optimistisch. Die Ergebnisse sind okay, auch wenn man schon zwei Punkte in Freiburg geschenkt hat. Aber nach dem einfachen Auftaktprogramm wäre weniger ehrlich gesagt auch auch nicht genug gewesen.

    Du schreibst es ja selber – ein Schritt nach vorne war das Samstag nicht. Natürlich tut sich die Mannschaft nach der Länderspielpause immer etwas schwerer, aber spielerisch ist das doch arg enttäuschend was da aktuell geboten wird. Auch wenn es dafür zum Teil gute Gründe gibt – die 3 etatmäßigen 6er sind verletzt, dadurch fehlt Lahm auf rechts hinter Robben und Ribery war auch noch ein wenig angeschlagen von der Länderspielreise zurückgekehrt (was man ihm auch angemerkt hat). Trotzdem ist das insgesamt – und zwar über alle Spiele gesehen – zu wenig. Es fehlt der Biss. Und es fehlt das Tempo. Arjen Robben zeigt es, Ribery hat es schön öfter aufblitzen lassen, Müller ist sowieso immer voll dabei. Aber Müller ist auf der Halbposition auch einfach nicht ideal besetzt. Kroos ist lethargisch wie eh und je, obwohl er Samstag wenigstens so gut wie selten zuvor nach hinten mitgearbeitet hat. Es fehlt aber einfach insgesamt der Zug im Spiel. Wenn ich mir dazu im Vergleich die Spiele von Dortmund anschaue, dann ist das ein Klassenunterschied in Sachen Tempo. Ich bin froh, dass es noch ein paar Wochen hin ist bis zu dem Duell. Ich möchte nicht wissen, was Dortmund aktuell mit Bayern veranstalten würde. Ach so – Totalausfall am Samstag war für mich Rafinha. Was der da teilweise für Fehlpässe gespielt hat – mir standen die Haare zu Berge. Ich bin ja seit jeher kein großer Fan von ihm. Mit ihm auf der rechten Seite fällt die Mannschaft einfach deutlich ab.

    Was mich etwas stutzig macht – gegen Chelsea war Bayern bisher das erste Mal richtig überzeugend. Es scheint, als würde man sich aktuell wieder etwas zurückentwickeln zu der Mannschaft, die sich nur noch für die Highlights motivieren kann. Der Kaiser hat das ja mal gesagt: Die 74er Mannschaft wäre die beste gewesen. Danach hat man im Prinzip 2 Jahre rumgeeiert und nur noch in den Top-Spielen einen rausgehauen. Ich glaube niemand erwartet aktuell eine Gala von der Mannschaft, aber vor allem im Spiel nach vorne ist das im Moment schon sehr enttäuschend. Freiburg war auch denkbar uninspiriert. Dazu noch diese ständigen Lücken in der Defensive.. oh je..

    Ich glaube, dass in der Meisterschaft in den nächsten Wochen schon eine kleine Vorentscheidung fallen könnte. Wir haben jetzt richtig schwere Partien vor uns. Schalke auswärts, Manchester auswärts, Leverkusen auswärts. Dazwischen noch Pokal gegen Hannover und ein Heimspiel gegen Wolfsburg. Und das ohne etatmäßige 6. Schweinsteiger ist vielleicht bei 80%, wenn überhaut. Würde mich auch nicht wundern, wenn seine Verletzung noch mal aufbrechen würde bzw. wenn er wieder nur unter Schmerzen weiterspielen würde. Dortmund hat in der Zeit Nürnberg, Freiburg und Gladbach. Wenn man jetzt noch mal 4-6 Punkte verlieren würde auf Dortmund, dann läuft man vermutlich den Rest der Saison wieder hinterher.

  2. Pingback: #Link11: Herbert Waas war ein Angreifer | Fokus Fussball

  3. Okinawa schreibt:

    Ryukyu, wenn Du meinst, der Spielbericht sei zu optimistisch, dann hast Du m.E. den viel zu pessimistischen Gegenpart beigesteuert. Nach einer wahsinnig erfolgreichen Saison fehlt jetzt zu Beginn die totale Hingabe, na und? Das System ist noch nicht richtig verinnerlicht, zentrale Spieler fallen immer wieder aus bzw. enttäuschen bei ihrer Rückkehr (Thiago, Götze), taugt doch alles als Erklärung für die durchschnittliche (aber immer noch siegreiche) Leistung, oder? Dortmund spielt im altbekannten System, da muss sich keiner umstellen und gewonnen haben die auch nichts letztes Jahr, alles ganz leicht bei denen..Und trotzdem: abgesehen von dem Spiel gegen den HSV war der BVB auch nicht souverän bisher. Also nur ruhig Blut, wird schon noch werden.

    • Ryukyu schreibt:

      Die Ergebnisse bisher sind in Ordnung, mehr aber auch nicht. Und die Ergebnisse sind eben auch nicht alles. Natürlich stehen die gerade im Umbruch erst mal im Vordergrund, aber so eine richtige Entwicklung sieht man in meinen Augen nicht wirklich aktuell. Das Spiel nach vorne wird wieder langsamer. Ich fand die Leistung in Frankfurt bisher am besten, danach ging es wieder ein bisschen rückwärts.

      Letzte Saison ging mir Sammer ja wirklich auf die Nerven mit seinem Gemecker, bei mehr als 10 Punkten Vorsprung kann man das auch nicht wirklich ernst nehmen, zumal die Mannschaft immer noch souverän und überzeugend gespielt hat. Spielerisch und auch defensiv ist man noch weit davon entfernt, was mit dieser Mannschaft möglich ist. Man darf auch nicht vergessen, dass man durchaus in Frankfurt hätte Unentschieden spielen können, wenn der Schiri den durchaus berechtigten Elfmeter gibt.

      Dazu kommt die Verletztenmisere. In Kombination mit den schweren Wochen stimmt mich das nicht gerade optimistisch. Schweinsteiger ist überhaupt nicht fit und muss sich jetzt anscheinend wie 2012 durch die Saison quälen, statt sich vollständig auskurieren zu können. Allzu viel darf man von ihm in dem Zustand logischerweise nicht erwarten. Ich bin gespannt, wie man sich morgen gegen Moskau schlägt. Die nächsten 3 Wochen jedenfalls werden wahnsinnig aufregend. Ist ja auch mal wieder ganz schön, dass es wirklich in jedem Spiel um die Wurst geht. 🙂

      • Bligger schreibt:

        Wenn du die Ergebnisse mit den ersten Wochen der van Gaal-Ära vergleichst, sind sie mehr als in Ordnung (8 Punkten aus 5 Spielen und einschläfernder Ballbesitzfußball). Damals war genauso wenig eine „Entwicklung“ zu sehen, weil so etwas immer Zeit braucht und zu jeder wirklichen dauerhaften Entwicklung auch Niederlagen und Rückschritte gehören. Eine Mentalität im Sinne von Klinsmanns „jeden Spieler jeden Tag ein bischen besser machen“ scheint auf den ersten Blick zwar viel toller, wie sowas am Ende in der Realität aussieht haben wir denke ich alle noch vor Augen. Bayern hat bisher 13/15 Punkten, wenn du das auf 34 Spieltage hochrechnest bist du fast bei den 91 aus der letzten Saison. Dabei haben wir nur 2 Gegentore bekommen und von allen BL-Mannschaften die wenigsten Torschüsse zugelassen; wenn du das auf 34 Spieltage hochrechnest ist es deutlich besser als im letzten Jahr. 9 geschossene Tore sind natürlich für die eigenen Ansprüche zu wenig, aber ähnlich wie bei der attraktiven Spielweise muss man diesen Aspekten etwas Zeit geben. Für die Umstellungen die Guardiola vorgenommen hat sieht es eigentlich sehr gut aus;) Und wenn man vergleicht, wie andere Mannschaften nach großen Erfolgen in eine neue Saison gestartet sind (Chelsea letztes Jahr, Dortmund letztes Jahr, Bayern 2002) sind die Ergebnisse sehr gut. Ich denke es ist nur normal und menschlich gewisse Durchhänger zu haben, nach so einer irren Anspannung im letzten Jahr, in der Spieler wie Lahm, Schweinsteiger, Robben oder Müller fast schon gewinnen MUSSTEN, um die eigene Karriere zu retten. Und genau dagegen scheint ja Sammer auch zu wettern. Wenn man wie bei Klinsmann im neuen Jahr immer noch keine Entwicklung sieht, sollte man sich sorgen machen. Im Moment ist es dafür aber noch zu früh.

      • Ryukyu schreibt:

        Die Mannschaft von Gaals oder Klinsmanns braucht man aber auch nicht mit der aktuellen Truppe zu vergleichen. Sowohl individuell als auch kollektiv ist das eine völlig andere Qualität. Van Gaal hat mehr oder weniger einen Hühnerhaufen übernommen, Guardiola die beste Mannschaft Europas. Wie gesagt, ich erwarte nicht, dass alles klappt. Aber Fakt ist es fehlt an Tempo. Und kurioserweise hat die Mannschaft letzte Saison in einer defensiveren Grundausrichtung nicht nur schnellern, sondern auch kreativer gespielt. Der starke Fokus auf Ballbesitz erinnert zuweilen schon ein wenig an die Zeit unter van Gaal – die zugegebenermaßen gar nicht so schlecht war und der Fußball deutlich besser aussah als unter Klinsmann.

        Und beim aktuellen Saisonstart darf man auch einfach nicht außer Acht lassen, gegen wen man da gespielt hat. Abgesehen von Hannover (die aber bis dato 3 von 4 Spielen zu Hause gespielt hatten) waren das der 11. und der 13. der aktuellen Tabelle sowie der Drittletzte und der Vorletzte, die beide bisher noch kein einziges Spiel gewonnen haben.

        Es ist punktemäßig im grünen Bereich, spielerisch aber nicht. Wenn man sich in den nächsten 3 Wochen nicht erheblich steigert, gibt es auch die erste(n) Niederlage(n) – und wenn es ganz dumm läuft, dann ist die Saison damit schon mehr oder weniger gelaufen. Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber ein Unentschieden gegen Moskau und eine Niederlage in Manchester und du musst die restlichen 4 Spiele schon gewinnen. Und in der Liga kann sich der Rückstand auch schnell auf 5-7 Punkte addieren, wenn man sich das Programm von uns und Dortmund mal anschaut. Selbstzufriedenheit halte ich im Moment jedenfalls für unangebracht.

  4. Bligger schreibt:

    Es stimmt, die Mannschaft ist heute individuell stärker als unter van Gaal. Aber damals wurde im Jahr zuvor nichts gewonnen, die Mannschaft war hungrig. Auch wenn ich sonst kein Freund von ständigen Psychologisierungen bin sollte man diesen Aspekt hier nicht vergessen. Letzte Saison hat man alles gewonnen, und wie oben beschrieben ist ein gewisser Sättigungseffekt nur normal. Es kommt nicht von irgendwo her, dass noch kein Team die CL verteidigen konnte. Darauf würde ich auch fehlende Spritzigkeit und Tempo zurückführen. Das war bei Dortmund letztes Jahr nichts anderes, hat Klopp in nem Interview auch mal so beschrieben. Er meinte, er hätte vor der Mannschaft die Autorität verloren, wenn er das gefordert hätte, was er an Einsatz normalerweise verlangt. Deshalb hat es auch in der CL in einzelnen Spielen gereicht, aber nicht in der Liga auf Strecke. Und dann spielst du halt gegen Freiburg mal nur Unentschieden wenn das letzte Jahr so überragend war und der Erfolg mit soviel Wille errungen wurde. Im letzten Jahr waren alle zu 150% motiviert, dass es danach einen Abfall gibt ist glaub ich normal.

    Außerdem war letztes Jahr spielerisch auch nicht alles Gold was glänzt. Das wird heute auch etwas verklärt, in den entscheidenden Spielen hat Bayern vor allem durch Physis, taktisch starke Arbeit gegen den Ball, insgesamt defensiv hervorragende Organisation und die Qualität der Einzelspieler profitiert. Versteh mich nicht falsch, es war ein geiles Jahr als Bayernfan, aber es war eben selten wirklich durchdachter Gourmetfußball wie ihn Barcelona gespielt hat. Ich habe auch noch viele Bundesligaspiele im Kopf, in denen recht pragmatisch 3 Punkte in typischen Arbeitssiegen eingefahren wurden. Da gabs auch wenig Tempor und v.a. Einzelaktionen. Siehe die ersten Spiele in der Hin- und Rückrunde z.B. gegen Fürth, Beginn der Hinrunde gegen Freiburg (das war nicht schlechter als das Spiel dieses Jahr, nur das Ergebnis hat jetzt nicht gestimmt, vielleicht weil im Kopf die 3% gefehlt haben um eiskalt das 2:0 zu machen). In Mainz Auswärts war ich im Stadion, da hatten wir eine knappe Halbzeit nicht eine gute Aktion und dann Abschlag Neuer, Weiterleitung Mandschu, Tor Müller. Dann war das Ding gelaufen. Die großen Siege in der CL gegen Barca wurden nicht eingefahren, weil man sie spielerisch dominiert hätte, sondern durch irre Physis und perfekte Defensivorganisation. Bitte nicht falsch verstehen, es war ein tolles Jahr aber spielerisch ist da noch Luft nach oben und sowas einzutrainieren dauert. Eine stabile Defensive mit Kontern kann ein kompetenter Trainer in einer Vorbereitung hinbekommen, siehe Leverkusen, Hannover, Mainz. Für Offensivabläufe braucht man mehr Zeit. Die hatte Klopp in Dormund bekommen und die sollte man Pep jetzt auch geben.

  5. anandvishwanathan schreibt:

    Ryukyu schreibt.
    „Ich will den Teufel nicht an die Wand malen, aber ein Unentschieden gegen Moskau und eine Niederlage in Manchester und du musst die restlichen 4 Spiele schon gewinnen. Und in der Liga kann sich der Rückstand auch schnell auf 5-7 Punkte addieren“.

    Exakt auf den Punkt getroffen. Und genau deshalb hat Sammer auch Alarm gemacht.
    Tipp für heute: FCB-ZSKA 1:1

    Aus dem Gehirn von Pep:
    Er hatte etwa 6 Monate Zeit sich in Ruhe zu überlegen was er mit dem FCB vorhat.
    1. Zum Spielsystem: Heynkes System + Götze fortführen oder aber Barca Design?
    Pep entscheidet sich für Barca Design. Ergo dürfen Gomez, Gustavo und Can „abdampfen“.
    2. Zum Personal: Neymar, Thiago, Luiz, Özil waren von Pep anvisiert. Er bekam Götzinho, Thiago und Kirchhoff. Zur Zeit steht keiner der Drei zur Verfügung. Von Verstärkung darf somit aktuell keine Rede sein. Es spielt aktuell der Kader der letzten Saison.
    3. Dann beginnt die Saison. Pep ist voller Eifer und revolutionärer Kraft. Endlich kann raus was sich über die vielen Monate da in seinem Gehirn angesammelt hat. Alles kann gar nicht schnell und intensiv genug gehen.
    Nach dem Thiagi Deal wurde bereits gefragt. wohin mit BS31? Luxuskader wohin das Auge auch schaut. Pep Revolution in full swing und die Medien im Guardiola Fieber.
    4. Dann kommt die kalte Dusche. Supercup Klatsche gegen den Erzfeind BVB ( 2:4 ). Verletzung von Thiago, Götze ( auf dem Weg zum Sportinvaliden ? ), BS31 und Martinez sowie ein torreiches Spiel gegen BMG. Gerade die zentrale 6 er Position wird zur Gratwanderung. Pep muss sogar auf Lahm und Kroos ausweichen. So war es sicher nicht gedacht.
    5. Die viele Kritik die auf Pep urplötzlich herein prasselt stutzt ihm die Flügel. Er entscheidet sich aufgrund des bayrischen Lazaretts für Ergebnisfussball a la Mourinho. Und genau dies sehen wir aktuell beim FCB.
    6. Im Supercup gegen Chelski bekommt Pep Herzrasen. Er weiß genau dass er dieses Spiel gegen seinen Erzfeind Mou einfach nicht verlieren darf. Zwei verlorene Endspiele, ein bayrisches Lazarett und durchschnittliche Leistungen in der BL hätten seine Kritiker sicher nicht mundtot gemacht.
    7. Pep spielt auf Zeit, legt den Fokus auf Ergebnisse und weniger auf Spielkultur. Sobald der Kader wieder einigermaßen vollzählig ist, wird er sich wieder an seine ursprüngliche Pep Revolution erinnern. Garantiert.
    8. Nicht vergessen, Messi, Menotti, Martino und Che Guevara stammen alle aus Rosario/ARG. Und auch jener Bielsa den Pep zu seinen Mentoren zählt stammt aus Rosario. Zufall? Natürlich!

    Keine Frage, Peps Vision von einem spielerisch dominanten Bayern als „Alpha Predator“ in der BL und vor allem der CL ist noch in seinem Kopf. Die Umstände haben ihn jedoch zum Einlenken gezwungen. Pep mutiert zur Zeit zum Mourinho.
    Der BVB hingegen zelebriert Fussball. Und zumindest zwei der Neuerwerbungen haben bisher voll eingeschlagen- richtig gefährlich die Burschen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s