FC Bayern – 1. FC Nürnberg 2:0 (0:0)

FC Bayern Neuer – Lahm, Boateng, Dante, Alaba – Schweinsteiger – Robben, Götze (68. Kroos), Thiago (62. Müller), Ribéry (80. Shaqiri) – Mandzukic
Ersatz Starke, Rafinha, Van Buyten, Pizarro
1. FC Nürnberg Schäfer – Chandler, Nilsson (35. Dabanli), Pogatetz, Pinola – Stark, Balitsch – Drmic, Feulner (72. Frantz), Plattenhardt (75. Kiyotake) – Ginczek
Schiedsrichter Christian Dingert (Lebecksmühle)
Zuschauer 71.000 (ausverkauft)
Tore 1:0 Ribéry (69.), 2:0 Robben (78.)
Gelbe Karten Mandzukic, Lahm, Ribéry / Ginczek
Besondere Vorkomnisse Alaba scheitert per Foulelfmeter an Schäfer (33.)

Falls ihr es verpasst habt: Bayern zum ersten Mal mit Götze und Thiago in der Startelf auf den offensiven Halbpositionen. Kroos und Müller dafür zunächst auf der Bank. Bayern übernahm von Beginn an die Kontrolle über das Spiel, hatte phasenweise fast 90 Prozent Ballbesitz. Das erste Ausrufezeichen setzte jedoch Nürnberg mit einem Lattenkracher von Daniel Ginczek (15.). Nürnberg hatte danach Glück, dass Alaba das Elfmetergeschenk von Nilsson nicht annahm und mit seinem jämmerlich getretenen Strafstoß an Schäfer scheiterte (33.). Mit der Hereinnahme von Müller für den blassen Thiago erhöhte Guardiola ab der 60. Minute noch einmal den Druck. Nürnberg wackelte und fiel in der 69. Minute als Ribéry nach Lahm-Vorarbeit per Kopf das 1:0 erzielte. Nürnberg hatte nach der kräftezehrenden ersten Hälfte danach kaum noch etwas zuzusetzen und Robben machte in der 78. Minute nach schönem Solo den Deckel drauf.

3 Dinge, die auffielen:

1. Ein Schritt nach vorne

Ein 2:0 gegen den 1. FC Nürnberg klingt nicht gerade wie eine Offenbarung. War es auch nicht. Dennoch war das Spiel gegen die Elf vom ex-Münchener Michael Wiesinger ein Schritt in die richtige Richtung. Im Vergleich zu den Partien gegen Mönchengladbach und Frankfurt fiel vor allem eins positiv auf. Bayern agierte angetrieben von „Libero“ Schweinsteiger viel ruhiger als noch in den Spielen zuvor. Sowohl gegen Mönchengladbach als auch gegen Frankfurt war ein gewisser Übereifer zu spüren, der sich durch viel Hektik auf dem Platz wiederspiegelte. Gegen Nürnberg blieb Bayern ruhig, obwohl Nürnberg lange das 0:0 hielt. Bayern dominierte den Ball wie zuletzt vor einigen Jahren unter van Gaal, allerdings deutlich vertikaler als es unter der Ägide des Holländers häufig der Fall war.

Nochmehr als die am Ende 74 Prozent Ballbesitz drückt eine Statistik die Münchener Überlegenheit aus. Die Guardiola-Elf spielte 623 erfolgreiche Pässe. Nürnberg 64. Dass Nürnberg nur 50 Prozent (Bayern 87 Prozent) seiner Pässe zum Mitspieler brachte beweist zudem, dass auch Bayerns Gegenpressing gut funktioniert. Guardiola sprach nach dem Spiel selbst davon, dass es seinem Team in diesem Spiel zum ersten Mal gelungen sei gefährliche Konter-Situationen weitgehend zu vermeiden.

Auffällig war darüber hinaus ein offensives Muster, das einstudiert wirkt und immer wieder für Gefahr sorgte. Wenn Schweinsteiger oder einer der Innenverteidiger mit dem Ball am Fuß in die Nürnberger Hälfte eindrang ließ sich einer der beiden Achter ins Zentrum fallen. Der jeweilige Außenstürmer besetzte den dadurch freigewordenen Platz im Halbfeld während der jeweilige Außenverteidger mit vollem Tempo die Grundlinie heruntermarschierte und versuchte in den Rücken der Abwehr zu kommen. Durch diese Rochade waren immer zwei oder drei Nürnberger gezwungen ihre angestammte Position zu verlassen. Häufig verfolgte der Nürnberger Außenverteidiger den in die Mitte rückenden Außenstürmer, was wiederum Platz für Alaba und Lahm auf dem Flügel bedeutete. Klappte das nicht rückten Alaba oder Lahm ein und die beiden Außenstürmer rückten wieder nach Außen und zwangen die Gäste somit erneut zur Rochade und in die Unordnung. Insgesamt 7 gefährliche Hereingaben entstanden auf diese Art und Weise. Es ist gut zu sehen, dass Guardiola mit solchen einstudierten Mustern den Spielern auch offensiv einen Plan an die Hand gibt, anstatt den Gegner allein durch Ballbesitz und Ballzirkualtion kaputt spielen zu wollen.

Nichtsdestotrotz muss es das nächste Ziel von Guardiola sein, die Überlegenheit seiner Mannschaft in mehr und zwingendere Torchancen umzumünzen. In dieser Hinsicht sprang gegen tapfer kämpfende Nürnberger zu wenig heraus.

2. Götze und Thiago mit Licht und Schatten

Es war das lange erwartete Startelf-Debüt der beiden Neuzugänge. Im Prinzip ergänzen sich beide auf den Halbpositonen sehr gut. Thiago ist eher der Ballverteiler, der häufiger und tiefer ins Kombinationsspiel eingebunden ist, während Götze mit seiner Dynamik vor allem im letzten Spielfelddrittel glänzt. Auch die Statistik spiegelt diese Einschätzung wieder. Thiago spielte 66 Pässe, Götze nur 41. Dafür absolvierte Götze 54 intensive Läufe und 12 Sprints, Thiago 37 und 4. Thiago war extrem darauf bedacht Risiko zu vermeiden und wählte im Zweifel eher den Pass zurück. Götze deutete in einigen Szenen an, wie er Bayerns Spiel in den kommenden Monaten verbessern könnte. Seine Fähigkeit sich mit Ball am Fuß um den Gegner zu drehen und mit hohem Tempo in Richtung Tor zu gehen, wird Bayern gerade auch gegen tiefstehende Gegner gut tun. Seine Technik und sein Ballgefühl sind ohnehin eine Augenweide.

Trotz der guten Ansätze kam es nicht ganz von ungefähr, dass erst die Hereinnahme von Müller für Thiago Bayern auf die Siegerstraße brachte. Müllers Konsequenz im Spiel nach Vorne und seine Torgefahr gingen beiden Neuzugängen (noch) ab. Die kommenden Wochen werden mehr Aufschlüsse darüber bringen welchen Einfluss Götze und Thiago auf das Spiel der Münchener nehmen werden.

Update: Inzwischen wurde bekannt, dass Thiago sich im Spiel gegen Nürnberg einen Syndesmoseband-Riss zugezogen hat und mindestens 7 Wochen ausfällt. Uff. das ist eine bittere Nachricht. Wie war das nochmal mit dem Überangebot im Mittelfeld?

3. Situation in der Südkurve

Viele von Euch haben in den vergangenen Wochen aufmerksam die Situation in der Südkurve beobachtet. Der Konflikt zwischen dem FC Bayern und der aktiven Fanszene ist so komplex, dass ich ihn hier nicht komplett aufrollen möchte. Fakt ist: Es gab in der abgelaufenen Woche und auch rund um das Nürnberg-Spiel einige neue Entwicklungen. Kalle Rummenigge hat das Vorwort im Spieltag-Magazin genutzt, um einige Themen direkt zu adressieren. Die Signale der Entspannung und die ausgestreckte Hand des Bayern-Vorstands sind ein erster wichtiger Schritt. Der Kollege Jan von Miasanrot.de hat hier einige Informationen zur Auseinandersetzung der letzten Wochen und vom Gesprächsabend mit der Schickeria nach dem Nürnberg-Spiel zusammengetragen.

Für die, die sich über die Hintergrund informieren möchten gibt es hier zudem eine Reportage von Sport1 Bundesliga Aktuell, die die Situation gut zusammenfasst. Bezeichnend sind darin aus meiner Sicht vor allem die Aussagen von Prof. Salewski, der vom FC Bayern als Mediator eingesetzt wird und diesem Anspruch in keinster Weise gerecht wird, sondern aktiv Politik betreibt. Bei allem Respekt vor Salewskis Lebensleistung: Aus meiner Sicht kann der FC Bayern nicht weiter zulassen, dass er den Verein in einer so wichtigen und heiklen Angelegenheit weiterhin nach Außen vertritt. Seine Ablösung wäre ein weiterer wichtiger Schritt hin zu einem ernsthaften Dialog, dem sich beide Seiten, der FC Bayern und die aktive Fanszene stellen sollten.

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3 Antworten zu FC Bayern – 1. FC Nürnberg 2:0 (0:0)

  1. Ryukyu schreibt:

    Für mich war das Spiel nicht unbedingt ein Schritt nach vorne. Ehrlich gesagt war ich nach dem Spiel etwas enttäuscht, allerdings war die Erwartungshaltung nach der Bekanntgabe der Aufstellung auch zugegebenermaßen ein wenig zu hoch.

    Man muss sagen, dass Nürnberg das sehr gut verteidigt hat, vor allem die ersten 25 Minuten. Mir bereitet ein wenig Sorge, wenn eine Mannschaft wie Nürnberg in der Lage ist, unser Offensivspiel fast vollständig zum Erliegen zu bringen. Aber natürlich muss man bedenken, dass es das erste Spiel in dieser Aufstellung war und insbesondere die wichtigen zentralen Positionen neu besetzt waren. Von Götze war ich sogar geradezu begeistert, ich fand sein Debüt sehr vielversprechend, wenn man bedenkt, wie lange er kein Spiel bestritten hat und wie wenig er mit der Mannschaft gearbeitet hat. Dafür hat er sehr spielfreudig und spritzig gewirkt und letztlich zeigt das seine herausragende Spielintelligenz. Von Thiago war ich ein wenig enttäuscht. Wirklich Gefahr ging von ihm nicht aus, für mich wirkte er eher wie ein Fremdkörper im Spiel. Dabei kennt er das System und die Mannschaft schon deutlich länger. Ich sehe auf seiner Position im nächsten Spiel auch eher Kroos oder Müller. Aber eher Kroos, da Kroos mit seinem starken Abschluss eine weitere Option bietet, zum Torerfolg zu kommen.

    In der Defensive hat man in meinen Augen allerdings keinen Schritt nach vorne gemacht, eher im Gegenteil. Um das wirklich beurteilen zu können, hätte man auch einen Gegner gebraucht, der mal nach vorne spielt. Dazu war Nürnberg bis zum 0:1 im Prinzip überhaupt nicht bereit und danach nicht in der Lage. Trotzdem wurde speziell von Dante in einigen Situationen sehr sorglos agiert. Ich erinnere mich an eine Szene, in der Ginczek alleine Richtung Tor marschiert und 4-5 Bayern nebenher laufen. Für mich hat da gestern etwas die Bissigkeit gefehlt. Dafür, dass Nürnberg so wenig in das Spiel nach vorne investiert hat, hatten sie verhältnismäßig viele Tormöglichkeiten.

    Aber ich möchte nicht nur schlecht reden. Insgesamt kann man von einem sehr guten Saisonauftakt reden. Alle Spiele gewonnen, was möchte man mehr. Spielfreude, Einsatz- und Lernbereitschaft stimmen bisher und man freut sich nach wie vor auf jedes neue Spiel. Und nach 3 Spielen kann man auch einfach nicht viel mehr erwarten.

    Die nächste Woche bringt bestimmt deutlich mehr Erkenntnis über den aktuellen Leistungsstand. Freiburg ist wider meiner Erwartung gut gestartet, steht defensiv passabel und ist auch im Offensivspiel unerwartet stark nach den Abgängen. Das ist vom Typ her auch noch mal ein anderer Gegner als die bisherigen, dazu ist das Spiel in Freiburg.

    Freitag trifft man dann mit Chelsea im Supercup auf den Gegner mit der höchsten individuellen Klasse bisher. Nach dieser Woche weiß man wieder etwas mehr. 🙂

    Ein bisschen off-topic: Gestern war Hermann Gerland im Sportstudio. Es war wie immer sehr unterhaltsam. Geiler Typ einfach! 🙂

  2. Markus schreibt:

    Thema Südkurve: warst du/jemand da und kann/st etwas dazu sagen, wie die Stimmung gestern war?

    • Jan schreibt:

      War gestern im Stadion besser gesagt in der Nordkurve und es war weiterhin ein Trauerspiel. Bis auf zwei Mal den massentauglichen Bayern-Bayern-Kurvenzuruf ging wirklich nichts. Einige kleine Gruppen versuchten sich redlich im „Vorsingen“ bzw. Anstimmen, aber die Entfernung zwischen ihnen bzw. die ganzen Personen die überhaupt nichts mit Stimmung zu tun haben wollen drumherum machten die Versuche zunichte. Wenn es im Fernsehen etwas angenehmer klang dann wahrscheinlich nur, weil die Nürnberger über fast 90 Minuten ebenfalls sehr still waren. Den Grund dafür kenne ich aber nicht.

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