Schweinsteiger in veränderter Rolle

„Seine Ideen sind unglaublich. Wenn wir die umsetzen können, werden wir es noch einfacher haben, Spiele zu gewinnen. Er ist ein Trainer, der ganz genau weiß, was die Spieler fühlen und denken.“ Bastian Schweinsteiger über Pep Guardiola.

Ich habe es hier bereits vor zwei Wochen geschrieben. Der Abgesang auf Bastian Schweinsteiger, dem sich einige Medien kurz vor dem Saisonstart hingaben, kam viel zu früh. Manch ein Journalist hatte gemunkelt, ob die System-Veränderung unter Guardiola Schweinsteiger aus der Mannschaft kegeln könnte Auch über ein angespanntes Verhältnis zwischen Trainer und Co-Kapitän wurde spekuliert. Nach zwei Pflichtspielen spricht viel dafür: Selbst wenn Pep Guardiola an seinem 4-1-2-3 festhält, bleibt Bastian Schweinsteiger der Fixpunkt der Bayern-Mannschaft im zentralen Mittelfeld.

Für ihn bedeutet die neue Rolle auf der alleinigen 6 jedoch eine gewisse Umstellung. Er ist in dieser Formation das alleinige Bindeglied zwischen Viererkette und Offensive. Im Spielaufbau und Ballvortrag ist das weniger ein Problem. Schweinsteiger ließ sich hier auch gegen Mönchengladbach oft zwischen die beiden Innenverteidiger zurückfallen, um das Spiel wie ein Quarterback von hinten zu strukturieren. Schweinsteiger spielte in 73 Minuten 63 Pässe, was leicht über dem Schnitt des Vorjahres liegt. Seine Passquote lag mit 92 Prozent ebenfalls über seinem Schnitt im Vorjahr. Hier hat der Co-Kapitän eindeutig seine Stärken. Sein Blick für die richtigen Räume in der Angriffsinitiation, sein Gefühl für den richtigen Moment für Ballverlagerungen und nicht zuletzt seine Fähigkeit Spielsituationen selbst unter höchstem Druck konstruktiv zu lösen, haben ihn zu einem der besten zentralen Mittelfeldspieler in Europa gemacht.

Größer ist der Anpassungsbedarf im Defensivspiel. Hier steigen die Anforderungen an Schweinsteiger in veränderter Rolle. Wenn sich der Gegner aus der ersten Gegenpressing-Welle befreit, ist nun er es, der als nachrückender Spieler Pässe abfangen und den Druck auf den Gegner aufrecht erhalten soll. Das klappte gegen Mönchengladbach sicher nicht optimal. Schweinsteiger rückte nach Ballverlust häufig sehr weit auf, um den Verbund zur Offensivreihe herzustellen. Dies sorgte dafür, dass sich bei einigen Kontern in seinem Rücken Lücken bildeten. Ihm fehlte in vielen Situationen das Timing, um den Ballführenden im Umschaltspiel entscheidend zu stören. Auch die Statistik unterstreicht diesen Eindruck. Schweinsteiger führte nur 6 Zweikämpfe und verlor die Hälfte. Darüber hinaus gelang es ihm nicht ein Mal den Ball abzufangen oder zu gewinnen. All das zeigt den Anpassungsbedarf, der noch vor Schweinsteiger und den Bayern liegt.

Ohnehin bleibt aber Schweinsteigers Fitness das wichtigste Kriterium für eine erfolgreiche Saison des 29-Jährigen. Schweinsteiger ist ein Spielertyp, dem fehlende Spritzigkeit sofort anzumerken ist. Der Mittelfeld-Akteur besitzt nicht die natürliche Physis eines Franck Ribérys, sondern muss austrainiert sein, um auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit zu agieren. Dass Schweinsteiger trotz der zu erwartenden Häme das 12. Nationalmannschafts-Testspiel in Folge auslässt, ist mit Blick auf eine lange Saison und eine Weltmeisterschaft im Sommer 2014 logisch und richtig.

Schweinsteiger wird die kommenden Wochen nutzen, um sich besser in veränderter Rolle zurecht zu finden. Die Überzeugung, dass Guardiolas System Bayern weiter bringen kann, scheint seinen Aussagen vom Anfang zur Folge jedenfalls vorhanden.

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