BSV Schwarz-Weiß Rehden – FC Bayern 0:5 (0:2)

BSV Schwarz-Weiß Rehden – FC Bayern 0:5 (0:2)
BSV Schwarz-Weiß Rehden Mandic – Pekrul, Heyken, Wessel, Hegerfeld – Arend, Stütz – Chaib (65. Winkelmann), Artmann (89. Krogemann), Hirooka – Neumann (72. Kifuta)
FC Bayern Neuer – Rafinha, Van Buyten, Dante (68. Boateng), Alaba – Schweinsteiger (61. Kirchhoff) – Müller, Kroos (81. Martínez), Shaqiri, Robben – Mandzukic
Ersatz: Starke, Lahm, Thiago, Ribéry
Schiedsrichter: Bandurski (Oberhausen)
Zuschauer 16.600 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Shaqiri (18.), 0:2 Müller (45.), 0:3 Müller (59./Foulelfmeter), 0:4 Müller (64.), 0:5 Robben (88.)
Gelbe Karten: Chaib, Arend / Shaqiri, Mandzukic

Spiele, die zählen… endlich! Der FC Bayern zieht mit einem hochverdienten, aber glanzlosen 5:0 gegen den Regionaligisten BSV Rehden in die zweite Runde des DFB-Pokals ein. Es war durchaus das erwartet zähe Spiel. Wer den FC Bayern nach den euphorisierenden, aber überbewerteten Auftritten im Telekom-Cup Fußball spielen sah, der sah gleichzeitig, dass die ganz große Leichtigkeit, die große Teile der vergangenen Saison bestimmte, ein wenig verloren gegangen ist. Bayern arbeitet sehr angestrengt, um die Vorgaben von Pep Guardiola umzusetzen. Dass dies trotzdem erfolgreich sein kann, muss die Mannschaft in den kommenden Wochen beweisen, wenn es gegen stärkere Gegner geht, als die aufopferungsvoll kämpfenden Rehdener. Vor allem müssen dann die Probleme im defensiven Umschaltspiel, die auch gegen Rehden punktuell deutlich wurden, abgestellt werden.

3 Dinge, die auffielen:

1. Müllers Bewerbungsschreiben für die offensive Halbposition

Wenn ich in den letzten Wochen über die optimale Aufstellung des FC Bayern im neuen System von Pep Guardiola nachgedacht habe, bin ich immer wieder zu einem Schluss gekommen. So lange Mario Götze verletzt ist, wäre Thomas Müller eigentlich die logische Lösung für den zentralen Stürmerposten. Er wäre gewissermaßen der Kompromiss zwischen falscher und echter 9, weil er viele Fähigkeit beider Interpretationen auf sich vereint. Er ist in der Lage auf engstem Raum zu kombinieren. Er kann jederzeit auf die Flügel auszuweichen und zudem durch seinen Torriecher als Zielspieler und Strafraumstürmer im Zentrum agieren. Guardiola setzte im Audi Cup gegen Manchester City genau auf diese Variante. Müller blieb vollkommen blass. Gegen Rehden spielte Müller wieder auf der offensiven Halbposition hinter Mandzukic und zeigte alles was sein Spiel in den vergangen 4 Jahren einzigartig in Europa gemacht hat. Es war ein Bewerbungsschreiben für diese Halbposition, die Müller da abgab.

3 Tore. Ein Elfmeter, den er selbst heraus holte, zwei Treffer aus dem Spiel heraus und die Vorlage zum 5:0. Müller war omnipräsent im und um den Strafraum und er zeigte durch seine beiden Kopfball-Tore erneut eine seine unterschätzten Stärken. Schon im Vorjahr erzielte der 23-Jährige immerhin 4 Pflichtspiel-Treffer mit dem Kopf. Hinzu kamen einige Tore, die Müller mit einem Kopfball vorbereitete. Seine Kopfball-Technik ist nicht unbedingt ausgereift, aber sein Timing und seine Sprungkraft sind exzellent. Wie eigentlich bei allen Spielern, die längere Zeit bei Hermann Gerland bei den Amateuren verbracht haben. Gerland legt großen Wert auf ein gutes Kopfballspiel und schwört dabei auch auf das aus der Mode gekommene Kopfballpendel, dass eben jenes Timing fördert.

Ich glaube noch immer, dass Müller unter Guardiola auf dem Papier die Optimalbesetzung im Sturmzentrum ist. Allein der praktische Nachweis für diese These fehlt. Leistungen wie gegen Rehden auf der offensiven Halbposition, auf der Müller weniger mit dem Rücken zum Tor agieren muss als weiter vorn, sprechen eher dafür, dass ich falsch liege und Müller Stärken doch eher hinter und neben einem Mittelstürmer zur Geltung kommen. Wie wertvoll Müller für diese Mannschaft sein kann, unterstrich er gegen Rehden jedenfalls eindrucksvoll.

2. Stammelf a.D.

Wer Zweifel an der Ansage von Guardiola und Sammer hatte, dass die Zeiten einer Stammelf vorbei sind in München, dürfte durch die Startaufstellung der Münchener fürs Erste widerlegt sein. Guardiola ließ Lahm, Ribéry, Martínez, Thiago und Boateng unten und brachte dafür Rafinha, Shaqiri, van Buyten, Mandzukic und Dante von Anfang an. Gerade für Rafinha, der eine exzellente Vorbereitung spielte, war das ein Stück weit der Lohn für die Arbeit der letzten Wochen. Überbewerten würde ich die Personalentscheidungen gegen Rehden jedoch nicht. Der Wille zur Rotation bei Guardiola ist bei diesem Kader absolut folgerichtig. Das Pensum in der Saison 2013/2014 ist hoch, der Kader qualitativ breit und variabel. Guardiola sollte sich auch von möglichen Störfaktoren nicht beirren lassen und beherzt durchtauschen. Wenn er es dabei auch schafft diese Maßnahmen adäquat zu moderieren, dürfte auch das Thema „Unzufriedenheit einzelner Spieler über Einsatzzeiten“ kein echtes Thema werden im Verlauf der Saison.

3. Kirchhoff auf der 6

Ein kleiner Randaspekt des Spiels war die Einwechslung von Jan Kirchhoff, der ab der 61. Minute wie schon zuletzt gegen Manchester City für Bastian Schweinsteiger auf der alleinigen 6 zum Einsatz kam. Kirchhoff, der in seinen gesamten Bewegungsabläufen irgendwie immer an Per Mertesacker erinnert, obwohl er in Wahrhheit viel schneller und beweglicher ist als der Londoner, wird um Einsatzzeiten kämpfen müssen – so viel scheint klar. In der Innenverteidigung hat er aktuell vier Spieler vor sich. Schon in Mainz agierte Kirchhoff häufig auf der 6 – dort jedoch meist eingebettet in eine Dreierkette mit den spielstarken Ekin Soto und Julian Baumgartlinger. Neu ist diese Rolle für ihn also nicht. Sollte Luiz Gustavo wirklich gehen, kann Kirchhoff durchaus seine Joker-Rolle aus dem Vorjahr übernehmen wenn es darum geht Vorsprünge durch mehr Stabilität im Mittelfeldzentrum über die Zeit zu bringen. Die Ansätze, die Kirchhoff in 30 Minuten gegen Rehden zeigte, waren mehr als ordentlich. Kirchhoff lief einige Konter ab, verteilte die Bälle gut und überzeugte bei vielen langen Bällen der Rehdener auch mit seinem Kopfballspiel. Dass er vor Martínez in die Partie kam, hat sicher auch Fitness-Gründe, aber der 22-Jährige bewies fürs Erste, dass sich Guardiola auf ihn verlassen kann, wenn er ihn als Rotationsspieler braucht. Seine Entwicklung gehört für mich zu den spannendsten Themen der Saison 2013/2014.

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5 Antworten zu BSV Schwarz-Weiß Rehden – FC Bayern 0:5 (0:2)

  1. Ryukyu schreibt:

    Guten Morgen!

    Schön, dass der Spielbericht schon online ist. 🙂

    Gott sei Dank geht die Saison jetzt richtig los. Wenn man sich anschaut, was andere Teams so in der ersten Runde abgeliefert haben, vor allem Werder und Schalke, dann sollte man das Spiel gestern schnell abhaken. Man hat wie du es schon sagtest glanzlos, aber völlig souverän und auch ungefährdet gewonnen.

    Aus dem Spiel kann gestern kann man dennoch einige Rückschlüsse ziehen. Es wird immer klarer, wie Bayern unter Guardiola zu spielen gedenkt. Und was ich da so sehe kann jedenfalls in der Aufstellung von gestern in meinen Augen nicht die Zukunft des Bayern Spiels sein.

    1. Die Wackler in der Defensive werden uns wohl noch eine ganze Weile begleiten. Dass so etwas allerdings gegen einen Viertligisten (!!!) vorkommt, bereitet mir dann doch schon Sorgen. Rehden war defensiv zu sehr gebunden, um überhaupt ein richtiges Aufbauspiel zu praktizieren und wenn es dann doch mal nach vorne ging, fehlte ihnen (wie auch von einem Rehdener selbst im Interview gesagt) die Kraft. Trotzdem gab es 2-3 Situationen, in denen man sich gefragt hat, wie die wohl von einem Bundesligisten zu Ende gespielt worden wären. Von einer internationalen Top-Mannschaft möchte ich gar nicht reden. Aber okay, für die Umstellung und die Abstimmung braucht es noch Zeit, die will ich gewähren. Zumal Schweinsteiger gestern weit unter seinen Möglichkeiten blieb. Er ist einfach noch nicht fit. Und ich denke auch, dass er gegen Gladbach auf der Bank bleibt (auch zurecht).

    2. Was mich am meisten aufregt und wovon ich zu 100% überzeugt bin, dass es NIE funktionieren wird (jedenfalls in der Aufstellung im Mittelfeld) ist das permanente Rotieren auf den Außenpositionen bzw. im Mittelfeld allgemein. Arjen Robben auf links lässt mir echt das Blut in den Adern gefrieren. Es hat in der Nationalmannschaft noch nicht geklappt und auch nicht bei Bayern zuvor. Es wird NIE funktionieren, er ist dort völlig verschwendet, da er nicht die Grundlinie runter marschiert. Er zieht selbst von dort immer nach innen und kann mit seinem rechten Fuß dann nichts tun. Wenn er dort mal für 2-3 Minuten steht, was meinetwegen einer Spielsituation geschuldet ist – okay. Aber die ersten 10 Minuten war er auf rechts und zwar von Beginn an. Was soll das??? Es ist natürlich arrogant, Guardiola den Sachverstand abzusprechen, aber mich erinnert das an ein kleines Kind, dass erst selber auf die Herdplatte fassen muss, um zu merken, dass das keine gute Idee ist. Noch skurriler werden diese Wechsel, wenn Robben und Ribery zusammen spielen, da für Ribery das gleiche gilt wie für Robben. Er ist einfach deutlich wirkungsloser auf der rechten Seite als links, was er auch schon für Frankreich demonstriert hat (war das in Südafrika?). Auch wenn er wenigstens im Zusammenspiel mit Robben dort schon einige gute Szenen hatte.

    Das gleiche gilt auch für Müller. Ich halte Müller für den vielleicht spielintelligentesten aller Bayern-Spieler. Er weiß eigentlich immer was zu tun ist und macht unglaublich wenige Fehler. Aber auf rechts wirkt er beinahe etwas hilflos. Nicht so sehr wie Robben auf der falschen Seite, aber auch er wirkt wie dort wie um seine Fähigkeiten kastriert. Und DAS soll die Zukunft des Bayern-Spiels sein? Es mag sein, dass auch das mit der Zeit besser funktionieren wird (schlechter kann es ehrlich gesagt auch kaum werden), aber ich sehe die Möglichkeiten so viel zu stark begrenzt, weil es einfach zu wenig den Fähigkeiten der Spieler entspricht.

    Den Gegner mag das verwirren. Im Moment habe ich jedenfalls den Eindruck, dass es die Bayern noch mehr verwirrt als den Gegner.

    3. Müller sehe ich übrigens nicht auf der 9 wie du. Vielleicht muss er sich dort erst noch gewöhnen und einspielen, das mag sein. Aber er steht kurioserweise nicht so gut im Raum wie „echte“ Stürmer. Ein Gomez steht einfach immer da, wo der Ball in den Rückraum kommt. Ein Mandzukic nicht so gut wie Gomez, aber auch er hat mehr Durchschlagskraft. Ich führe das darauf zurück, dass Müller einfach viel stärker am Spiel teilhaben will und ihm so manchmal die Zeit zur Orientierung oder das Augenmerk dafür fehlt, wo die gefährlichen Bälle hinkommen. Von seiner Spielintelligenz sollte er das eigentlich hinbekommen. Trotzdem hat auch Mandzukic für mich gestern seinen Anspruch auf einen Stammplatz untermauert. Er ragte noch am ehesten heraus, auch durch seinen Einsatz.

    Ansonsten gibt es für mich zu gestern nicht viel zu sagen, dafür war der Gegner zu schwach. Dante scheint an seine Unkonzentriertheiten vom Ende der Saison ein wenig anzuknüpfen. Aber er hat noch Trainingsrückstand, wie auch Schweinsteiger. Rafinha fand ich übrigens schwach. Es war wie immer, wenn Lahm fehlt. Keiner hinterläuft Robben richtig. Dadurch fehlte es der rechten Seite an wahnsinnig viel Gefahr und so blieb auch Robben letztlich eher blass und war im Zentrum gefährlicher als auf den Außen. Aber das ist auch keine neue Erkenntnis, das war schon unter Heynckes so und unterstreicht weniger die Defizite Rafinhas als vielmehr die herausragenden Fähigkeiten von Lahm.

    • Ryukyu schreibt:

      Ehm. Ich merke gerade, dass ich zwei Mal eine kleine rechts-links-Schwäche aufweise. 🙂 Natürlich meine ich, dass Robben die ersten 10 Minuten auf links war und dass Müller auf links beinahe etwas hilflos wirkt. 😛

  2. klaus schreibt:

    Erst mal ein Lob von mir an deine Seite. Macht mir jedesmal Freude sie zu lesen.

    Ich hab zwar nur die zweite Hälfte gesehen aber da ist mir taktisch etwas aufgefallen (ok ich bin absoluter Laie), wo ich dachte du erwähnst es auch. Quasi als Bestätigung meiner Meinung.
    Ich hatte nämlich den Eindruck dass beide Außenverteidiger bei Ballbesitz sehr eingerückt standen vor der Dreierkette hinten. Quasi als doppelsechs. Sobald der Ball verloren wurde sind sie dann sehr aggressiv in das Gegenpressing gegangen und haben so Konter durch die Mitte verhindert. War das nur in der zweiten Hälfte so? oder ist überhaupt noch jemand aufgefallen?

    • derbayernblog schreibt:

      Hallo Klaus, vielen Dank für deinen Hinweis. Mir ist das in der Tat stellenweise aufgefallen, aber mir ist auch aufgefallen, dass die Außenverteidiger das nicht durchgehend praktiziert haben. Ich bin noch etwas unschlüssig ob dieses Verhalten beim Aufbauspiel dauerhaft umgesetzt wird und was Guardiola damit bewirken will. Ich gehe aber in meinen nächsten Beiträgen darauf ein, wenn sich diese taktische Anpassung fortsetzt!

      • klaus schreibt:

        cool der von spielverlagerung hat das auch erwähnt.
        Beschreibt da auch ganz gut die Grunde dafür.

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