Die Schweinsteiger-Diskussion – ein Déjà vu

„Jammern könnten aber sehr wohl die neuen Mitspieler des Spaniers – weil der Konkurrenzdruck im engeren Kader, also bei den potenziellen Stammspielern, durch diesen Transfer brutal erhöht wird (…) Für alle anderen hat das große Zittern begonnen. Auch für Bastian Schweinsteiger (…) Fliegt Schweinsteiger gar dauerhaft aus der ersten Elf? Ganz ausschließen kann man selbst das nicht.“

Das Zitat könnte in diesen Tagen enstanden sein, da Bayerns Co-Kapitän Bastian Schweinsteiger nach der Verpflichtung von Thiago Alcantara von einigen Journalisten mal wieder in Frage gestellt wird. „Schweinsteiger rutscht ins Abseits“, titelt die Süddeutsche. „Schweinsteiger rätselt, wo für ihn noch Platz ist“, schreibt die WELT. In Wahrheit stammt das obige Zitat aber nicht aus dem August des Jahres 2013, sondern aus dem August des Jahres 2012. Der neue Spanier hieß damals nicht Thaigo, sondern Martínez. Die Diskussion um Schweinsteiger war die Gleiche. Es wirkt wie ein großes Déjà vu.

Fraglos befand sich Schweinsteiger nach der Saison 2011/2012 mit dem verlorenen Champions League-Finale, mit einer persönlich enttäuschenden EM in einer schwierigen Situation. Dass sich der damals 27-Jährige aufgeopfert hatte, monatelang mit Schmerzen durchspielte, wurde kaum thematisiert. Vielmehr stellten sich im Sommer 2012 viele die Frage wie stabil Schweinsteigers Psyche nach dem Albtraum der Finalniederlage und der verkorksten EM noch war. „Was ist bloß los mit Bastian Schweinsteiger?“, fragte die Augsburger Allgemeine Zeitung. „Schweinsteiger verliert den Spaß am Fußball“, orakelte der FOCUS. BILD nannte Schweinsteiger vor dem Saisonauftakt im Pokal gegen Regensburg nur noch „Bayerns Sorgenfall“. Momentan wirkt die Debatte ein wenig so, als hätte die Saison 2012/2013 mit einem historischen Triple und einem glänzenden Anführer Bastian Schweinsteiger einfach nicht stattgefunden. Dass Schweinsteigers Wahl zum Fußballer des Jahres in dieser Woche von einer Diskussion über eine Abstimmungs-Panne überlagert und durch den Begriff „Zufalls-Sieger“ konnotiert wird, passt da ins Bild.

Aus meiner Sicht gibt es genau einen Faktor, der darüber entscheiden wird, ob Bastian Schweinsteiger in der Saison 2013/2014 in den wichtigen Spielen des FC Bayern als Anführer auf dem Platz stehen wird oder nicht. Seine Fitness. Schweinsteiger, der nicht die natürliche Physis eines Franck Ribéry’s oder Xerdan Shaqiri’s besitzt, war immer dann Weltklasse wenn er richtig  fit war. Im Sommer 2010 oder im Spätherbst 2012. Wenn Schweinsteiger die Spritzigkeit fehlt, dann wirkt er durchaus manchmal ein wenig schwerfällig, wie es ihm Kritiker immer wieder vorwerfen. Gerade wenn Guardiola sein neues 4-1-2-3-System dauerhaft umsetzen sollte, ist die alleinige 6 wie gemacht für den 29-Jährigen. Er kann die Mannschaft wie ein Quarterback von hinten antreiben und dirigieren. Er kann das Spiel schnell machen, verschleppen, verlagern und zudem in der Rückwärtsbewegung durch sein immer besser gewordenes Stellungsspiel große Räume abdecken. Auch für eine der Halbposition hat er aus meiner Sicht alle Anlagen, aber die natürliche Position wäre für ihn auch im 4-1-2-3 die 6.

Wie absurd die momentane Diskussion ist, zeigt auch, dass anscheinend völlig ausgeblendet wird, dass Schweinsteiger erst seit knapp zehn Tagen voll ins Mannschaftstraining eingestiegen ist. Auch deshalb hat Thiago im Großteil der Vorbereitungsspiele den Vorzug bekommen.

Die Verpflichtung von Thiago, dessen Stärken aus meiner Sicht ohnehin eher auf der 8 zur Geltung kommen, kann übrigens sogar dabei helfen Schweinsteiger auch in dieser Saison dringend notwendige Regenerationspausen zu ermöglichen. Schon Heynckes hat darauf in der Endphase der Saison großen Wert gelegt und ihn zwischen dem 28. und 33. Spieltag überhaupt nicht eingesetzt. Durch Thiago und mit Abstrichen Toni Kroos, gibt es zum ersten Mal zwei Spieler, die Schweinsteigers herausragende Fähigkeiten in der Mittelfeldzentrale zumindest in einigen Spielen ersetzen können. Das ist für Schweinsteiger sogar eher von Vorteil.

Wenn Bastian Schweinsteiger in wenigen Wochen seine körperliche Top-Verfassung erreicht und trotzdem in wichtigen Spielen auf der Bank sitzen sollte, bin ich bereit eine Diskussion über die zukünftige Rolle von Bastian Schweinsteiger beim FC Bayern zu führen. Zum jetzigen Zeitpunkt ist mir ein Abgesang auf den Champions League Sieger und siebenfachen deutschen Meister zu früh. Viel zu früh. Schließlich hatten wir all das schonmal… In diesen Tagen… Vor knapp einem Jahr.

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8 Antworten zu Die Schweinsteiger-Diskussion – ein Déjà vu

  1. Ryukyu schreibt:

    Die Zeitungen müssen ihre Seiten halt füllen. Und da zur Zeit nichts spannendes passiert, wird eben darüber geschrieben. Und gemutmaßt werden kann natürlich, aber nichts weiter sind diese Spekulationen auch. Sobald wieder Fußball gespielt wird, wird über andere Dinge gesprochen. Nicht zuletzt deswegen wurde auch über dieses Thema vor genau einem Jahr geschrieben. Irgendwie musste man auch da die Seiten füllen. Und so wurden eben Weltuntergangsszenarien über die Bayern entworfen und über die vermeintlich fehlende Siegermentalität von Lahm und Schweinsteiger und überhaupt allen Bayern.

    Recht hast du auf jeden Fall damit, dass Schweinsteiger seine Fitness benötigt. Und es ist gut, dass es für ihn Backups gibt. Mit Thiago und in meinen Augen noch viel mehr mit Martinez als mit Kroos.

  2. Basedow schreibt:

    Das hatte heute mal was von startelf… Schweinsteiger scheint also dauerhaft auf der 6 spielen zu dürfen
    Götze muss man noch abwarten, ich bin gespannt, ob er wie shaqiri auf der halbposition, oder in der offensive mit robbery eingesetzt wird

    Die 1. Hälfte war ja ein großartiges spektakel an powerplay, der gegner wurde so stark und hoch gepresst, dass er kaum in die gegnerische hälfte kam

    An ecken sollte man arbeiten, mit martinez und dante ist ja potential vorhanden, und man wird mit diesem pressing noch einige ecken erspielen

    Ebenso wirken die spieler nicht so enorm effizient wie letzte saison (in der chancenverwertung, man denke an ribery in den ersten minuten)
    Woran das liegt weiß ich nicht, hoffentlich an der vorbereitung in den beinen und mangel der konzentration anfang august

    Gleiches gilt für die iv, ich hoffe mit mehr eingespieltheit wird sie ähnlich sicher wie letzte saison…
    Wenn dies passiert dürfte eine nur wenig schlechtere bis ähnliche gegentorbilanz wie letzte saison möglich sein, bei so viel ballbesitz in der gegn. Hälfte
    Das verlorene laufduell von martinez gibt mir aber etwas zu denken, was meint ihr?

    Oder ist es dem spiel gestern geschuldet, wie auch hoffentlich der abfall in der 2. Hälfte?
    City hatte ja 9 neue frische spieler suf dem feld

    • Anni schreibt:

      Es war das erste richtige Spiel von Martinez in der Innenverteidigung, vielleicht muss man ihm da erstmal die Gelegenheit geben sich einzuspielen. Aber eigentlich teile ich die Befürchtung, dass er etwas zu langsam sein könnte. Evtl. eine Chane für Boateng sich in die Mannschaft zu spielen.

      • Basedow schreibt:

        Dass problem ist, dass diese spielweise den innenverteidigern alles abverlangt, ideal es gibt nur eine hand voll spieler die die voraussetzungen haben

        Technisch stark und mit viel ruhe und übersicht wie hummels muss man sein, aber wegen der hohen kette auch schnell wie boateng

        Ersterer wäre eben sogar nicht schnell genug, für die tiefere bvb kette hingegen ist er ideal

        Apropos… bilbao… due spielten doch auch eher eine hihe kette und nartinez hat überzeugt, oder täusche ich mich?

        Ich denke sogar, martinez könnte bei einsat von boateng auf der 8 und thiago auf der 10 spielen, falls guardiola wirklich den lenker des spiels auf der defensiven 6 wie einen quarterback will.. Martinez hat eine so starke technik und pressingresistenz, dass er als 8 agieren könnte und so auch noch stärkeres pressing im mittelfeld bewirken würde, von der präsenz eines physisch starken großen spielers rund um und im strafraum des gegners ganz zu schweigen, va bei so vielen ecken, wie gesagt

        Doch letztendlich wäre dies wohl nur ein kompromiss zwischem guardiola und dem heynckes system

        Und wenn ich alle vor-und nachteile bedenke hat die iv dante-martinez in diesem system eine große zukunft, auch weil es kein experiment ist.
        bielsa hat es vorgemacht, einer, den guardiola sicher aus dem ff kennt

        Ps: manuel neuer fußballgott

      • Ryukyu schreibt:

        Dass Martinez zu langsam ist, glaube ich nicht unbedingt. Man darf nicht vergessen, dass er wie bereits erwähnt erst kurz im Training ist. Und dass er am Tag davor 65 Minuten gespielt hat. Und man darf auch nicht vergessen, dass man gestern wieder genau das gesehen hat, was Bayern letzte Saison mit der Doppel 6 vermieden hat. Innenverteidiger in 1vs1 Duellen. Darauf kann man sich nächste Saison vermutlich wieder öfter einstellen und dann steht auf einmal wieder direkt der IV in der Kritik.

        Das Spiel gestern fällt mir schwer zu bewerten, denn zu viele Leute haben davor am Tag schon gegen Sao Paulo zu lange gespielt und es fehlte so ein wenig an Frische. Insbesondere Schweinsteiger wirkte sehr erschöpft. Dennoch kam die Aufstellung gestern am ehesten meinen Vorstellungen von einer Startelf nahe.

        Was in meinen Augen aber sehr auffällig war – vorne fehlte in HZ1 ein echter Stürmer. Es wurde auch auffallend viel über die Außen gespielt. Wo Riberys harte Bälle aus dem Rücken der Abwehr durch den 16er ins Leere liefen, standen letzte Saison Mandzukic oder Gomez. Gerade Gomez wurde ja oft für seine einfachen Tore belächelt und es wurde immer gesagt, die würde jeder machen, aber es macht sie eben nicht jeder, weil vermutlich niemand so gut in den Räumen vorne steht wie Gomez. Mit dem Wechsel von Mandzukic war Bayern vorne auch wieder direkt schlagkräftiger. Auch Müller, der zuvor eher unglücklich wirkte, erzielt ein Tor selbst und bereitet das andere vor. Müller gehört einfach auf die rechte Seite und nicht auf die 9 und auch nicht auf die 10, wo er letzte Saison Kroos ersetzte. Das war für mich gestern die klare Konsequenz des Spiels.

        Meine kritische Sichtweise auf das neue System hat sich gestern auch wieder bestärkt. Und zwar unabhängig davon, dass viele Dinge einfach noch nicht klappen, weil die Abstimmung fehlt, sondern gerade in den ersten 30 Minuten, wo man City fast erdrückt hat. Was auf den ersten Blick schön anmutet, kann zugleich zum Fluch werden. Mit dieser Dominanz ZWINGT man den Gegner förmlich dazu, mit 8+ Spielern hinter dem Ball zu stehen. Der Gegner rückt auch immer weniger hinten raus, was letztlich dazu führt, dass es vor dem Tor zu eng wird. Letztlich wird ähnlich wie beim Handball irgendwann um den 16ern herum gespielt, ohne dass es zu nennenswerten Torchancen kommt. Genau darum braucht Guardiola ja wendige Spieler vorne, die auf engstem Raum noch etwas bewegen können, aber selbst ein Götze ist kein Messi. Bei Barca mag das funktionieren, wenn ein Messi wie seit 2-3 Jahren in Gala-Form ist. Wird der aber abgemeldet, ist es vorbei mit der Herrlichkeit. Ein weiterer Nachteil ist, dass man so hoch steht. Die Viererkette stand teilweise 10 Meter hinter der Mittellinie. Gerade gegen Topteams mit zwei sehr schnellen Offensivspielern sind da Gegentore vorprogrammiert.

        Etwas positives zum Schluss: Einige Akteure sind schon in erstaunlicher Frühform. Sensationell war gestern wirklich Manuel Neuer. Dazu David Alaba, der wirklich immer stärker wird. Und Arjen Robben. Ihn treibt der massive Konkurrenzdruck offensichtlich Woche für Woche zu Höchstleistungen. Das Laufpensum und sein Tempo generell waren atemberaubend und sein Zusammenspiel mit Ribery ist einfach eine Augenweide. Man könnte fast meinen, sie seien mittlerweile Freunde geworden. Jedenfalls scheinen sie sich persönlich besser zu verstehen und das wirkt sich auf dem Platz aus.

      • Anni schreibt:

        Basedow schreibt: „Dass problem ist, dass diese spielweise den innenverteidigern alles abverlangt, ideal es gibt nur eine hand voll spieler die die voraussetzungen haben

        Technisch stark und mit viel ruhe und übersicht wie hummels muss man sein, aber wegen der hohen kette auch schnell wie boateng“

        Die Lösung: Holger Badstuber! Nur leider wohl nicht mehr in dieser Saison und in der Nächsten auch nur dann, wenn er zu seiner alten Leistungsstärke zurückfindet.

    • Spanische Fliege schreibt:

      @Basedow
      Du hattest es ja vorher bereits vermutet dass Martinez für die IV möglicherweise etwa zu langsam ist. Er ist gerade erst ein paar Tage im Training und kann natürlich nicht auf 100 % sein. Auch die letzte Saison hat gezeigt dass er seine Rolle von Tag zu Tag besser meistert. Seine Sprintqualität gilt es zu verbessern.

      Zu den beiden sehr verschiedenen Halbzeiten gegen Man City gibt es eine einfache Erklärung: Yaya Toure DIE Schaltzentrale des Teams kam erst zum 2. Abschnitt.
      Yaya Toure ist der wohl zur Zeit beste 6er der PL.

      @Annie
      Gebe Dir recht, dass Boateng sich durchaus ins Team spielen kann. Dazu muss er sich jedoch spielerisch weiter steigern. Die Harakiri-Tacklings sollte er möglichst vermeiden und den Gegenspieler eher nach Außen abdrängen.

  3. Spanische Fliege schreibt:

    Bayernblog schreibt:
    „Aus meiner Sicht gibt es genau einen Faktor, der darüber entscheiden wird, ob Bastian Schweinsteiger in der Saison 2013/2014 in den wichtigen Spielen des FC Bayern als Anführer auf dem Platz stehen wird oder nicht. Seine Fitness“.

    Volle Zustimmung. BS 31 ist seit Jahren DER Führungsspieler bei den Bayern. Habe allerdings Sorge dass er bei Überbeanspruchung auf der alleinigen 6 sehr verletzungsanfällig wird. Hoffe er wird durch intelligente Rotation soweit geschont dass er Top Performance in den wichtigen Matches abrufen kann.

    Für mich ein Vorbildprofi der das Gesicht des FCB der letzten Jahre entscheidend geprägt hat. Allerdings war auch zu sehen dass er gegen Juve im VF Rückspiel und auch im CL Finale gegen den BVB über 20 Min. Anpassungszeit benötigte. BS31 hat in der letzten Saison den Takt angegeben. Seine Verletzung in der Saison 2011 / 2012 hat dem FCB die Meisterschaft und einen möglichen CL Titel gekostet. Auch der DFB Auswahl ist möglicherweise der EM Titel durch die Nachwirkungen der Verletzung BS31 entgangen.

    Ein toppfitter BS31 ist durch Niemanden zu ersetzen. Trotzdem muss Pep an die Post BS31 / Rib / Rob Ära denken und die Nachfolger entsprechend aufbauen.

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