Regionalliga Bayern: Amateure sind in der Spur

Während bei den Großen knapp zwei Wochen vor Bundesliga-Start und der 2:4-Niederlage im Supercup erste Fragezeichen aufgetaucht sind, befinden sich die kleinen Bayern in der Regionalliga Bayern etwas mehr als zwei Wochen nach Saisonstart voll in der Spur. Mit drei Auswärtssiegen und einem Torverhältnis von 15:2 im Rücken kehrt der FC Bayern München II am Dienstag Abend zurück ins modernisierte Grünwalder Stadion, das von Anhängern auch liebevoll Hermann Gerland-Kampfbahn genannt wird. Zeit für eine erste kleine Zwischenbilanz der Amateure-Saison.

Der Trainer:

Ziemlich überraschend und auch sehr knapp vor dem Saisonstart präsentierte der Triple-Sieger mit Erik ten Hag eine im deutschen Fußball weitgehende unbekannte personelle Lösung für die Trainerposition. Ten Hag schaffte mit den Go Ahead Eagles Deventer in der abgelaufenen Saison den Aufstieg in die Eredivisie. Zuvor war er unter anderem als Co-Trainer von Ex-Schalke-Coach Fred Rutten beim PSV Eindhoven und bei Twente tätig. Sammer kennt den 43-Jährigen aus seiner Zeit als DFB-Sportdirektor. Der Münchener Sportchef war auf der Suche nach Anregungen für seine Ausbildungskonzeption mehrfach in den Niederlanden, um sich mit Praktikern der dortigen hochgelobten Ausbildungslandschaft auszutauschen. So entstand der Kontakt zu ten Hag, der sich über die Jahre intensivierte.

Ten Hag und Sammer, das wurde in den ersten Wochen bereits sehr deutlich, sprechen die gleiche Sprache. Als die Amateure zum Auftakt der Spielzeit den SV Heimstetten deutlich mit 6:0 besiegten, warnte der Niederländer vor Euphorie: „Es war gut. Aber gut ist nicht gut genug. Wir müssen viel verbessern.“ Auch seine Ausbildungsphilosophie deckt sich mit dem, was Sammer einst beim DFB erarbeitet hat: „Es geht um das Totale. Es geht darum, wie ein Spieler auf dem Platz handelt und da gehört der Körper, die Taktik, die Technik und die Mentalität dazu“, sagte ten Hag gegenüber SPOX.com. Dass Spielmacher Pierre Emile Højbjerg zuletzt leise Kritik an Vorgänger Mehmet Scholl übte und ten Hags Arbeit über die Maßen lobte, sollte zwar nicht überbewertet werden, ist aber gleichwohl bemerkenswert.

Der Saisonstart:

Viel besser hätte es für Mannen von Erik ten Hag zum Auftakt sicher nicht laufen können. In einer Liga, deren Leistungsstärke auf Grund hoher Personalfluktuationen nur sehr schwer einzuschätzen ist, marschierte die junge Münchener Truppe ohne die ganz großen Probleme durch das Auftaktprogramm. Dem 6:0 gegen Heimstetten folgte ein 4:2 bei den Würzburger Kickers und ein 5:0 bei der SV Schalding-Heining. Eine echte Standortbestimmung steht für die Bayern jedoch noch aus. Heimstetten und Aufsteiger Schalding-Heining stehen nach vier Spieltagen im unteren Tabellenviertel. Einzig der hart erkämpfte Sieg gegen Würzburg, die bis zur 67. Minute ein 2:2 halten konnten, kann als echter Fingerzeig gewertet werden. Weil Kevin Friesenbichler, Niklas Horn, Daniel Wein, Nikola Jelisic und David Vrzogic verletzt sind und viele Spieler mit der ersten Mannschaft im Trainingslager im Trentino verweilten, musste ten Hag zu Saisonbeginn improvisieren. Gegen Würzburg und Schalding-Heining näherte sich die Münchener Formation jedoch der Optimalbesetzung. Auch ten Hag scheint nach dem Eindruck der ersten Spiele auf eine 4-1-2-3-Formation zu setzen, die auch Guardiola bei den Profis präferiert. Die Ausrichtung ist insgesamt sehr offensiv und dominant.

Mit sechs Spielen in den kommenden drei Wochen, darunter schwere Spiele gegen die Reserve von Greuther Fürth oder den TSV Buchbach, steht die Feuerprobe für die kleinen Bayern nun unmittelbar bevor.

Die Leistungsträger:

Die Bayern Amateure versuchten schon im Vorjahr eine alte, erfolgreiche Tradition des Bayern-Nachwuchses aufleben zu lassen. Seit der Jahrtausendwende baute der FC Bayern II immer wieder erfahrene Akteure als Fixpunkte in den ansonsten von U23-Spielern geprägten Kader ein. Von Hansi Pflügler über Thorsten Fink und Thomas Linke bis hin zu Christian Saba gab es in erfolgreicheren Zeiten immer wieder erfahrene Spieler, die das Rückgrat der Mannschaft bildeten. Da Altin Lala im Vorjahr seine Karriere verletzungsbedingt beenden musste und Tobias Schweinsteiger nach Unterhaching floh, ging dieses Vorhaben schief. Schweinsteiger (31) ist inzwischen zurück und soll in diesem Jahr gemeinsam mit dem Abwehrchef Stefan Buck (32) der jungen Mannschaft Halt geben.

Längst kein Underdog mehr ist der 17-jährige Däne Pierre Emile Højbjerg, der bereits für die Profis debütierte und als alleiniger Sechser bei den Amateuren alle Fäden in der Hand hält. Die spielerische Reife des Mittelfeld-Akteurs, der zudem durch tolle Freistöße auffällt, ist bemerkenswert. Einzig die Zweikampfführung wirkt in einigen Situationen überhastet. Højbjerg ist der Fixpunkt in ten Hags System und wird früher oder später den Sprung zu den Profis schaffen.

Auch der 18-Jährige Julian Green, der in der Vorbereitung bei den Profis erste Ausrufezeichen setzen konnte, gefiel bisher auf der linken Außenbahn mit drei Treffern in nur zwei Spielen. Gleiches gilt für den Österreicher Allesandro Schöpf (19), der ebenfalls drei Mal traf. Der 1.71 große Offensivspieler Schöpf, der auf einer der beiden Halbpositionen im Mittelfeld eingesetzt wurde, gilt als technisch sehr versiert und besitzt einen herausragenden Zug zum Tor. In den Vordergrund spielte sich zum Auftakt auch Vladimir Rankovic (20), der lange als Außenverteidiger galt, aber von ten Hag auf dem rechten offensiven Flügel eingesetzt wird. Gemeinsam mit Benno Schmitz (18) sorgte Rankovic bisher für gehörigen Alarm auf der rechten Seite und bereitete zahlreiche Treffer durch sehenswerte Flanken vor.

Das Saisonziel:

Für die kleinen Bayern zählt in dieser Saison nur Eins: Der Aufstieg. Das hohe Niveau der dritten Liga ist für 17 – 19 Jährige der optimale Gewöhnungsprozess an höhere Aufgaben wie die Entwicklung von Bastian Schweinsteiger, Phillip Lahm, Holger Badstuber, aber auch Mats Hummels und mit Abstrichen Zvezdan Misimovic oder Paolo Guerrero gezeigt hat. Während sich die zweiten Mannschaften von Borussia Dortmund und VfB Stuttgart mit gestandenen Profis aus Münster, Duisburg, Erfurt oder Osnabrück in der dritthöchsten Spielklasse messen, tingeln die Bayern Amateure noch immer durch die Provinz der Regionalliga Bayern. Die Durchlässigkeit zwischen Jugend und Profimannschaft ist so nur sehr schwer zu gewährleisten. Auch die diskutierten Abgänge von Emre Can und Mitchell Weiser sind ein Produkt des Status quo. Auch für sie wäre eine Lösung mit Spielpraxis in der 3. Liga und Training bei den Profis in dieser Phase der Optimalfall für ihre sportliche Entwicklung.

Wie beschwerlich die Operation Aufstieg wird, zeigt allein der Spielmodus. In der neuen fünfgleisigen Regionalliga spielen die 5 Meister gemeinsam mit dem Zweiten der Regionalliga, deren Region die meisten Vereine und Mitglieder im DFB stellt, (derzeit Südwest) den Aufstieg untereinander aus. Unter diesen sechs Teams werden drei Begegnungen ausgelost, deren Sieger nach Hin- und Rückspiel in die 3. Liga aufsteigen.

Der Weg ist also noch sehr weit. Dennoch ist der der Auftakt der Bayern Amateure in die Saison 2013/2014 gelungen. Die kommenden englischen Wochen werden mit Sicherheit neue Aufschlüsse ergeben.

Der Club Nr. 12 twittert regelmäßig einen lesenswerten Live-Ticker von den Spielen der Amateure in der laufenden Saison. Wer sich regelmäßig über die Spiele der kleinen Bayern informieren möchte, kann dies hier tun

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2 Antworten zu Regionalliga Bayern: Amateure sind in der Spur

  1. Jan schreibt:

    Schöner und treffender Bericht nach den ersten Spielen. Hoffentlich geht es bei den Amateuren genauso weiter und sie erreichen die Stabilität, die ihnen in der letzten Saison gefehlt hat.

    Freue mich darauf die Klausurenphase morgen überstanden zu haben und dann ab nächster Woche endlich wieder die Amateure spielen zu sehen. Bin sehr gespannt, ob und wie sie sich seit Heimstetten verbessert haben.

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