Update: Guardiolas 4-1-4-1 ist in Wahrheit ein 4-1-2-3

Viel ist in den vergangenen Tagen geschrieben worden über das veränderte Spielsystem des FC Bayern unter Pep Guardiola, das in den ersten Tests der Münchener gegen Brescia, Großaspach Hansa Rostock und im Telekom-Cup gegen den HSV und Mönchengladbach deutlich zu erkennen war. Geschrieben wurde dabei immer wieder von einem 4-1-4-1-System mit nur einem Sechser und vier scheinbar auf einer Linie agierenden offensiven Mittelfeldspielern. Ich habe mir die Münchener Testspiele noch einmal genau angeschaut. Dabei wurde sehr deutlich: Das, was viele als 4-1-4-1 beschrieben haben, ist in Wahrheit ein 4-1-2-3.

Spielfeld 4-1-2-3 mit Dreiecken KopieIn der Abbildung links wird das sehr gut deutlich. Die vier offensiven Mittelfeldspieler agieren so gut wie nie auf einer Höhe, sondern stehen gestaffelt. Die beiden Flügelstürmer schoben in den Tests bei Ballbesitz Bayern extrem weit nach vorn und agierten praktisch mit dem zentralen Stürmer auf einer Höhe. Die beiden Halbspieler postierten sich eher versetzt im Zentrum und boten sich dem Sechser und den Außenverteidigern immer wieder als Anspielstationen an. Diese Formation hat zwei wesentliche Vorteile, die Guardiolas Spielidee in die Karten spielen. Bayern kann bei Ballbesitz mit insgesamt 5 sehr offensiv ausgerichteten Spielern, die zudem von den Außenverteidigern unterstützt werden ständig Überzahlsituationen im offensiven Zentrum schaffen. Guardiola-Kenner Matias Manna sagt dazu: Bayern war letztes Jahr ein sehr vertikales Team, sie haben viel über die Außen angegriffen. Guardiola will mehr in der Mitte des Platzes spielen.“ Deutlich wird hier auch warum Guardiola offensichtlich auf kleine, wendige Spieler setzt. Er will im offensiven Zentrum im Bereich um den Strafraum herum bewegliche, technisch versierte Spieler, die auf engstem Raum kombinieren und rochieren können. Die Raumaufteilung im 4-1-2-3 erlaubt zudem zusätzliche Möglichkeiten für Dreiecksbildungen (siehe Abbildung) in der Offensive, die der spielerische Idealfall für Guardiola sind.

Die Vorteile einer solchen Formation liegen also auf der Hand. Spannend wird sein, wie Guardiola mit den Schwächen umgeht. Mit nur einem nominellen Sechser fehlt ein Stück Stabilität im defensiven Zentrum. Gerade dieses defensive Zentrum war im Vorjahr mit Martínez und Schweinsteiger das Herzstück des FC Bayern, weil sie durch zahlreiche Ballgewinne und schnelles Umschalten das Rückgrat des Münchener Spiels bildeten. Ein alleiniger Sechser zumal wenn er wie in den bisherigen Testspielen mit Toni Kroos spielerisch besetzt ist, birgt gegen konterstarke Teams gewisse Gefahren. Der 6er muss einen sehr weiten Raum im Zentrum alleine abdecken. Schon in den Tests gegen Brescia oder Rostock, die sicherlich nicht zur Creme de la creme des internationalen Fußballs gehören, wurde dieses Problem sichtbar. Die Innenverteidiger sind, wie Jerome Boateng verriet, aufgerufen ihren Raum im Zentrum proaktiv zu verlassen und einen angreifenden Spieler frühzeitig zu attackieren. So soll der alleinige 6er im Defensivspiel unterstützt werden. Gelingt bei einem Herausrücken des Innenverteidigers der Ballgewinn nicht, entstehen in seinem Rücken plötzlich große Räume für die angreifende Mannschaft. Dass selbst Mannschaften wie Brescia und Rostock in den Vorbereitungsspielen immer wieder diese Räume fanden, muss ein Stück weit nachdenklich machen.

Klar scheint: Wenn Guardiola an dieser Ausrichtung festhält werden wir im kommenden Jahr wieder mehr 1:1-Situationen der Innenverteidiger wie zuletzt unter Louis van Gaal erleben. Heynckes hatte diese Situationen durch seine auf Stabilität aufbauende Ausrichtung beinahe eliminiert, weil alle Spieler aufgefordert waren durch hohe Laufleistung auch in der Defensive Überzahlsituationen in Ballnähe zu schaffen und so Ballgewinne quasi zu erzwingen. Die Innenverteidiger verließen so gut wie nie das Zentrum, weil zwei 6er mit Unterstützung eines Außenverteidigers und/oder eines Flügelspielers immer in der Lage waren Überzahlsituationen im defensiven Zentrum zu erzeugen. Selbst spielstarke Gegner wie der FC Barcelona wurden durch die gute Raumaufteilung und die ständige Überzahl der Münchener beinahe erstickt. Situationen in denen Dante, Boateng oder van Buyten in Tornähe in 1:1-Duelle mussten sind fast an einer Hand abzuzählen. Diese Stabilität durch Überzahl und eine gute Raumaufteilung war der Schlüssel für Bayerns herausragende Defensiv-Leistung im vergangenen Jahr.

Guardiola wird sich dieser Risiken bewusst sein. Wie es gelingen kann, bewies der FC Bayern beim Telekom-Cup am vergangenen Wochenende gegen Hamburg und Mönchengladbach. Bayern gelang es das Risiko mit nur einem Sechser zu minimieren indem man die Passwege durch das Zentrum schon sehr weit vorn konsequent zustellte und viele frühe Ballgewinne provozierte. Der alleinige Sechser, im konkreten Fall Thiago war defensiv kaum gefordert, da das Pressing ein schnelles Umschaltspiel schon im Ansatz verhinderte. Ob der HSV und Mönchengladbach in dieser frühen Saisonphase ernsthafte Maßstäbe sein können, bleibt abzuwarten.

Noch ist die neue 4-1-2-3-Formation in der Testphase. Sie ist Anbetracht des Personals und Guardiolas Philosophie ein konsequenter Ansatz. Trotzdem wird es Anpassungen geben müssen. Mit der Rückkehr von Luiz Gustavo und Javi Martínez gäbe es nun zum Beispiel auch Möglichkeiten den alleinigen Sechser mit einem sehr zweikampfstarken Akteur zu besetzen, um die beschriebenen Risiken abzufedern. All das wird in den kommenden Wochen bis zum Saisonstart zu beobachten sein.

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5 Antworten zu Update: Guardiolas 4-1-4-1 ist in Wahrheit ein 4-1-2-3

  1. Mirten schreibt:

    Gustavo?
    Der wird doch aussortiert. Ich denke, dass Thiago den Platz einnimmt und dann heißt es „Auf Wiedersehen Luiz“!

    Have a good one!

  2. Pingback: Gustavo, Weiser, Can – die drei Fragezeichen | Der Bayern Blog

  3. Spanische Fliege schreibt:

    Sehr interessanter Kommentar von Bayernblog. Kompliment.

    Wie ein 4-1-4-1 oder auch 4-1-2-3 zu knacken ist hat Mou gerade auch beim 3:1 im Camp Nou mit Real in 2013 gezeigt. Die blitzschnelle Kontertaktik wobei meist Alonso der Ausgangspunkt war, Özil als Anspielstation im Mittelfeld diente und dann über Di Maria und Ronaldo 1:1 Situationen speziell gegen Puyol geschaffen wurden. Speziell Di Maria hat dabei ein schier unglaubliches Laufpensum absolviert- vergleichbar mit Müller in der Allianz Arena gegen Barca.

    Wir wollen nicht vergessen dass Real insgesamt eine schwache Saison ( vor allem auch durch interne Streitigkeiten ) gespielt hat.

    Barca benötigt dringend einen Weltklasse IV. Zudem wird speziell Xavi nicht mehr durchgehend Topleistungen bringen können. Sein potentiellen Nachfolger Thiago ist zu den Bayern gewechselt. Fabregas steht vor dem Absprung und Valdes wollte unbedingt den Verein verlassen. Deulofeu ist gerade verliehen worden.
    Wie Messi und Neymar miteinander klarkommen bleibt abzuwarten. Ob „Tata“ Martino einen „jump start“ hinlegen wird ist ebenfalls fraglich.
    Barca wird sich im Verlaufe der Saison steigern, aber ob es reichen wird um die Cl zu gewinnen ist zu diesem Zeitpunkt mehr als fraglich.

    Ansonsten sind Chelsea und mit Abstrichen PSG zu berücksichtigen.

    Mein Tipp; Real Madrid wird eine grandiose Saison abliefern. Selbst ohne Bale haben sie jetzt mit Isco neben Özil noch eine hevorragende Umschaltstation im zentralen Mittelfeld. Durch Illaramendi sind sie auf der 6 oder Doppel 6 flexibler und frischer. Mit Carvajal bekommen sie Konstanz auf die LV Position. Jese Rodriguez drängt in die Startelf und setzt die Etablierten unter Druck.
    Kommt Bale noch zusätzlich, dann können sie die Bayern zu 1:1 Situationen ( Bale – Alaba bzw. Ronaldo gegen Martinez oder Dante ) je nach Spieltaktik zwingen. Zudem werden die schnellen Ronaldo und Bale Standards heraus arbeiten die sie selber verwandeln könnten.

    Mit Ancelotti hat Real den absoluten Wunschtrainer verpflichten können. Er weis wie Cl Titel gewonnen werden.
    Real hat jetzt die ideale Mischung aus etablierten Starspielern und jungen hungrigen angehenden Topspielern auf Weltniveau.
    Keine Frage, Real hat sich an den Bayern aus der Saison 2012 / 2013 orientiert. Das Duo Ancelotti / Zidane wird dem Erfolgsduo Heynkes / Sammer nacheifern.

  4. CF schreibt:

    Die Formation sind eine sehr ungenau Beschreibung und eigentlich uninteressant. Auch die Positionen sind uninteressant. Ein Shaqiri spielt 30min links, 30min in der Mitte und 30 min rechts. Was für eine Position spielt er jetzt? Da kann man doch nacher nicht sagen Shaqiri war links Mittelfeldspieler.

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