Guardiola-Vorstellung: Warum es um mehr geht als „Servus und Hallo“

Momentan gibt es auf Twitter und auf Sport1 eine Aktion, bei der User und Fans unter dem Hashtag #pepserstersatz raten sollen was die ersten Worte von Pep Guardiola auf der Bayern-Pressekonferenz sein werden. Die Antworten sind mal mehr mal weniger originell. Mal ganz davon abgesehen, dass dieser gesamte Hype um den neuen Bayern-Trainer, der sich am Montag vorstellen wird ein wenig wie die Antithese zur vergangenen Saison wirkt, als der totale Erfolg der Bayern vor allem durch seine Besinnung auf fußballerische Inhalte, die von Jupp Heynckes nüchtern vorgelebt wurde, gelang, steckt in dieser Aktion eine interessante Komponente.

Aus meiner Sicht geht es für Guardiola um mehr, als um „Servus und Hallo“. Obwohl sich der Fußball internationalisiert und globalisiert hat und auch beim FC Bayern Spieler aus unterschiedlichen Nationen zusammenspielen, sind wir von einer einheitlichen Fußballsprache, beispielsweise englisch, weit entfernt. Während zum Beispiel in der Basketball-Bundesliga fast ausschließlich englisch gesprochen wird, ist in der Fußball-Bundesliga eine mögliche Sprachbarriere noch immer ein nicht zu unterschätzender Faktor. Das gilt für Spieler, dessen Integrationsprozess sicherlich durch die Sprache gefördert wird, aber auch und gerade für Trainer. Auch der FC Bayern hat hier mit Giovanni Trapattoni Ende der 90er Jahre so seine Erfahrungen gemacht. Gerade in seiner ersten Zeit in München in der Saison 1994/1995 wurden die eher gebrochenen Deutsch-Kenntnisse des italienischen Taktik-Experten immer wieder zum Thema, weil Spieler oder Co-Trainer Schwierigkeiten hatten die Anweisungen des Maestros zu verstehen und umzusetzen.

Liest man Interviews von ehemaligen Spielern oder Wegbegleitern Pep Guardiolas dann wird auch deutlich, dass er neben seinem taktischen Geschick gerade von einer motivierenden Ansprache der Mannschaft und der anschaulichen Vermittlung von komplexen taktischen Inhalten lebt. Das ist eine seiner herausragenden Fähigkeiten. Wer sich das Video oben angesehen hat, bekommt einen Eindruck davon. Es wird extrem spannend zu beobachten sein, ob es Guardiola gelingt die Form der Ansprache und vielleicht auch seine Aura, die ihn auf Pressekonferenzen und an der Seitenlinie irgendwie immer umgab, auch in einer für ihn neuen Sprache umzusetzen. Dass Guardiola laut seinem Bruder Pere momentan pro Tag vier Stunden deutsch lernt „wie ein Irrer“ spricht dafür, dass Guardiola die Wichtigkeit dieses Themas erkannt hat.

Vielleicht gibt es also schon bei der Pressekonferenz am Montag einen ersten Eindruck davon wie sich der Trainer und Fußballlehrer in deutscher Sprache präsentiert und ob er bereits erste inhaltliche Schwerpunkte setzen kann. Es geht dann sicherlich um mehr als „Servus und Hallo“.

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2 Antworten zu Guardiola-Vorstellung: Warum es um mehr geht als „Servus und Hallo“

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