5 Gründe für die historische Saison des FC Bayern – Teil 3: Neue offensive Variabilität

Der Bayern Blog blickt mit einer kleinen Serie zurück auf die Saison 2012/2013 und nennt 5 Gründe für den historischen Erfolg des FC Bayern. Nach Teil 1 zu den Neuzugängen und Teil 2 zum Pressingkonzept nun der dritte Part. Wie die neue offensive Variabilität Bayerns Offensivspiel bereicherte.

Teil 3: Neue offensive Variabilität

„Ein Spieler muss bei mir flexibel sein und darf sich nicht auf eine Position festlegen.“ Jupp Heynckes.

Das Münchener Offensivspiel war seit der Verpflichtung von Franck Ribéry im Jahr 2007 immer sehr flügellastig. Unter Hitzfeld und Klinsmann lebte Bayern über weite Strecken von einer herausragenden linken Seite mit Philipp Lahm, zé Roberto und eben Ribéry. Mit der Verpflichtung von Arjen Robben unter Louis van Gaal wurde daraus im Jahr 2009 eine veritable Flügelzange. Die beiden Außenpositionen mit dem Linksfuß Robben auf Rechts und dem Rechtsfuß Ribéry auf Links waren zwar spielerisch das Aushängeschild der Münchener – wirklich variabel war das Bayern-Spiel in der jüngeren Vergangenheit jedoch nicht. Im Gegenteil. 

Im Prinzip bestand das Offensivspiel der Bayern zwischen 2008 und 2011 im Wesentlichen daraus den Ball möglichst kontrolliert im letzten Drittel auf Ribéry und/oder Robben zu übergeben. Den Rest sollten die Beiden kreieren. Bayerns Offensivspiel war in dieser Phase ausrechenbar. Auf Grund der individuellen Klasse der beiden Akteure nicht unerfolgreich, aber ausrechenbar.

Dies fehlende Flexibilität sorgte für zwei Probleme. Einerseits konnten sich gegnerische Mannschaften sehr leicht darauf einstellen – andererseits stellte die Verletzungsanfälligkeit beider Akteure Bayern vor große Probleme. Insgesamt verpassten beide zwischen 2009 und 2012 allein in der Bundesliga 63 Spiele. Trotzdem waren Ribéry und Robben in dieser Zeitspanne an fast 50 Prozent der Bayern-Tore direkt beteiligt.

van Gaal verlangte Positionstreue

Erschwerend hinzu kam die extreme Positionstreue unter Louis van Gaal, der von seinen Flügelspielern verlangte das Spiel extrem breit zu machen und an der Außenlinie zu kleben. Gerade im zweiten Jahr des Niederländers wurden die Grenzen dieses Systems besonders sichtbar. Die gegnerischen Mannschaften zogen sich häufig weit zurück und konzentrierten sich darauf Zuspiele auf den jeweiligen Flügelspieler entweder zu verhindern oder sie bei Ballannahme zu doppeln oder gar zu trippeln. Das Muster Robben/Ribéry-zieht-gegen-zwei-oder-drei-Gegenspieler-in-die-Mitte-und-rennt-sich-fest wurde zum wiederkehrenden Ritual des Bayern-Spiels. Die Münchener waren durch diese Spielweise auch extrem abhängig von einem frühen 1:0, weil erst dadurch der Gegner gezwungen war irgendwann die Defensivtaktik zu lockern und neue Räume frei zu geben. Fiel dieses Tor nicht, wurde das Spiel des Rekordmeisters immer häufiger zu einer Aneinanderreihung von Quer und Rückpässen, die zwar hohen Ballbesitz aber kaum Torgefahr brachte. Borussia Dortmund gelang es in den direkten Duellen seit 2010 diese Schwächen in Bayerns Offensivspiel schonungslos offen zu legen.

Jupp Heynckes machte sich an 2011 daran die fehlende Flexibilität in Bayerns Offensivspiel aufzubrechen. Zwei Maßgaben waren dafür wichtig. Zum Einen setzte Heynckes seit Anfang 2012 mit David Alaba auf Links und Philipp Lahm auf Rechts konsequent auf zwei offensivstarke Außenverteidiger. Ihre Fähigkeit die vor ihnen postierten Außenspieler mit vollem Tempo zu hinterlaufen und mit ihrem starken Fuß bis zur Grundlinie vorzudringen, sorgte immer wieder dafür, dass ein Doppeln auf den Flügeln erschwert wurde. Lahm konnte in den Jahren zuvor als Rechtsfuß auf Links nicht so gefährlich hinterlaufen. Zudem ging von der jeweils gegenüberliegenden Abwehrseite mit den Verlegenheitslösungen Holger Badstuber, Jerome Boateng oder Daniel Pranjic häufig nicht die große Offensivgefahr aus.

Überladungen auf den Flügeln als Schlüssel zum Erfolg

Die zweite wichtige Maßgabe war die Auflösung der hohen Positionsdisziplin. Franck Ribéry, Arjen Robben, Thomas Müller oder Toni Kroos wurden in dieser Saison angehalten sich ihre Positionen im Offensivspiel immer wieder situativ selbst zu suchen, statt auf der vorgegebenen Position zu verharren. Ribéry und Robben tauschten in dieser Saison häufiger die Seiten oder sorgten gemeinsam mit Thomas Müller oder einem der Außenverteidiger für eine Überladung auf einem der Flügel. Perfekt umgesetzt im Champions League-Finale beim 1:0 durch Mandzukic, das Robben nach Zusammenspiel mit Ribéry über Links vorbereitete:

98 Tore allein in der Bundesliga. 4 Spieler mit mehr als 10 Toren. 6 Spieler mit 7 oder mehr Vorlagen. All das ist ein Produkt der neuen Variabilität in Bayerns Offensivspiel und einer der Gründe für die historische Saison des FC Bayern.

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