Servus Tymo – ein Rückblick

Dass Anatoliy Tymoshchuk den FC Bayern nach dieser Saison verlässt, war bereits seit einiger Zeit klar. Einzig die Frage nach dem neuen Verein war bisher offen. Seit Sonntag ist es offiziell. Der 124-fache Nationalspieler wechselt zurück zu Zenit St. Petersburg. Es wäre zu etwas hart seine Zeit bei den Bayern als Missverständnis abzutun. Richtig durchsetzen konnte sich der sympathische und immer engagierte Ukrainer trotzdem nicht. Er wirkte zu häufig wie der falsche Mann zur falschen Zeit am falschen Ort. Was bleiben wird, sind die Erinnerungen an eine besondere Mannschaft, die im Jahr 2013 Fußballgeschichte schrieb. Anatoliy Tymoshchuk ist unwiderruflich ein Teil davon. Ein Rückblick.

Als Tymoshchuk im Jahr 2009 verpflichtet wurde, sollte er die Lücke im zentralen Mittelfeld stopfen, die wohl erst in dieser Saison durch Javi Martínez endgültig beseitigt wurde. In der kurzen Klinsmann-Ära wurde deutlich, dass ein zentrales Mittelfeld mit Mark van Bommel und Zé Roberto vor allem defensiv den höchsten Ansprüchen nicht genügte. Tymoshchuk war nach fast 10 Jahren bei Schachtar Donezk im Jahr 2007 zu Zenit St. Petersburg gewechselt und war dort bis 2009 Taktgeber einer gleichsam erfolgreichen, wie spielerisch beeindruckenden Mannschaft, die im Jahr 2008 im UEFA Cup auch dem FC Bayern mit einem 4:0 die Grenzen aufzeigte. Tymoshchuk war in diesem Spiel der beste Mann auf dem Platz. Er lenkte und dominierte das Mittelfeld mit sicherem Passspiel, aggressiven Zweikämpfen und dynamischen Vorstößen bis tief in die gegnerische Hälfte. Klinsmann wollte ihn zu Bayern holen, doch als er in München ankam, hieß der Trainer van Gaal, der nicht viel mit ihm anfangen konnte. Trotzdem spielte Tymo in den ersten 13 Spielen der Saison 2009/2010 12 mal von Beginn an – meist an der Seite von van Bommel. Bayern gewann nur fünf dieser Spiele. Das lag sicher nicht nur an ihm, doch wirklich überzeugend spielte er in dieser Anfangszeit nie. Zu behäbig war sein Umschaltspiel, zu risikoreich häufig sein Zweikampfverhalten. Van Gaal zog seine Schlüsse und stellte fortan Bastian Schweinsteiger auf die Sechs. Tymoshchuk sollte in dieser Saison nie wieder von Anfang an spielen.

Richtig als Stammspieler fühlen durfte sich der Ukrainer ohnehin nur in der turbulenten Saison 2010/2011. Er stand in 23 Spielen in der Bundesliga vom Beginn an auf dem Platz. und wurde dabei auf Grund des Weggangs von Mark van Bommel und zahlreichen Verletzungen der Münchener zwischen der defensiven Sechs und der Innenverteidigung hin und hergeschoben. Luiz Gustavo war inzwischen zum FC Bayern gewechselt. Ein weiteres Signal, dass man mit ihm nicht zu 100 Prozent zufrieden war. Tymoshchuk ertrug dies klaglos. Sein Einsatz stimmte immer, seine Leistungen schwankten zwischen ordentlich und durchschnittlich. Ausreißer nach oben oder nach unten gab es selten.

Unter Jupp Heynckes wurde es zunehmend ruhiger um den zweifachen Familienvater. Zwar profitierte er in der Saison 2011/2012 von der Heynckes’schen Rotation und bekam gelegentlich seine Chancen von Anfang an. Im Champions League Finale 2012 wurde aber auch er zum Sinnbild eines bitteren Jahres. Tymoshchuk rückte auf Grund der Sperren von Badstuber, Alaba und Luiz Gustavo sowie der Verletzung von Daniel van Buyten in die Startelf. Er begann in der Innenverteidigung und wechselte später in der Partie ins zentrale Mittelfeld. Er spielte gut, vielleicht sogar sehr gut. Am Ende verlor Bayern im Elfmeterschießen. Tymoshchuk wäre als erfahrener Nationalspieler prädestiniert gewesen beim Shootout Verantwortung zu übernehmen. Er wehrte alle Überredungsversuche ab und trat nicht an. Auch für ihn sicherlich die sportlich bitterste Minute in seiner Zeit in München.

In den letzten Wochen konnten Beobachter einen anderen Anatoliy Tymoshchuk kennen lernen. Auch wenn er in dieser Saison fast nur noch als Joker zum Einsatz kam, um Vorsprünge über die Zeit zu retten, wirkte der einst so verschlossene 34-Jährige bei den Feierlichkeiten der letzten Tage gelöst, integriert, ja irgendwie angekommen. Vielleicht war es die Erleichterung über den besten Abschied, den man sich als Fußballer wünschen kann. Triple. Vielleicht ist es aber auch ein untrügliches Zeichen dafür wie sehr es in dieser Mannschaft gestimmt hat.

Anatoliy Tymoshchuk wird nicht als einer der ganz Großen in die Geschichte des FC Bayern eingehen. Aber er ist Teil einer der größten Bayern-Mannschaften, die es je gab. Das nimmt ihm keiner mehr. Vielleicht gibt es ein Wiedersehen in der kommenden Champions League-Saison für die sich sein alter und neuer Verein Zenit St. Petersburg qualifizieren kann. Ein freundlicher Applaus der Bayern-Fans dürfte ihm bei einer Rückkehr in die Allianz Arena sicher sein.

Servus Tymo. Man sieht sich.

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