Quo vadis Emre Can?

„Ich will nicht noch mal so ein Jahr wie das letzte erleben. Bei den Profis trainieren, aber dann bei den Amateuren spielen (…) Es fällt mir schon schwer, mich in der 2. Mannschaft zu motivieren, wenn man nur gegen Dorfvereine spielt. Das soll aber keine Beleidigung sein.“ Emre Can, 30.05.2013

Grundsätzlich ist es ja durchaus zu begrüßen wenn junge Spieler Ansprüche formulieren – zumindest dann, wenn diese Ansprüche durch Leistungen auf dem Platz untermauert werden. Cans Aussage zur fehlenden Motivation für die Regionalliga kann den Bayern Verantwortlichen nicht gefallen. Der 19-Jährige ist sicher das Talent, das am dichtesten am Bayern-Kader dran ist. Trotzdem stach er bei den Amateuren im Gegensatz zu einem Pierre-Emile Hojbjerg nicht heraus. Er spielte häufig passabel – mehr aber auch nicht. In seinen beiden Einsätzen von Beginn an für die Profis gegen Nürnberg und Freiburg machte er seine Sache ordentlich bis gut. „Such dir deine Lücke“, hatte Jupp Heynckes Can vor der Saison mit auf den Weg gegeben. Genau darum wird es für ihn gehen, wenn er sich bei Bayern durchsetzen will.

Auch wenn unter Guradiola die Karten sicherlich neu gemischt werden, scheint es ausgeschlossen, dass sich der U21-Nationalspieler in der nahen Zukunft im zentralen Mittelfeld einen Stammplatz erarbeiten kann. Bastian Schweinsteiger, Javi Martinez, Luiz Gustavo, Toni Kroos, David Alaba und sogar Jan Kirchhoff, der diese Position in Mainz mehrfach bekleidete, stehen auf dieser Position vor ihm. Blickt man auf die spielerische Stärken des 1 Meter 86 großen Bayern-Spielers scheint ohnehin eine anderen Position prädestiniert für Can. Seine physische Stärke im Zweikampf (62 Prozent gewonnene Zweikämpfe), sein Kopfballspiel, sein sehr ordentliches Passspiel stechen heraus. Eigenschaften, die in der Innenverteidigung besonders gefragt sind. Bayern steht nach der erneuten Verletzung von Holger Badstuber vor einer etwas unsicheren Zukunft in der defensiven Zentrale. Dante und Jerome Boateng dürften einen Vorsprung haben. Dahinter kämpfen Daniel van Buyten, der wohl verlängert und Neuzugang Jan Kirchhoff um Einsatzzeiten. Konkurrenz vor der sich Emre Can nicht verstecken muss, wenn er die Situation annimmt.

David Alaba hat es vorgemacht. Er galt lange Zeit als zentraler oder offensiver Mittelfeldspieler für den es keinen Platz im Bayern Kader gab. Erst Heynckes stellte ihn konsequent auf die linke Verteidiger Position. Für Alaba bedeutet dies den Durchbruch. Emre Can war seinen Alterkollegen in der Jugend durch seine Größe und physische Stärke immer überlegen. Im „Herrenfußball“, wie Mehmet Scholl gerne sagt, reicht das allein nicht mehr – zumindest nicht beim FC Bayern. Wenn er spielen will muss sich Can seine Lücke im Bayern-Kader suchen – oder wohl oder übel irgendwann einen anderen Verein.

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11 Antworten zu Quo vadis Emre Can?

  1. beesven schreibt:

    Der junge Mann scheint ein echtes Feierbiest zu sein.
    Man munkelt das er nach der Meisterfeier nicht imstande war den Amateuren – anders als Pierre-Emile Höjbjerg – auf dem Platz zu helfen, ein Schelm ist wer da Böses denkt.
    Bei den bewegten Bildern während der Siegerehrung und der Siegesfeier der CL war er mir zu oft und zu nah in unmittelbarer Nähe des Pokals oder der Bildmitte zu sehen.
    Das erweckt in mir den Eindruck – subjektiver gehts nimmer – das er sich für höhere Aufgaben berufen fühlt, und gut daran täte sich wieder aufs wesentliche zu konzentrieren.
    Wenigstens sind uns Aussagen nach der Façon eines Moritz Leitner erspart geblieben.

  2. Gedächtnisflanke schreibt:

    Sollte sich ausleihen lassen. Er hat völlig Recht, die jetztige Situation bringt ihn nicht weiter, und man hat gesehen was eine Ausleihe bewirken kann. Beispiele: Alaba (Hoffenheim), Koo ( Augsburg), Ginzeck ( St. Pauli).

    • derbayernblog schreibt:

      Ich halte mal dagegen. Ich glaube, dass genau das kommende Jahr das Zeitfenster sein kann, um sich durchzusetzen. Badstuber verletzt, van Buyten ist 35 und Kirchhoff muss sich erst einmal beweisen. Ich bin im Grundsatz auch ein Fan von Ausleih-Geschäften, um Spieler unter „Wettkampfbedingungen“ zu testen und Ihnen Spielpraxis zu verschaffen. Aber auch wenn er ein Jahr woanders spielt, bleibt in den kommenden Jahren das Überangebot im defensiven Mittelfeld. Wenn, dann klappt es auf der IV-Position und da ist im kommenden Jahr die Chance groß wie nie

      • hauptsachefussball schreibt:

        Ich kann meinem Kollegen vom Bayern-Blog nur zustimmen. Ein wenig Demut wäre angesichts für Herrn Can, vor der ungeheuren Leistung dieser seiner Mannschaft, die ihren Weg zu nunmehr bereits zwei herausragend erspielten Titeln zu 99,5% ohne Herrn Can gegangen ist. So what? Charakter ist gefragt. Alaba und Badstuber haben auch zwei, drei Jahre gebraucht, um europäisches Spitzenniveau zu erreichen. Also – was erlaube Can? Ball flach halten und immer schön den Tiger im Hinterkopf behalten… 🙂

      • Gedächtnisflanke schreibt:

        Stimmt natürlich auch. Wenn Can Ambitionen hat, sollte er sich jedenfalls mit Van Buyten und Kirchhoff messen lassen, und auch Boateng ist nicht übermächtig, auch wenn er in der letzten Saisonhälfte gut in Form war, im Spielaufbau und Zweikampftiming hat er noch Luft am Boden.

        Andererseits war die Situation in diesem Jahr die gleiche, Badstuber war verletzt und Kirchhoff noch gar nicht da. Außerdem ist die IV Position sicherlich die, wo man am ehesten noch hohe Qualität dazukaufen könnte.

        Insgesamt bleibe ich also eher skeptisch, dass er sich in naher Zukunft durchsetzt, da Heynckes ihn, im Gegensatz zu Alaba vor dessen Durchbruch, auch fast nie eingewechselt hat, sogar ein Timo wurde ihm vorgezogen.
        Meiner Meinung nach sollte er die ersten Wochen bei Bayern mittrainieren und dann eventuell den Verein auf Leihbasis wechseln. Als Spieler merkt man eh relativ schnell, ob der Trainer mit einem plant.

  3. hauptsachefussball schreibt:

    Entschuldigung, der obige Kommentar ist nicht vollständig und deshalb in Teilen unverständlich. Also nochmal: Ich kann meinem Kollegen vom Bayern-Blog nur zustimmen. Ein wenig Demut wäre angebracht für Herrn Can, angesichts der ungeheuren Leistung dieser seiner Mannschaft, die ihren Weg zu nunmehr bereits zwei herausragend erspielten Titeln zu 99,5% ja nun ohne Herrn Can gegangen ist. Und was ist in dem Alter gegen Spielpraxis mit der zweiten Mannschaft zu sagen? Gar nichts. So what? Charakter ist gefragt. Alaba und Badstuber haben auch zwei, drei Jahre gebraucht, um europäisches Spitzenniveau zu erreichen. Also – was erlaube Can? Ball flach halten und immer schön Hermann Gerland Tiger im Hinterkopf behalten, sonst frisst dich am Ende noch der „Tiger“ zum Frühstück, Emre… 🙂

  4. ben schreibt:

    Sehe ich ähnlich, Demut wäre angebracht. Vielleicht hätte Herr Can seine Energie besser auf Spiele wie gegen Würzburg, Memmingen und Illertissen konzentriert – hätte man sich da Niederlagen erspart, würde jetzt nicht 1860 II in die 3. Liga aufsteigen.

  5. Ois Chicago schreibt:

    Aus seiner Sicht: Der wär narrisch, wenn er sich seine Chance , sich unter Guardiola durchzusetzen, entgehen lässt. Aus Fan-Sicht: Ich habe noch’n Hummels-„Trauma“. 1-A-Talente weggeben – da ist immer die Gefahr, dass sie flügge werden

  6. Betrachtungswinkel schreibt:

    Mir ist die Szene mit diesem Möchtegern-Tor in Erinnerung, wo er sich nach dem Shakiri-Freistoß gereckt hat, ihn eventuell, vielleicht, unter Umständen mit den Haarspitzen berührt hat und danach gejubelt hat, als hätte er die Saison entschieden … super peinlich, weg mit dem Mann.

  7. giselher schreibt:

    Ein Typ, der sich selbst überschätzt. Gemessen an seinen Einsatzminuten der Bayernspieler mit der höchsten „Ich-meckere-jetzt-mal-den-Schirri-an“-Quote. Und das maßlos und agressiv. Schade, denn eigentlich hat er was Gutes ….

  8. Pingback: Was wird aus Gomez, Pizarro und Co.? | Der Bayern Blog

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