Juventus Turin – FC Bayern 0:2 (0:0)

Juventus Turin – FC Bayern 0:2 (0:0)
Juventus Turin Buffon – Barzagli, Bonucci, Chiellini – Padoin (69. Isla), Pogba, Pirlo, Marchisio (79. Giaccherini), Asamoah – Vucinic, Quagliarella (66. Matri)
FC Bayern Neuer – Lahm, Van Buyten (35. Boateng), Dante, Alaba – Martínez, Schweinsteiger – Robben, Müller, Ribéry (80. Luiz Gustavo) – Mandzukic (83. Pizarro)
Ersatz: Starke, Rafinha, Shaqiri, Gomez
Schiedsrichter: Carlos Velasco Carballo (Spanien)
Zuschauer 40.823 (ausverkauft)
Tore: 0:1 Mandzukic (64.), 0:2 Pizarro (90.+1)
Gelbe Karten: Bonucci / Mandzukic

Es war eine reife Leistung im Juventus-Stadium, die Bayern da hinbrachte wo sie nach den Leistungen in dieser Saison mindestens hingehören. Unter die Top-4 in Europa. Die Art und Weise des 2:0-Siegs zeigt dabei wie weit diese Mannschaft inzwischen ist.

3 Dinge, die auffielen:

1. Die Summe der Kleinigkeiten

Das Besondere am Spiel der Münchener am gestrigen Abend war das Gewöhnliche. Spieler, die für das Besondere zuständig sind, wie Thomas Müller, Arjen Robben oder Franck Ribery traten kaum in Erscheinung, beziehungsweise stellten sich in vielen kleinen Aktionen in den Dienst der Mannschaft. Hier eine Balleroberung, da eine Entlastung durch ein weites Dribbling. Nichts besonderes also und doch so unglaublich wichtig für das Gesamtkonstrukt. Es ist die Summe der Kleinigkeiten, die Bayern im Moment mit so hoher Konzentration und Entschlossenheit abspult und stark macht. Manuel Neuers Souveränität in der Anfangsstunde, die Juventus über weite Strecken mit Härte und taktischem Geschick bestimmte. Bastian Schweinsteigers Anpassung an das Turiner Pressing, dem er mit zunehmender Spielzeit durch tiefes fallen lassen oder weite Wege auf die Außen immer mehr entwich und damit die Räume für das Münchener Spiel öffnete. Mario Mandzukic‘ Willensstärke trotz mehrerer Ellbogen von Chiellini und der frustrierenden frühen Gelben Karte, Ruhe zu bewahren und Bayern mit dem 1:0 auf die Siegerstraße zu bringen.

Am Ende stand ein verdienter Sieg. Ohne individuelle Glanzlichter, sondern mit kollektiver Seriösität. Dortmund brauchte ein Wunder und den Schiedsrichter gegen Malaga, um weiterzukommen. Barcelona war gegen Paris beinahe verzweifelt auf einen angeschlagenen Messi von der Bank angewiesen, um sich eine Runde weiter zu zittern. Irgendwie ist der FC Bayern diesen Dingen im Moment entwachsen. Wir spielen einfach nur unseren Fußball. Das heißt für die kommenden Halbfinals überhaupt nichts, aber es sagt viel aus über den FC Bayern im hier und jetzt.

2. Give Boateng Credit

Es ist so etwas wie die Lieblingsdisziplin von einigen Sportkommentatoren. Sobald Jerome Boateng ein Ball verspringt wie es auch seinen Nebenmännern ab und zu passiert wird dann vom „klassischen Boateng-Aussetzer“ und ähnlichen Dingen gesprochen. Einer seriösen Überprüfung hält das aus meiner Sicht nicht stand. Boateng hat in dieser Saison genau ein schlechtes Spiel abgeliefert – und das hing mit seiner unnötigen roten Karte gegen BATE Baryssau zusammen, die Bayern in der Champions League Vorrunde unnötig schwächte. Ansonsten ist das was Boateng zeigt meist gut bis ordentlich. Der Kicker sieht das genauso – In 27 benoteten Spielen erhielt Boateng in dieser Saison nur eine 5. Sein Notenschnitt in der Liga liegt bei 3,1. Er ist nicht so elegant wie Dante, nicht so ein moderner Innenverteidiger wie Badstuber, aber trotzdem gibt es wohl nur wenige seines Alters, die in der 35. Minute überraschend in ein hoch angespanntes Spiel geworfen werden und diesen Job so abgeklärt und sicher erledigen wie Boateng am gestrigen Abend. Das war keine Glanzleistung, die in die Geschichtsbücher eingeht, aber es war eine sehr ordentliche Vorstellung, die der Mannschaft in einer kritischen Phase des Spiels geholfen hat. Darum geht es.

3. Juve noch nicht am Ende des Weges

Auch wenn Bayern der alten Dame über 180 Minuten gesehen deutlich überlegen war. Mit Juventus ist in den kommenden Jahren auf europäischer Ebene zu rechnen – das haben gerade die ersten 30 Minuten am gestrigen Abend gezeigt. Die Mannschaft ist klug zusammengestellt mit vielen talentierten, physisch enorm starken und hungrigen Fußballern und dem Übergangsverwalter Pirlo (33) im Zentrum eines komplexen 3-5-2-Systems. Pirlos Zeit wird enden – Vidal (25), Marchisio (27), Asamoah (24) oder der viel versprechende Pogba (20) werden übernehmen. Selbst Abwehrkante Chiellini ist erst 28 und hat noch ein paar gute Jahre vor sich. Was dem momentanen Kader fehlt ist ein internationaler Klasse-Torjäger, als Partner für Vucinic. Niclas Bendtner sollte diese Lücke füllen, hat sich aber in zahlreichen Nebenkriegsschauplätzen verzettelt. Juve wird wohl auch in dieser Saison die Meisterschaft in der Serie A gewinnen.

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