Deutscher Fußballmeister FCB

Ich habe es hier in diesem Blog mehrfach geschrieben. Dass der FC Bayern nach einer Saison 2011/2012, die mit dem noch immer unfassbaren Champions League-Finale dramatisch endete und ob der Überlegenheit Dortmunds in Liga und Pokalfinale das Selbstverständnis dieses Vereins in seinen Grundfesten erschüttert hat, so früh, so überlegen, so unangefochten, so brilliant zum 23. mal die Deutscher Meisterschaft einfährt, ist keine Selbstverständlichkeit. Es ist die Konsequenz harter Arbeit, es ist aber auch die Konsequenz einer spielerischen und mentalen Weiterentwicklung einzelner Spieler und auch des gesamten Vereins. Die Verpflichtung von Matthias Sammer in der Phase höchster Verunsicherung im Sommer spielt hier eine wichtige Rolle. Sammer hat schon im Sommer-Trainingslager in Italien den Ton gesetzt. Keine Ausreden, kein lamentieren, sofort Ergebnisse – das war die Marschroute die Sammer vorgab und die die gesamte Mannschaft aufnahm.

Jupp Heynckes Anteil an der Meisterschaft und der gesamten Entwicklung des Vereins ist ebenfalls nicht hoch genug zu bewerten. Der FC Bayern war spätestens seit der Klinsmann-Verpflichtung 2008 auf der Suche nach taktischer Avantgarde und fußballerischer Progressivität. Barcelona war zum damaligen Zeitpunkt Mythos und Maßstab. Während Klinsmann als Fußballlehrer scheiterte und van Gaal als Moderator und Kommunikator schnell an seine Grenzen stieß, hat Heynckes diesen Auftrag verwirklicht. Der FC Bayern spielt aktuell hochmodernen, taktisch komplexen und fußballerisch attraktiven Fußball wie nur sehr wenige Mannschaften in Europa. All das garantiert keine internationalen Titel, aber der Aufbruch in die fußballerische Moderne ist mit Heynckes endgültig gelungen.

Es mag sein, dass Meisterfeiern beim FC Bayern etwas anderes sind, als bei Gelegenheits-Meistern wie Dortmund oder Eintagsfliegen wie Wolfsburg oder Stuttgart. Eine Meisterschaft zwei Monate vor Saisonende ist für eine Stadt wie München vielleicht kein Grund für Exstase und drei Tage Ausnahmezustand, aber dennoch ist sie für jeden Bayern-Fan und wohl auch jeden Spieler kein Stück weniger wertvoll. Wer das nicht versteht, versteht diesen Verein nicht.

Mich lässt diese Saison jedenfalls schon jetzt mit tiefer Zufriedenheit und Genugtuung zurück – egal wie es im Pokal und in der Champions League ausgeht. Diese Saison war und ist schon jetzt besonders. Sie fühlt sich anders an als die souveränen Meisterschaften 2005 und 2006, als die Liga und der deutsche Fußball insgesamt ein Tal durchschritt und Bayern trotz häufig mäßiger Leistung souverän den Rest der Liga dominierte. Wenn ich mir im vergangenen Jahrzehnt in einigen schwierigen Phasen des Vereins ausgemalt habe, wie der FCB im Idealfall fußballerisch, personell und strukturell aufgestellt sein müsste, kommt das dem Status quo sehr, sehr nah. Dass dies durch die souveränste Meisterschaft in der Liga-Geschichte belohnt wird, ist die Krönung dieser Entwicklung.

Deutscher Fußballmeister FCB \o/

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Hintergrund veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Deutscher Fußballmeister FCB

  1. om schreibt:

    „Mich lässt diese Saison jedenfalls schon jetzt mit tiefer Zufriedenheit und Genugtuung zurück – egal wie es im Pokal und in der Champions League ausgeht.“

    Das sieht bei mir leider ein bisschen anders aus. Und wenn ich die Aussagen von Uli Hoeneß höre, dann geht es ihm sicher ähnlich wie mir (wahrscheinlich geht es eher mir ähnlich wie Hoeneß, alles andere wäre Blasphemie..).

    Diese Meisterschaft und vor allem die Art und Weise, wie sie erspielt wurde (inklusive souveränem Sieg gegen den BVB, wenn auch nur im Pokal), ist in der Tat sehr befriedigend. Aber trotzdem war dies nur eine erste Etappe. Das große, übergeordnete Ziel ist Wembley.

    Man hört es aus den Aussagen der Spieler und der Verantwortlichen heraus. Man will Genugtuung. Genugtuung für 2 Jahre Meisterschaftsabsenz und teilweise Demütigung durch den BVB hat man jetzt erhalten. Genugtuung für München 2012 ist noch lange nicht geleistet.

    Ich bin zwar letztlich pessimistisch, was dieses Ziel angeht und irgendwie hab ich wahnsinnigen Bammel davor, gegen den BVB im Finale zu landen (eine Niederlage würden weder Hoeneß noch Schweinsteiger jemals verkraften können!), aber letztlich kann ich auch noch nicht feiern. Dafür ist dieses Ziel meiner Mannschaft zu wesentlich, ich glaube, für den ein oder anderen gar existenziell.

  2. Pingback: | Fokus Fussball

  3. wochenendrebell schreibt:

    „Mich lässt diese Saison jedenfalls schon jetzt mit tiefer Zufriedenheit und Genugtuung zurück – egal wie es im Pokal und in der Champions League ausgeht.“

    Schwer zu glauben, dass mit einem Pokalsieger SC Freiburg und einem Championslegaue Sieger BVB diese Aussage noch Bestand haben wird.Überhaupt spielte und spielt der BVB als Ursprung für die gezeigte Dominanz, aber auch vielleicht als Zünglein an der Erfolgswaage für die Beurteilung dieser Saison eine entscheidende Rolle. Und spannend wird´s nächste Saison sowieso. Ich denke so Ende September , wenn ein Großteil der Fans verstanden hat, dass Pep nicht aus einem 9-2 gegen den HSV ein 9-2 gegen Manchesetr City machen kann. Das wird eine heisse Saison, an dessen Ende vielleicht die großen internationalen Trainer für die Bundesliga verbrannt sind oder die BAyern endlich ihren Henkelpott hochhalten.Vielleicht auch als Titelverteidiger.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s