Update: Der Beste seit Gerd Müller

Wenn unsere Enkel uns in 30 Jahren einmal fragen was für ein Spieler Mario Gomez war, dann reicht vielleicht eine DVD vom 1:0-Sieg des FC Bayern gegen Hoffenheim am 03. März des Jahres 2013, als Antwort. Es war ein typisches Gomez-Spiel. Hätte er das Tor nicht gemacht, hätte er sich über eine Note 4,5 und den Kommentar „fiel nicht groß auf“ nicht beschweren dürfen. So war er mit seinem Stochertor der Matchwinner. Mal wieder.

Es gibt mit Sicherheit Tage an denen Mario Gomez in einer ruhigen Minute inne hält und sich fragt: „Was wollt ihr eigentlich alle?“ Es gab in der Geschichte des FC Bayern schon viele umstrittene Spieler, die auf Grund ihrer Leistungen immer wieder im Fokus der Kritik standen. Auch Gomez muss sich seit Beginn seiner Zeit bei Bayern Kritik an seiner Person und seinem Spielstil gefallen lassen. Erst war er unter van Gaal unerwünscht und wurde auf Grund seiner Reservistenrolle als Fehlkauf abgestempelt – dann traf er national wie international am Fließband und musste sich trotzdem immer wieder auf Grund seiner häufig passiven Spielweise und seinen limitierten Fähigkeiten im schnellen Kombinationsspiel gegen Angriffe verteidigen. Zuletzt wurde das kolportierte Bayern-Interesse an Robert Lewandowski immer wieder mit Kritik am Spielstil von Gomez verbunden.

Es gehört vielleicht zur Tragik der Karriere des Mario Gomez, dass seine beiden besten Jahre beim FCB die beiden titellosen Jahre 2010/2011 und 2011/2012 waren. Sein Anteil am Triple in diesem Jahr ist trotzdem nicht zu unterschätzen. In zwei wichtigen Spielen stand der 27-Jährige auf dem Platz. Im Hinspiel gegen den FC Barcelona und im DFB-Pokalfinale gegen den VfB Stuttgart. In beiden Spielen tat Gomez das was er macht. Tore schießen.

Es ist leicht an Spielern immer genau das zu kritisieren was sie nicht so gut beherrschen, anstatt sie daran zu messen wie gut sie das machen was sie auszeichnet. Es gibt durchaus gute Argumente einige der Kritikpunkte an Gomez zu entkräften. Seine Assistzahlen sind nicht schlecht, seine Fähigkeiten im Pressing haben sich über drei Jahre immer weiter verbessert. Er hat drei Meistertitel, zwei Pokalsiege und seit 2013 auch den langersehnten Champions League-Pokal – und doch sollte man Mario Gomez vor allem daran messen wofür er auf dem Platz steht. Tore.

Der Bayern Blog hat einen vertieften Blick in die Zahlen geworfen.

Top 10 Bayern-Torjäger

Mario Gomez hat sich in vier Jahren beim FC Bayern auf Platz 11 der ewigen . Bliebe er beim FC Bayern und hält seine Torquote aufrecht, wäre sogar Platz 4 von Dieter Hoeneß realistisch.

1. Gerd Müller: 365 Tore
2. Karl-Heinz Rummenigge: 162 Tore
3. Roland Wohlfarth: 119 Tore
4. Dieter Hoeneß: 102 Tore
5. Giovane Elber: 92 Tore
6. Mehmet Scholl: 87 Tore
7. Uli Hoeneß: 86 Tore
8. Lothar Matthäus: 85 Tore
9. Paul Breitner: 83 Tore
10. Roy Makaay: 78 Tore
11. Mario Gomez: 75 Tore

Top 10 Bayern-Torjäger Torquote

Hier zeigt sich Gomez wahre Qualität. Seine Torquote im Bayern-Trikot ist nur von Gerd Müller übertroffen. Weder Luca Toni, noch Roy Makaay, noch die Vereinslegenden Giovane Elber oder Karl-Heinz Rummenigge reichen mit ihren ebenso herausragenden Werten an ihn heran. Auffällig in dieser Übersicht ebenfalls: Jürgen Klinsmanns Spieler-Zeit in München war aus sportlicher Sicht wesentlicher erfolgreicher, als die Nebengeräusche es vermuten ließen.

1. Gerd Müller: (427 Spiele/365 Tore) = 0,85
2. Mario Gomez: (115 Spiele/75 Tore) = 0,65
3. Luca Toni: (60 Spiele/38 Tore) = 0,63
4. Roy Makaay (129 Spiele/78 Tore) = 0,60
5. Arjen Robben (72 Spiele/42 Tore) = 0,58
6. Giovane Elber (169 Spiele/92 Tore) = 0,54
7. Karl-Heinz Rummenigge: (310 Spiele/162 Tore) = 0,52
8. Jürgen Klinsmann (65 Spiele/31 Tore) = 0,47
9. Roland Wohlfarth (254 Spiele/119 Tore) = 0,47
10. Dieter Hoeneß (224 Spiele/102 Tore) = 0,46

Vergleich Torquote Mario Gomez und Gerd Müller

Noch spannender wird der Vergleich zwischen Gerd Müller und Mario Gomez wenn man nur die Startelf-Einsätze in die Wertung einberechnet. In den Saisons 2009/2010 und 2012/2013 kam Gomez häufig nicht über Joker-Einsätze hinaus. Teilweise kam er sogar nur für die letzten Minuten in die Partie. Schaut man seine Torquote bei den Startelf-Einsätzen an, rückt er sogar noch näher an Gerd Müller heran.

1. Gerd Müller: (427 Spiele/365 Tore) = 0,85
2. Mario Gomez: (87 Spiele/72 Tore) = 0,83

Ewige Torjägerliste Bundesliga: Torquote

Auch einen historischen Vergleich jenseits des FC Bayern muss Gomez nicht scheuen. Während Müller über den Dingen schwebt, rangiert Gomez in dieser historischen Liste in bester Gesellschaft auf Platz 5. Vor Spielern wie Uwe Seeler oder Rudi Völler.

1. Gerd Müller: (427 Spiele/365 Tore) = 0,85
2. Lothar Emmerich: (183/115) = 0,63
3. Horst Hrubesch: (224/136) = 0,61
4. Jupp Heynckes: (369/268) = 0,60
5. Mario Gomez: (236/138) = 0,58
6. Dieter Müller: (303/177) = 0,58
7. Uwe Seeler: (239/137) = 0,57
8. Rudi Völler: (232/132) = 0,57
9. Robert Lewandowski (98/54) = 0,55
10. Klaus Toppmöller (204/108) = 0,53

Top 10 Torjäger Europa seit 2000: Torquote (mind. 2 Saisons in Bundesliga, Premier League, Primera Division und/oder Serie A)

Auch auf internationaler Ebene spielt Gomez mit seiner Torquote ganz oben mit. Die Zahlen sind per Hand zusammen gesammelt, deshalb sind Fehler nicht komplett auszuschließen, dennoch zeigt sich wie gut Gomez Quote in einer der besten vier europäischen Ligen auch im Vergleich mit den ganz großen dieser Zeit ist. Um Missverständnissen vorzubeugen. Natürlich ist Zlatan Ibrahimovic ein kompletterer und vermutlich auch besserer Fußballer als Gomez, aber zum Verständnis der Qualitäten des Torjägers Gomez ist diese Übersicht durchaus hilfreich.

1. Lionel Messi (FC Barcelona): (246 Spiele/215 Tore) = 0,87
2. Ronaldo (FC Barcelona, Inter Mailand, Real Madrid, AC Mailand): (252/175) = 0,69
3. Christiano Ronaldo (Manchester United, Real Madrid): (331/231) = 0,69
4. Thierry Henry (Arsenal London, FC Barcelona): (338/211) = 0,62
5. Mario Gomez: (VfB Stuttgart, Bayern München): (236/138) = 0,58
6. Ruud van Nistelroy (Manchester United, Real Madrid, Hamburger SV, FC Malaga): (282/157) = 0,56
7. Zlatan Ibrahimovic (Inter Mailand, Juventus Turin, FC Barcelona, AC Mailand): (248/138) = 0,56
8. Samuel Eto’o (Real Madrid, FC Barcelona, Inter Mailand): (347/195) = 0,56
9. David Trezegeut (Juventus Turin, Hercules CF): (245/135) = 0,55
10. Roy Makaay (Deportivo La Coruna, FC Bayern München): (334/178) = 0,53

Top 10 Torjäger Champions League: Torquote

Auch hier bestätigt sich: Mario Gomez kann es was die Torquote angeht auch in Europa mit jedem aufnehmen. Van Nistelrooy und Messi schweben über den Dingen, aber Gomez bewegt sich mit seiner Torquote auf Augenhöhe mit den Großen.

1. Ruud van Nistelrooy (Manchester United, Real Madrid, FC Malaga): (73/56) = 0,77
2. Lionel Messi (FC Barcelona): (79 Spiele/59 Tore) = 0,75
3. Mario Gomez: (VfB Stuttgart, Bayern München): (44/26) = 0,59
4. Filippo Inzaghi (Juventus Turin, AC Mailand): (81/46) = 0,57
5. Karim Benzema (Olympique Lyon, Real Madrid): (53/31) = 0,58
6. Christiano Ronaldo (Manchester United, Real Madrid): (92/50) = 0,54
7. Didier Drogba (Olympique Marseille): (79/40) = 0,51
8. Raul (Real Madrid, Schalke 04): (142/71) = 0,50
9. David Trezeguet (Juventus Turin, AS Monaco): (58/29) = 0,50
10. Roy Makaay Deportivo La Coruna, FC Bayern München): (61/29) = 0,48

Fazit:

Die Statistik zeigt: Mario Gomez wird als einer der besten Stürmer in die Bundesliga-Geschichte eingehen. Seine Torquote ist überragend. Trotzdem spricht viel dafür, dass er den Verein in der Sommerpause verlassen wird. Wenn er gehen will, weil er mit seiner Rolle unzufrieden war, ist das nachzuvollziehen. Wenn er geht, weil er gehen soll, macht der FC Bayern einen großen Fehler. Mario Gomez ist der beste deutsche Torjäger seit Gerd Müller. So einen lässt man nicht gehen.

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17 Antworten zu Update: Der Beste seit Gerd Müller

  1. Marco Werner schreibt:

    Sehr gute Analyse. Das einzige was du noch hättest machen können, wäre: wie oft hat Mario davon das 1:0 oder eben nur die Tore 4,5 oder 6 in einem Spiel gemacht.

  2. Sauze schreibt:

    Sehr schöne Zusammenstellung. Folgende Statistiken fände ich hier noch zusätzlich hilfreich:
    – Minuten pro Tor
    – Quote der 1:0 Tore Spiel
    – Quote der durch Gomez Tore erzielten Punkte pro Spiel
    Gibt es dazu Datenmaterial?

  3. om schreibt:

    guter mann

  4. om schreibt:

    vom dezember letzten jahres, quelle: spielverlagerung+kommentator

    Mario Gomez seit 06/07: 192 Tore, 777 Schüsse, 4,04 Schüsse pro Tor.

    Miro Klose seit 06/07: 133 Tore, 539 Schüsse, 4,05 Schüsse pro Tor.

    Falcao – 176 Tore, 533 Schüsse. Quote von 3,03 Schüsse pro Tor
    Lionel Messi – 283 Tore, 1312 Schüsse. Quote von 4,64 Schüsse pro Tor
    Zlatan Ibrahimovic – 188 Tore, 1057 Schüsse. Quote von 5,62 Schüsse pro Tor
    Robin Van Persie – 166 Tore, 1034 Schüsse. Quote von 6,23 Schüsse pro Tor
    Thierry Henry – 209 Tore, 1354 Schüsse. Quote von 6,48 Schüsse pro Tor
    Cristiano Ronaldo – 290 Tore, 2475 Schüsse. Quote von 8,33 Schüsse pro Tor
    Wayne Rooney – 205 Tore, 1710 Schüsse. Quote von 8,34 Schüsse pro Tor

  5. Pingback: Die Blog- & Presseschau für Dienstag, den 05.03.2013 | Fokus Fussball

  6. Tom T. schreibt:

    Also halten wir positiv fest:
    Mario Gomez hat super Abschlussqualitäten, einen ausgeprägten Torinstinkt, ist schnell und physisch Stark, charakterstark und Teamplayer (bezogen auf seine Interviews). = Top Torquote

    Aber ein paar Dinge muss ich dazu noch sagen. Ich finde eine Argumentation ob ein Stürmer gut oder schlecht ist mit Tor- und Schussstatistiken ist mittlerweile genauso antiquiert, wie die „Leitwolf-Debatte“. Man sollte lieber mit Kausalitätsketten (Wie entstand das Tor ?), Ursache-Wikungs-Prinzipien und Fähigkeitenanalyse (Stärken und Schwächen) argumentieren. Und in diesen kommt Gomez teilweise richtig schlecht weg, gerade wenn man auch von Ansätzen wie dem Zidane-Clustering-Theorem ausgeht.

    Gomez Problem ist also seine Einseitigkeit und Anpassungschwierigkeit in einen modernen kombinationsfreudigen System. Es bliebt seine spezielle Fähigkeit: Sein überragenden Abschluss ! Nimmt man ihm die Möglichkeit zum Abschließen durch taktische Mittel (hohe Kompaktheit, Isolation, Aggresives ZK-Verhalten) ist er quasi nutzlos und hat keine weiteren Eigenschaften um der Mannschaft zu helfen. Ich denke, dass Teams wie der FC Bayern und der FC Barcelona genau die Teams sind, bei denen Gomez Fähigkeiten am wenigsten zum Tragen kommen.

    Es würde mir echt Leid tuen wenn ein Klasse Typ, wie Mario Gomez nur die 3te Geige bei einem Verein ist, egal welcher …

    • derbayernblog schreibt:

      Du hast natürlich recht mit der Darstellung der Schwächen von Gomez!

      Aber ich hoffe, dass im Artikel deutlich geworden ist, dass die Torquote natürlich nicht das alleinige Kriterium für eine Bewertung eines Stürmers ist. Was ich sagen wollte ist Folgendes: Der FC Bayern wusste was er bekommt als er Gomez verpflichtet hat. Er macht das was er kann – auf einem Weltklasseniveau. Wenn Bayern einen anderen Stürmertypen haben will werden sie einen verpflichten – aber das Genörgel an Gomez sollte aufhören, weil er das was er kann wirklich sehr gut macht wie die Zahlen beweisen.

      Zum Stichwort indepth Statistiken. Ich finde diese stoßen schon irgendwann an Grenzen. Welche Mannschaft hat denn Gomez in den vergangenen Jahren wirklich so leicht aus dem Spiel genommen wie du sagst? Gegen wen war er quasi nutzlos? Er hat in der Champions League 12 Tore aus dem Spiel heraus erzielt – Messi 10 – Bayern stand im Champions League Finale – Barcelona nicht. Auch darauf kommt es am Ende des Tages ja irgendwie an….

      Also: Gomez ist kein kompletter Spieler, aber aus meiner System auch im Sytsem von Bayern ein sehr wertvoller und effizienter Vollstrecker.

      • Sauze schreibt:

        Ich finde das konstante Genörgel am Mario auch unnötig. Als er von Stuttgart kam hatte er das Problem, dass er sich von einer Kontermannschaft (–> viel Platz für den Stürmer und viele Szenen mit Tempo und Ball am Fuß) auf eine dominante Mannschaft (–> minimaler Platz und schnelle Entscheidungsfähigkeit) umstellen musste. Daran hatte er zu Beginn etwas zu knappern, hat dies aber (wie die Statistiken zeigen) bewältigt. Er hat auch nicht den „einfachen Weg“ gewählt und sich Spielpraxis durch eine Ausleihe geholt, sondern fair auf seine Chance hingearbeitet. Dabei hat er nicht in jedem Interview auf sein Recht auf einen Stammplatz plädiert (wie das so manch andere tun). Interessanterweise wurde ihm das dann sogar als fehlender Killer-Instinkt ausgelegt. Schon interessant, wie schlecht Mario in der öffentlichen Wahrnehmung weg kommt (siehe Scholl Zitate).
        Ich hoffe ja auf eine nochmalige Weiterentwicklung der Bayern in der kommenden Saison unter Guardiola auch im Hinblick auf die WM2014. Ich denke, dass man hier mit den drei „Blöcken“ aus Spielern vom FCB, BVB und Real auf Grund der ähnlichen Spielweise ideal vorbereitet sein könnte. An dieser Entwicklung würde ich Mario gern teilhaben lassen, um die Deutschen Chancen auf einen WM-Titel nicht zu verringern.

    • Johannes schreibt:

      Wenn es so ist wie du schreibst dann frage ich mich warum Gomez dann bei van Gaal zum zuge gekommen ist, anstelle von Klose dem man ja nachsagt ein sehr mitspielender Stürmer zu sein.
      Gomez wird einfach für alles 10x mehr kritisiert als andere Mandzukic hat bisher 1 Tor in der CL geschossen ,Gomez hätte man dafür wohl schon wieder öffentlich gekreuzígt.
      Ich glaube das wir ihn noch brauchen werden besonders in der Championsleague, wenn er denn vernünftige Einsatzzeiten bekommt.

  7. GoalImpact schreibt:

    Die Statistik spricht klar für Gomez. Es gibt nicht viele Stürmer, die besser sind als er. Ich habe Tore pro 900 Spielminuten analysiert. Da ist Gomez auch vorne, wenn man mal von Messi absieht.

    http://www.goalimpact.com/2013/03/types-of-forwards-in-football.html

  8. Klaus schreibt:

    Sehr guter Bericht. Nur der Roland Wohlfahrt heißt eigentlich Roland Wohlfarth. Aber das ist eigentlich egal.

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