Schweinsteiger vs. Gündogan – der Faktencheck

„Schweinsteiger ist ein Spieler, der immer weiter zurückgehen wird, weil er die Schnelligkeit einfach nicht mehr hat. Auf der Position (im defensiven Mittelfeld; Anm.d.Red.) braucht man Schnelligkeit, Aggressivität.“  Olaf Thon, ex-Trainer VfB  Hüls bei Sky90

Auch wenn Olaf Thon nicht gerade zu den profiliertesten Fußballexperten dieses Landes gehört, hat der ex-Schalker mit seinen Aussagen über eine mögliche Wachablösung in der Mittelfeldzentrale der Nationalmannschaft einen Nerv getroffen. Schweinsteiger ein Auslaufmodell? Zeit für einen Faktencheck und einen Daten-Vergleich von Bastian Schweinsteiger und dem hochgelobten Ilkay Gündogan in der laufenden Bundesliga-Saison.

Man könnte es sich leicht machen und einfach auf den aktuellen Tabellenstand verweisen, doch der Vergleich der beiden Spielgestalter, lohnt einen vertieften Blick.

Schnelligkeit:

Wenn Thon davon spricht, dass Schweinsteiger inzwischen die Schnelligkeit fehle, hält dies einer Überprüfung nicht stand. Daten aus Leistungstests sind weder mir noch Olaf Thon bekannt. Ein Blick auf die zugänglichen Daten lässt jedoch den Schluss zu, dass Thon kolossal falsch liegt. Bundesliga.de erhebt an jedem Spieltag die Höchstgeschwindigkeiten eines jeden Spielers – und Thon bezog sich ja auch explizit auf die Dynamik der beiden Spieler in der konkreten Spielsituation. Schweinsteiger erreichte am 20. Spieltag beim 3:0-Sieg gegen Mainz mit einer Geschwindigkeit von 32,4 km/h seinen Topwert in dieser Saison. Gündogan fällt hier als Vergleichsindikator deutlich ab. Sein Topwert liegt bei 29,9 km/h im Spiel gegen Stuttgart am 10. Spieltag der Saison.

Zweikämpfe und Offensivspiel:

Auch die weiteren Werte lassen den Schluss einer Wachablösung absolut nicht zu. Schweinsteiger und Gündogan bewegen sich bei den Zweikampfwerten auf Augenhöhe (Schweinsteiger: 52,3 Prozent/Gündogan: 54 Prozent). Bei den Offensivwerten liegt Schweinsteiger deutlich vorn. Der Münchener erzielte 5 Tore und bereitete einen Treffer vor. Gündogan traf einmal selbst und legte zwei Mal auf. Schweinsteiger war an 50 Torschüssen beteiligt, Gündogan an 36. Schweinsteiger ist damit alle 32 Minuten an einem Torabschluss beteiligt, Gündogan alle 35 Minuten. Schweinsteiger hat insgesamt mehr Spielanteile und berührt im Schnitt alle 57 Sekunden den Ball, Gündogan alle 64 Sekunden. Trotzdem ist Schweinsteigers Passquote besser als die von Gündogan. Auch die Beuhauptung Schweinsteiger spiele vor allem in der eigenen Hälfte und viel mehr in die Breite als Gündogan, trifft nicht durchgehend zu. Im direkten Duell zwischen Dortmund und Bayern am 15. Spieltag spielte Gündogan in der generischen Hälfte 5 erfolgreiche vertikale Pässe, Schweinsteiger deren 7. In der eigenen Hälfte spielten beide hauptsächlich in die Breite oder zurück.

Gündogan spielt weniger Foul:

Die einzige Kategorie in der der Dortmunder deutlich die Nase vorn hat, ist die Anzahl der Fouls. Während Schweinsteiger alle 48 Minuten Foul spielt, agiert Gündogan nur alle 67 Minuten regelwidrig im Zweikampf. Dieser Wert spräche in der Tat dafür, dass Schweinsteiger im Vergleich zu Gündogan ein wenig Dynamik vermissen lässt, da er häufiger zum Foulspiel greifen muss. Auf der anderen Seite wird Schweinsteiger selbst viel häufiger gefoult als Gündogan, was wiederum gegen diese These spricht, da auch Schweinsteiger selbst häufig nur mit Fouls gestoppt werden kann.

Fazit:

Insgesamt bleibt festzuhalten: Gündogan ist fraglos wichtig für das Dortmunder System. Stand er in dieser Saison der Startelf, verloren die Borussen nur ein einziges Mal. Doch auch Schweinsteiger spielt nach Anlaufschwierigkeiten eine starke Saison und ist ein wesentlicher Grund für die herausragende Spielweise der Münchener in der gesamten bisherigen Spielzeit. Gündogan hat das Alter und damit gewiss die Zukunft auf seiner Seite. Zu Schweinsteiger fehlt ihm gerade in Punkto Torgefährlichkeit zum jetzigen Zeitpunkt noch ein deutliches Stück.

Mit freundlichen Grüßen an Olaf Thon

DerBayernBlog

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17 Antworten zu Schweinsteiger vs. Gündogan – der Faktencheck

  1. Marco Werner schreibt:

    sehr fein analysiert. aber ein aspekt der mir noch fehlt ist, das schweinsteiger seit 2006 sicher mit formschwankungen auf diesem niveau spielt und gündogan erst, seit 1,5 jahren.

    • derbayernblog schreibt:

      Das ist ein sehr guter Punkt. Wobei der Versuch ja war die momentanen Leistungen der beiden zu vergleichen, weil Thon, Netzer und andere den Eindruck erwecken Gündogan sei schon jetzt deutlich besser und Schweinsteiger kann sich nur auf Grund seiner Erfahrung bis zu Weltmeisterschaft 2014 retten. Ich finde generell, dass die Entwicklung von Schweinsteiger seit 2008 phänomenal ist und er spätestens seit dem mit ganz wenigen Ausnahmen auf Top-Niveau spielt. Von daher gebe ich dir absolut recht!

  2. Dariusch schreibt:

    Die Herren wollen doch nur die Ruhe in München stören.
    Es läuft einfach zu gut und auf dem Platz gibt es in der BL keinen Gegner auf Augenhöhe.
    Dann muss man über die Medien für Unruhe sorgen.
    Gündogan ist erst im Laufe der Saison zur Topform gekommen, er ist noch den Beweis schuldig, dass er kein One-Season-Wonder ist wie Sahin.
    Basti spielt seit Jahren auf dem Niveau.

  3. Pingback: Die Kader der deutschen Nationalmannschaft - Seite 76 - Fanlager

  4. Marco Werner schreibt:

    wahrscheinlich hat thon das mit seiner leistung damals verwechselt oder warum war er zum schluss libero 😉

  5. Pingback: Die Blog- & Presseschau für Dienstag, den 12.2.2013 | Fokus Fussball

  6. Borsti2 schreibt:

    Besonders stark ist Herr Schweini immer vor Vertragsverlängerungen.

  7. Pingback: Die Blog- & Presseschau für Mittwoch, den 13.02.2013 | Fokus Fussball

  8. Marius Schneider schreibt:

    @Bayernblog: Leider bist du der Statistik etwas auf dem Leim gegangen. Der erreichte Topspeed wie er von z.b. Impire ermittelt wird, sagt sehr wenig über die „wirkliche“ Schnelligkeit des Spielers aus. Entscheidend ist das gesamte Zusammenwirken von Antritt (Spritzigkeit), Sprintdistanz, Sprintkonstanz, Ausdauer und Topwert. (das Mentale lass ich mal komplett weg, damit es die Komplexität nicht zu sehr überschreitet)

    Ein Gündogan kann z.b. auf 30m wesentlich schneller sein als ein Schweinsteiger, obwohl dieser höhere Topspeedwerte hat.

    Da ich auch keine genauen Daten dazu habe, kann ich nur subjektiv urteilen und ich finde Bastian Schweinsteiger wirkt wirklich sehr lahm und träge, vorallem im Antritt.

  9. derbayernblog schreibt:

    Das ist mir schon klar, dass das nicht der einzige entscheidende Wert ist. Was mich stört ist genau das was Du schreibst: Nach einem Eindruck zu urteilen. Schweinsteiger wird immer langsamer…. so wie Thon es formuliert hat – woran macht er das fest? Das wollte ich anhand der vorliegenden Daten überprüfen. Der Topspeed ist der einzige Wert der mir zugänglich ist. Und er ist auch kein ganz unwichtiger, um die Schnelligkeit zu bewerten. Zum Beispiel erreicht Jerome Boateng regelmäßig den Topwert bei Bayern mit teilweise über 34/35 km/h – das spricht mit dem, was man so von den Leistungstests der Nationalmannschaft gehört hat überein. Es ist aus meiner Sicht durchaus ein wesentlicher, wenn auch natürlich kein hinreichender Wert, um die Schnelligkeit beider Spieler zu bewerten. Aber so lange keine anderen Daten vorliegen, muss ich das zur Grundlage nehmen. Ich war übrigens selbst überrascht über die Werte und hätte vom Eindruck her auch vermutet, dass Gündogan höhere Geschwindigkeiten erreicht!

    • Christian schreibt:

      Aus eigener Erfahrung kann ich sagen dass Verletzung sich vor allem auf den Antritt und die Beweglichkeit auswirken und weniger auf den Topspeed. Ich bin weder Profifussballer noch Mediziner und weiss nicht inwiefern ein Profi nach Verletzungen wieder zu 100% seine ursprünglichen Werte kriegen kann, ich jedenfalls hab sie nach 2 Bänderrissen in meinem 22. und 24. Lebensjahr nicht wieder bekommen.

  10. Martin schreibt:

    Interessanter Artikel, ich bin da auch eher eurer Meinung, dass Schweinsteiger doch deutlich stärker ist.
    Allerdings find ich die Werte die ihr als Begründung verwendet nicht immer korrekt, gerade bei Schnelligkeit und Zweikampfstärke. Schnelligkeit lässt ich meiner Meinung nach nicht nach nur durch dem Top Speed nachweisen, ich glaube, dass Olaf Thon (auch wenn ich ihn nicht mag) sich eher falsch ausgedrückt hat. Ich glaube er bezieht sich viel eher auf Dynamik und Pressingstark. Wenn Gündogan einen Spieler anläuft, wirkt das fast wie ein „Pressingschwarm“, nicht so stark wie bei z.B. bei Kagawa aber doch deutlich stärker als bei Schweinsteiger. Schweinsteiger wirkt dabei eher etwas träger hat aber sehr gute Qualitäten in Sachen Raumbeherrschung, wo er sicherlich Gündogan überlegen ist.

    Was sich meiner Meinung nach auch nicht ganz so einfach begründen lässt ist, dass Schweinsteiger in Sachen Zweikampf fast so stark ist wie Gündogan. Ich gebe zu ich habe dazu auch keine Daten vorliegen, aber was mir schon oft auffiel ist, dass sich das Gegenpressing von Dortmund zu den Bayern doch unterscheidet. Dortmund ist eher darauf aus, den Pass zu antizipieren und dann abzufangen, wobei Bayern die Gegner dabei eher in einen Zweikampf zwingt, und dort einfach ihre individuelle Überlegenheit auszuspielen. Demnach müsste Schweinsteiger auch deutlich mehr Zweikämpfe als Gündogan bestreiten, dementsprechend auch eine höhere Zweikampfquote haben.
    Ich habe dazu leider keine Statistiken, deswegen lässt sich das alles auch nicht belegen, das waren nur beobachten die ich hier mal loswerden möchte.

    Trotzdem fein analysiert, finde es gut und richtig das ein Bayern Blog zu dieser Kritik Stellung nimmt, und diese auch objektiv begründen kann.

    Mit bayrischen Grüßen

  11. derbayernblog schreibt:

    Moin Martin – super Kommentar. Besten Dank! Ich sage ja auch nicht, dass es so einfach ist. Ich glaube auch, dass Gündogan im Gegenpressing besser ist als Schweinsteiger, allerdings geht Bayern auch nicht so konsequent ins Gegenpressing wie Dortmund. – generell ist die gesamte defensive Ausrichtung beider Mannschaften sehr unterschiedlich. Gündogan hat auf jeden Fall mehr abgefangenen Bälle als Schweinsteiger – das geht aus den Daten bei whoscored.com hervor. Aber wie gesagt: Die Ausrichtung ist auch etwas unterschiedlich!

    • martin schreibt:

      Da kann ich dir auf jeden Fall zustimmen! Und fühle mich dank whoscored bestätigt.
      Bin ja gespannt aufs pokalspiel da kann man sie direkt vergleichen 😉

      Generell echt guter Blog hier!!

  12. tr0ete schreibt:

    Die gesamte taktische Vorgabe bei beiden Mannschaften ist sehr unterschiedlich, nicht nur in der defensive. So hat Bayern im Gegensatz zum BVB immer deutlich mehr Ballbesitz. Dadurch lassen sich die höhere Anzahl an Ballkontakten erklären und zum Teil auch die bessere Passquote. Schweinsteiger spielt (ohne Beleg) vermutlich mehr kurze, sichere Bälle, während Gündogan häufig lange, riskante Bälle schlägt.
    Um die beiden, sofern es überhaupt möglich ist, einigermaßen objektiv miteinander vergleichen zu können, wäre es am sinnvollsten Spiele der Nationalmannschaft heranzuziehen, da hier beide im gleichen taktischen Konzept spielen (welches meiner Ansicht nach eher dem des FCB entspricht). Im Spiel gegen Frankreich hatte Gündogan hier z.B. ähnlich viele Ballkontakte wie sonst Schweinsteiger (vgl. Artikel http://www.zeit.de/sport/2013-02/guendogan-deutschland-frankreich-paris).
    Alles in allem auf jeden Fall schön zwei Spieler solchen Formats zu haben. Und der Kroos kann das ja auch noch…

  13. StefanD schreibt:

    Hey, ich bin zwar Dortmundfan aber finde das ihr hier eine gute sachliche Analyse gemacht habt. Diese ganze Debate ist völlig unfair, sie wird weder Schweinsteiger gerecht, noch Gündogan. Letzterer ist am Anfang seiner Karriere und muss noch sehr viel lernen. Wenn er so weiter macht, ist er natürlich auf einem guten Weg, aber es ist auch ungerecht ihn mit Schweinsteiger zu vergleichen, welcher unbestritten seit Jahren zu einem Weltklasse-Mittelfeldspieler zählt. Wie schon von anderen erwähnt, spielen der FCB und der BVB andere Systeme, wobei Bastian und Ilkay sicherlich auch andere taktische Aufgaben übernehmen müssen. Daher ist eine reine Statistikanalyse sicher auch mit der gewissen Prise Salz zu genießen.

  14. Pingback: Wolfsburg - FC Bayern | Hecking findet Mittel, wir trotzdem Wege | Miasanrot.de

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