Bayern Blog-Hinrundenzeugnisse: Teil 2 – Dante überragend, Boateng muss sich im Spielaufbau steigern

Der Bayern Blog verteilt Hinrunden-Zeugnisse für den Bayern-Kader und zeigt auf wer sich wo in der Rückrunde noch verbessern muss. Nach Teil 1 mit den Bayern-Torhütern, heute Teil 2: Die Abwehr. 

Philipp Lahm: Der Bayern-Kapitän ist und bleibt die absolute Konstante in der Bayern-Hintermannschaft. Lahm stand in allen Bundesliga und Champions-League-Partien auf dem Feld und hat somit großen Anteil an der guten Vorrunde der Münchener. Lahms große Stärke bleibt die Ballbehauptung und die Passsicherheit, die der Heynckes-Elf Sicherheit im Kombinationsspiel verschafft. In der Bundesliga bringt er knapp 89 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler. In der Champion League steigert er diesen Wert sogar auf über 92 Prozent. Im Vergleich: Lukas Piszczek von Borussia Dortmund bringt in der Bundesliga 80 Prozent und in der Champions League 79 Prozent seiner Pässe zum eigenen Mann.

Ein Grund für diese herausragenden Zahlen bei Lahm ist sicherlich die Ausrichtung der Bayern auf einen hohen Ballbesitz und vieler Quer- und Rückpässe des Bayern-Außenverteidigers. Dennoch ist Lahm auch im Offensivspiel effektiver als in den Vorjahren. Lahm bereitete in dieser Saison bereits 4 Tore in der Bundesliga vor. Damit hat er seinen Wert aus dem Vorjahr (3 Vorlagen) bereits übertroffen. Auch in der Champions League legte Lahm bereits drei Treffer auf. Auch seine defensiven Werte bewegen sich auf hohem Niveau. Lahm gewann über 64 Prozent seiner Zweikämpfe am Boden und spielte pro Spiel nur 0,5 mal Foul. Er zählt in dieser Form zu den besten Außenverteidigern in Europa und mit seinen Leistungen auch großen Anteil an der herausragenden Vorrunde von Thomas Müller, der vor ihm auf der rechten Seite aufblüht. Note: 2 

David Alaba: Alaba war sicherlich die Entdeckung des Frühjahrs 2012, als er mit tollen Leistungen auf der linken Abwehrseite ein langjähriges Bayern-Problem auf der Außenverteidigerposition auf einen Schlag löste. Nach seinem Fußbruch waren viele gespannt ob er diese Leistungen würde bestätigen können. Nach 11 Bundesliga-Spielen und 4 Champions League-Einsätzen in der Hinrunde ist klar: Er kann. Sein Zusammenspiel mit Franck Ribery funktioniert hervorragend, da er ihn anders als sein Vertreter Badstuber zu Saisonbeginn offensiver und dynamischer hinterläuft und dem Franzosen somit Freiräume schafft. Ribery machte seine besten Spiele gegen Hamburg, Frankfurt, Hannover und im Heimspiel gegen Lille wenn Alaba hinter ihm agierte. Sein Offensivdrang ist auch an Zahlen abzulesen. Alaba war in der Bundesliga alle 43 Minuten an einem Torschuss beteiligt – Lahm im Vergleich nur alle 48 Minuten. Zudem schoss Alaba in 11 Einsätzen 11 Mal aufs Tor. Lahm in 17 Einsätzen nur 5 Mal. Auch defensiv findet sich Alaba gut zurecht und zeigte gerade gegen quirlige Außen wie Blaszczykowski oder Stefan Aigner starke Leistungen. Wenn es etwas zu verbessern gibt ist es sicherlich seine Effizienz im Offensivspiel. Zwei Tore und ein Assist stehen wettbewerbsübergreifend zu Buche – zu wenig, wenn man den Aufwand Alabas im Offensivspiel betrachtet. Dennoch eine gute Vorrunde des Österreichers. Note: 2,5

Dante: Dante war der Dauerbrenner der Hinrunde und stand in der Bundesliga in jedem Spiel über 90 Minuten auf dem Platz. Dass er ein überdurchschnittlicher Bundesligaverteidiger ist, hat er in den vergangenen Jahren in Mönchengladbach bewiesen. Gespannt war man auf seine Leistungen in der Champions League. Auch hier überzeugte der Brasilianer mit Ausnahme des Spiels in Borisov. In der Bundesliga erlaubte er sich eigentlich nur beim Heimsieg gegen Mainz, als er gegen Julian Baumgartlinger ungeschickt einen Elfmeter verschuldete, einen folgenschweren Fehler. Ansonsten strahlte Dante physisch, aber auch verbal eine beeindruckende Präsenz aus und war, egal wer neben ihm spielte, eine wichtige Stütze in der Viererkette. Er ist so etwas wie der Prototyp eine Bayern-Abwehrspielers in der momentanen taktischen Ausrichtung. Er ist groß, kopfballstark und trotzdem schnell. Das erlaubt es der Bayern-Viererkette sich im Pressing extrem weit vorzuschieben und damit das Spielfeld extrem zu verengen. Lange Bälle der Gegner zur Befreiung aus diesem Pressing, sind auf Grund der Kopfballstärke und Endschnelligkeit der Bayern-Hintermannschaft in dieser Saison kein Problem.

Dante trägt auch die Hauptlast im Spielaufbau und erreicht mit 64 Pässen pro Spiel den Topwert der Innenverteidiger. Mit über 90 Prozent angekommener Pässe erledigt er diese Aufgabe mehr als ordentlich. Für Dante geht es darum diese starken Leistungen der Hinrunde zu bestätigen. Durch den langfristigen Ausfall von Badstuber wird es wenig Möglichkeiten zur Rotation auf der Innenverteidiger-Position geben. Ob die Bayern-Saison 2012/2013 ein Erfolg wird hängt somit wesentlich an ihm. Note: 1,5

Jerome Boateng: Boateng steckt momentan so ein wenig in der Potenzial-Falle, in die schon viele Spieler getappt sind, die bereits in jungen Jahren mit guten Leistungen auf sich aufmerksam gemacht haben und danach keinen riesige Entwicklungssprung mehr machen. Zuletzt hatte der Kicker mit einem Stück über „das Rätsel Boateng“ in die gleiche Kerbe geschlagen und suggeriert sogar, dass der Nationalspieler bei Bayern vor dem Aus steht. Dabei wird jedoch oft übersehen, dass Boateng gerade in dieser Saison sowohl national, als auch international auf sehr hohem Niveau spielt und sich insgesamt wenige Fehler erlaubt. Tiefpunkte waren sicherlich seine Rote Karte gegen Borisov und sein unglücklich verschuldeter Elfmeter gegen Mönchengladbach am 17. Spieltag. Dass er bei der einzigen Niederlage in der Bundesliga gegen Leverkusen kurz vor Schluss einen Kopfball aus kurzer Distanz ins eigene Tor abfälschte, ist nicht als Fehler zu werten. Ansonsten spielte Boateng auf gehobenem Niveau. Er gewinnt in der Bundesliga 70 Prozent seiner Zweikämpfe am Boden  – deutlicher Bestwert der Bayern-Innenverteidiger. Wenn es wirklich etwas zu kritisieren gibt, ist es sicherlich sein Aufbauspiel. Gerät Boateng unter Druck, wählt er zu häufig den langen Ball. Die schlechteste Passquote der Bayern-Innenverteidiger ist ein Resultat dieser Spielweise.

Gegen Borussia Dortmund am 15. Spieltag wurde dies besonders deutlich. Boateng kam in der 37. Minute für den verletzten Badstuber ins Spiel. Badstuber spielte in den 37. Minuten 43 Pässe und nur 4 lange Bälle. Boateng spielte in der restlichen Spielzeit gerade mal 21 Pässe, jeder dritte Ball davon war jedoch ein weiter Schlag nach vorn. Die Folge: Während Badstuber über 95 Prozent seiner Pässe zum Mitspieler brachte, waren es bei Boateng deutlich unter 80 Prozent. Wenn Boateng defensiv weiter auf diesem hohen Niveau spielt und seine Fähigkeiten im Spielaufbau verbessert, kann er trotz der vielen Kritik auf lange Sicht ein wesentlicher Bestandteil der Bayern-Mannschaft werden. In der Rückrunde steht er unter Beobachtung. Note: 3 

Holger Badstuber: Dass der Ausfall von David Alaba zu Saisonbeginn nicht zu einem großen Problem wurde, ist vor allem Holger Badstuber zu verdanken. Auch wenn einige Journalisten ihm eine Unzufriedenheit andichten wollten, dass er zu Saisonbeginn links hinten und nicht im Zentrum verteidigen musste, erledigte er diese Pflichtaufgabe hervorragend. Badstuber hat die beste Zweikampfquote aller Bayern-Innenverteidiger und auch die beste Passquote mit 94 Prozent. Natürlich hat er auf der linken Verteidigerposition nicht den Drive eines David Alaba, aber er fand sich nach kurzer Eingewöhnungsphase gut zurecht und war nur beim Gegentreffer zum 0:1 gegen Leverkusen und in der Champions League gegen Borisov direkt an Gegentoren beteiligt. Seine schwere Verletzung gegen Dortmund war ein Schock, ob er in der Rückrunde noch mal zum Einsatz kommt, scheint fraglich. Es bleibt zu hoffen, dass Dante, Boateng und van Buyten diese Lücke stopfen können. Note: 2

Daniel van Buyten: van Buyten ist, nimmt man die Spieler, die aus der Bayern-Jugend kommen aus, der dienstälteste Münchener. Seit 2006 verrichtet der Belgier solide seinen Job. Jüngere sind inzwischen an ihm vorbei gezogen, auch weil ihm zuletzt immer wieder Verletzungen zurück warfen. Nur zwei Bundesliga-Einsätze in der Hinrunde machen eine Bewertung schwierig. In der Rückrunde wird jedoch viel auf ihn ankommen. Sollte sich Boateng oder Dante verletzten, bleibt er als einzige Alternative. Außerdem wird es wichtig sein im Frühjahr auch auf der Innenverteidigerposition zu rotieren, um den beiden Stammspielern eine Pause zu ermöglichen. Somit wird van Buyten in der Rückrunde gefordert sein. Nicht zu benoten  

Rafinha: Es ist erfreulich, dass sich der Brasilianer mit seiner Rolle als Backup abgefunden und in der Winterpause Wechselabsichten verneint hat. Es ist beruhigend einen soliden Ersatz hinter Philipp Lahm zu haben, der bei einer Verletzung einspringen kann. Rafinha stand in der Hinrunde in der Bundesliga nur 97 Minuten auf dem Platz. Auch seine Spielanteile könnten in der Rückrunde steigen, wenn Lahm eine Pause benötigt. Nicht zu benoten

Diego Contento: Contento hatte das Pech genau zu der Zeit verletzte gewesen zu sein wie David Alaba. Wäre er zu Beginn der Saison fit gewesen, hätte er sich mit Sicherheit hinten links empfehlen dürfen. So stehen lediglich zwei Einsätze im DFB-Pokal und der Champions League zu Buche. Für ihn gilt das gleiche wie für Rafinha auf der anderen Seite. Er wird in der Rückrunde rotationsbedingt Spielanteile bekommen. Dann muss er zeigen, dass er auch in Zukunft ein solider Backup beim FCB sein kann. Nicht zu benoten

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