Sammer macht Goretzka zu Chefsache

„Denn auch der FC Bayern bemüht sich intensiv um die Dienste des Mittelfeldspielers, Co-Trainer Hermann Gerland hatte sein Interesse bereits im Januar öffentlich gemacht. Derzeit werden die Abwerbeversuche aber verstärkt.

Wie die „Welt“ erfuhr, hat Matthias Sammer den Fall Goretzka zur Chefsache erklärt und sich auch schon mit dem Nachwuchsspieler getroffen. Der Sportdirektor, seit Sommer im Amt, kennt den langjährigen Jugendnationalspieler bestens aus seinen Zeiten als Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes.“

Sven Flohr, 02. November 2012, WELTonline.

Schon mit der Verpflichtung Sammers wurde viel über mögliche Namen von Nachwuchstalenten spekuliert, die bald das Trikot des FC Bayern tragen könnten. Auch wenn die Zeiten der dicken Notizbücher eines Sepp Herbergers vorbei sein dürften – so hat Sammer doch auf Grund seiner Arbeit beim DFB wohl die umfassendste Datenbank über den gesamten deutschen Jugendfußball angesammelt. An Leon Goretzka, den Kapitän der deutschen U17 Nationalmannschaft kommt man dabei ohnehin nicht vorbei. Der 17-Jährige, der in diesem Jahr mit der Fritz-Walter Medaille für den besten Jungendspieler seines Jahrgangs ausgezeichnet wurde, stand in dieser Zweitliga-Saison für den VfL Bochum in 10 von 11 möglichen Spielen auf dem Platz. Nach seinem Tor am ersten Spieltag gehört er dabei in seiner allerdings krisengeschüttelten Mannschaft stets zu den besseren Akteuren (Kicker-Notenschnitt 3,3). Dass Sammer die Personalie Goretzka zu Chefsache macht ist ein richtiges Signal. Die Anziehungskraft des FC Bayern für junge Talente hat in den vergangenen Jahren nachgelassen. Das zeigt zum Beispiel der Wechsel von Leonardo Bittencourt zu Borussia Dortmund vor der Saison.

Deutlich zeigt diese Personalie aber auch wie wichtig der Aufstieg der Bayern Amateure in die 3. Liga für die gesamte Nachwuchsarbeit des Vereins ist. Goretzka hat in naher Zukunft auf seiner bevorzugten Position auf der 8 in der Mittelfeldzentrale (ähnlich wie Bittencourt) kaum Chancen auf Spielanteile beim FC Bayern, da die Konkurrenz dort besonders groß ist. Gleichzeitig hat sich in den vergangenen Jahren eine Philosophie durchgesetzt. Junge Profis müssen im Übergang zum Herren-Bereich im Alter zwischen 18 und 21 spielen, um sich zu entwickeln. Das haben die Beispiele Kroos, Müller, Badstuber und auch Götze gezeigt. Der Weg junge Profis wie Goretzka über einen absehbaren Zeitraum mit den Profis trainieren zu lassen und in Einsätzen mit der zweiten Mannschaft auf gehobenem Niveau reifen zu lassen, wie es Bayern aktuell mit Emre Can und Mitchell Weiser praktiziert, ist dabei durchaus erfolgsversprechend. Die Regionalliga ist dafür jedoch keineswegs so attraktiv wie die 3. Liga, in der Mannschaften wie Aachen, Bielefeld, Rostock, Osnabrück oder Münster mit gestandenen und erfahrenen Profis agieren.  Alternativ kann auch eine Verpflichtung des Spielers mit gleichzeitiger Ausleihe an einen Zweitliga-Verein Sinn machen, wie es Borussia Dortmund zum Beispiel mit Julian Koch (Duisburg), Daniel Ginczeck (Bochum/St. Pauli) oder Lasse Sobiech (St Pauli/Fürth) umsetzt.

Goretzka steht mit Bochum nach dem Rauswurf von Andreas Bergmann und dem Abstiegskampf bereits vor einer großen Aufgabe. Je nachdem wie gut er diese meistert, scheint ein Wechsel des Talents im kommenden Jahr realistisch und sinnvoll. Es wird spannend zu beobachten sein, wie der FC Bayern unter dem neuen Sportchef Sammer mit dieser Personalie umgeht. Sie wird richtungsweisend für die Personalpolitik unter Matthias Sammer werden.

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