Heynckes vs. Sammer – Diskussion zur Unzeit

„Ich fand die Kritik weder in der Form noch in der Sache ungerechtfertigt. Und ich bin der Meinung, dass man das schon so akzeptieren muss. Denn er ist ja ein Partner des Trainers auf Augenhöhe und ich bin der Meinung, dass er das absolut machen kann. Damit fällt doch dem Jupp in keinster Weise ein Zacken aus der Krone. In keinster Weise!“

Uli Hoeneß, tz-online.de, 03.10.2012

Die Diskussion um Matthias Sammer und Jupp Heynckes kommt für den FC Bayern nach einem hervorragenden Saisonstart zur Unzeit und hat durch die unnötige Niederlage gegen Borisov in der Champions League medial an Fahrt gewonnen. Auch wenn die Sache intern durch einen „Friedensgipfel“ aller Beteiligten beruhigt zu sein scheint hat die Auseinandersetzung grundsätzlichen Charakter.

Matthias Sammer ist für den FC Bayern kein Versuch, kein Experiment wie es Jürgen Klinsmann oder Christian Nerlinger waren. Matthias Sammer ist installiert worden um langfristig, vielleicht für die kommenden Jahrzehnte die sportlichen Geschicke des FC Bayern zu leiten. Er ist Mitglied im Vorstand und damit formell auch in einer Vorgesetzten-Position zu Trainer Heynckes. Sammer ist in seinen ersten Monaten hervorragend aufgetreten. Er hat sich öffentlich demütig in den Schatten der Geschichte des FC Bayern gestellt, um seine eigene Position nicht zu überhöhen und hat gleichzeitig wichtige Impulse in die Mannschaft hinein gesendet („drei Wochen Urlaub sind genug“,  „Schweinsteiger ist als Führungsspieler gefordert“ etc.). Auch die Rückmeldungen aus der Mannschaft waren positiv wie einige Interviews gezeigt haben. Sein Warnschuss nach dem Bremen-Spiel kam zur rechten Zeit. Das Spiel gegen einen spielerisch deutlich unterlegenen Gegner stand trotzdem lange Zeit auf der Kippe weil dem Heynckes-Team die nötige Konsequenz abging, die sie zum Beispiel unter der Woche gegen Wolfsburg noch ausgezeichnet hatte. Was gegen Bremen noch gut endete, ging gegen Borisow schief.

Nochmal also: Die Kritik von Sammer war sachlich gerechtfertigt und im Ton moderat. Die Entgegnung von Heynckes war es nicht. Die Bayern-Bosse um Rummenigge und Hoeneß sind gefordert jetzt und in Zukunft öffentlich Position für Sammer zu beziehen. Sammer soll diesen Verein über Jahre prägen, Heynckes hat viel für den FC Bayern getan, wird aber wohl nach einer hoffentlich erfolgreichen Saison 2012/2013 aufhören. Ein Sportvorstand kann nur dann positiv auf eine Mannschaft einwirken und den FC Bayern nach innen und nach außen inhaltlich prägen wenn er eines besitzt. Autorität. Rummenigge und Hoeneß sind gut beraten diese Autorität Sammers gerade in der Anfangszeit zu untermauern und zu stützen. Noch deutlicher vielleicht als es Hoeneß im oben zitierten Interview getan hat. Nur dann kann Matthias Sammer langfristig erfolgreich sein.

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3 Antworten zu Heynckes vs. Sammer – Diskussion zur Unzeit

  1. Jan schreibt:

    Stimme dir da vollkommen zu. Fand die Debatte medial unnötig hochgepusht, da es ja wohl intern kaum Probleme gab die man nicht mit einem ruhigen Gespräch schnell lösen konnte.

    Interessant wird es hier dann, wenn Heynckes Nachfolger kommt und der Schmusekurs endgültig vorbei ist. Wie sagte Hoeneß so schön: „in einiger Zeit sollen Sie Grundsatzdiskussionen mit Matthias führen“ — ab dann ist der starke Herr Sammer gefragt.

  2. Pingback: Die Blog- & Presseschau für Freitag, den 05.10.2012 | Fokus Fussball

  3. Geert H schreibt:

    Sammer soll den Verein lange prägen? Das ist eine gute Nachricht für Borussia Dortmund.

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